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Der Israelit · 1902-03-27 · Heft 25-26 (27.3.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 25-26 (27.3.1902)
Date
1902-03-27
Page
– (sequence 25)
Language
German
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27.März19ü2.1 M Ar l»r. 10, swoirerr erves MürZÄsv HaVckWerk§d«r§chs». -^hhhh«# Wahrheit ohne Dichtung. Auch ich bin in Arkadien geboren, auch ich erblickte in W .... . das Licht der Welt. Nur wenige meiner lieben Leser würden dieses W.. . . . aus der Landkarte zu finden wissen. Ich muß daher zur Erklärung hinzufügen, daß W .... ein kleiner Flecken des Elsaß in der Nähe der Bezirksstadt C . . . ist, früher Sitz einer zahlreichen Judengemeinde, welche ihre Nachkömmlinge so ziemlich nach allen Weltrichtungen ausgeschickt, so daß man deren, Reiche und Arme, in allen möglichen Stellungen und Berufen in den bedeutendsten Handelsplätzen der verschiedenen Continente finden kann. Ein gewisser Thatendrang und Unternehmungsgeist, gepaart mit Anstelligkeit und Findigkeit, mag für das rasche Emporlommen der Sprossen der jüdischen Gemeinde der W . . . . er die ungezwungene Erklärung abgeben. . Nun, mir waren diese besonderen Charaktereigenthümlichkeiten des W. . . . er Judenschlages nur in gewiß geringstem Maße bei der Geburt mitgegeben. Konnte es doch auch bei den Verhältnissen meiner lieben Eltern nicht anders sein. Mein Vater war Lohnfuhrmann, wenn man den nicht minder mühseligen wie armseligen Schleppdienst so nennen und als selbstständigen Berus bezeichnen kann. Ich sage in. ganz buchstäblichem Sinne Schleppdienst, denn gar oft kam es vor, .daß nicht er mit seinen Maaren von seinem alten Gaul oder Esel geschleppt wurde, sondern daß er selbst in eigenster Herrlichkeit den Wagen sammt Esel oder Gaul ziehen mußte. Ich nenne auch absichtlich einmal den Gaul vor dem Esel, das andere Mal den Esel vor dem Gaul, denn es erschien immer zweifelhaft, ob der alte Gaul, den er von des Abdeckers grausamen Händen zu retten versucht, oder ob der kaum noch ziehfähige störrische Esel, 'welchen er billigkeitshalber mit dem Gaul vertauscht, der akademischen Palme würdiger waren. Bei dem elenden, oft erborgten Futter, welches mein armer Vater im Stande war, feinen lieben Stallungsgenossen vorzusetzen, mag es auch Niemand damals Wunder genommen haben, daß zeitweise der Gaul oder der Esel nicht mehr weiter konnten und ihrem Herrn, denn so muß man ihn doch bezeichnen, aus Erschöpfung den Gehorsam allerunterthänigst kündigten.. Das war Alles noch wohl hinzunehmen, wenn es an einem schönen sonnigen Tage geschah. Man denke sich aber die Situation bei abscheulichem Aprilweiter, weit weg auf der großen Landstraße, dabei noch umgeben von höhnenden Arbeitern, welche eben von der nahen Gypsmühle heimkehrten und das kleine Männchen im grünen Rock mit seinem Gefährt grinsend^anstaunten, — von Hülfe, Mitleid oder sonstigen menschlichen Regungen war ja bei den rohen Gesellen keine Rede. Primitiv war auch der Verkehr mit seinen Auftraggebern. Ging 'mal Waare unterwegs verloren, so meinte er, man möge ihm den Fuhrlohn dafür einbehalten. Er soll sogar einmal, als man ihn darüber zu Rede stellte, daß während einer solchen Fahrt mit Hindernissen ein Bündel Waare abhanden gekommen sei, sich geäußert haben, er habe wohl auf dem Wege hören „plumsen", sich aber, .in Gedanken vertieft, gar nicht umgesehen, ein Ausspruch, der noch jetzt im Ort sprichwörtlich sein soll. Mit den paar Groschen, welche er kümmerlich durch

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