Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 25-26 (27.3.1902)
- Date
- 1902-03-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jji jlf 48,' Satcgmg.: Zur Frage jüdischer Kreditanstalten. In Nr. 83 dss. Bl., vom Jahrgang 1901, wenn ich nicht irre, befindet sich eine wohl zu beherzigende Darlegung der Kreditöerhältnisse für die jüdische Kaufmannschaft, spez. für die mittleren Stände, welche als Schlußfolgerung einen Aufruf an die leitenden Kreise enthielt, zum Zwecke der Besserung dieser Kreditverhältnisse eigene jüdische Kreditvereine zu gründen. Dieser Ausruf gab zu einer kurzen weiteren Besprechung der Frage in einer der nächstfolgenden Nummern Veranlassung, seitdem scheint aber die ganze sehr wichtige Angelegenheit quasi im Sande zu verlaufen. Wenn ich nun, trotzdem ich weder Interessent noch Fachmann bin, mich zu einem Vorschläge auch meinerseits entschlossen habe, so geschieht dies, weil derselbe mir schon dadurch seine Berechtigung darzuthun scheint, daß er nicht, wie die üben besprochenen, einer langen Debatte über das Für und Wider, über die Art der Ausführung, den Umfang und die Organisation des Werkes, noch über die Möglichkeit der raschen Realisirung bedarf. Und dies gerade ist nach meiner Ansicht der springende Punkt, daß nämlich nicht „möglichst viel in unabsehbarer Zukunst g e s ch ehe n soll, sondern daß möglichst bald etivas P o s itives — und wäre es auch nur in geringstem Maßstabe — in Funktion trete." Logischerweise sollte eben denen zuerst geholfen werden, welche der Hilfe am dringendsten bedürfen und denen am leichtesten zu helfen ist, d. h. den kleinen und kleinsten Leuten, denen mit relativ geringfügigen Summen aufgeholfen werden kann. Um nun das Werk ohne Verzug in Thätigkeit zu setzen, muß die Institution, wenigstens vorerst und provisorisch, einer schon längst funktionirenden anderen Institution angegliedert resp. ihr übertragen werden. Eine solche Institution von bewährter Tendenz, welche unser aller volles Vertrauen besitzt, haben wir in der orthodoxen Vereinigung zu Frankfurt (Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums), einer Versammlung von Männern, denen keine Mühe und keine Arbeit zu viel ist, wo es sich um die Erfüllung einer Mizwah handelt. Und gibt es eine größere, deutlicher in unserem heil. Schrifttext anempfohlene Mizwah, als die, seinem wankenden Bruder unter die Arme zu greifen, auf daß er nicht falle, ihm mit den uns von Gott geschenkten Mitteln die Parnosoh zu erleichtern, auf daß er der Zedokoh nicht bedürfet .• Ich. denke mir nämlich die Sache ungefähr so: Die orthodoxe Vereinigung resp. ein von ihr bestellter Ausschuß, vorbehaltlich späterer Decentralisation, bilde einfach die offizielle Vermittlerin zwischen dem Entlehn« und dem Ausleiher. Der des Geldes oder lediglich des Kredits bedürftige — denn von Zins ist ja keine Rede . — Kleinhändler, Kleinhandwerker, Haustier etc., wendet sich unter Darlegung seiner Verhältnisse mit den betreffenden Ausweisen und Zeugnissen an die orthodoxe Vereinigung. Diese prüft einerseits die eingehenden Gesuche, zieht Erkundigungen ein über die Religiosität, moralische Aufführung, Solidität, Tüchtigkeit und * Zahlungswilligkeit des Gesuchstellers, denn selbstverständlich sollen nur würdige und eine gewisse Garantie der Rückerstattung bietende Erwerbsfähige berücksichtigt werden. Andererseits erläßt sie einen Aufruf an hochherzige Glaubensgenossen, denen an der Ausübung einer solchen erhabenen Mizwah gelegen ist, und trägt die sich Meldenden in eine Liste ein mit der Höhe des Betrages, bis zu welcher sie sich eventl. verpflichten möchten. Sie veranlaßt dann den einen oder anderen der freiwilligen Leiher, die betreffende Summe an der oder jener Bankstelle dem obigen Gesuchsteller als Kredit zur Verfügung zu stellen, indem sie aber von Zeit zu Zeit die. richtige Verwendung des Kredits nach Möglichkeit konirolirt, - d. h. event. den Kredit nur in Raten zur Auszahlung kommen laßt und die Rückerstattung rechtzeitig, veranlaßt, bei nicht unverschuldeter Zögerung der Rückzahlung auch vorkommenden Falls den noch nicht -beanspruchten Restkredit zeitig kündigt. In dieser Weise würde auch die nach unserem Religionsgesetze wünschenswerthe Anonymität des Empfängers sowohl wie des Gebers möglichst gewahrt, da es leicht so zu bewerkstelligen wäre, daß der Eine den Namen des Andern nicht erfährt. Etwaige Kapitalverluste müßten Proportionen nach der Höhe der betheiligten eingezeichneten Summen vertheilt werden. . . . . Ich meine, eine solche Kreditanstalt könnte sofort ohne irgendwelche nennenswerthe Vorbereitung, in Funktion treten, da sie schon bei nur e i n e m hochherzigen Kreditgeber und einem würdigen Kreditnehmer ihre Wirksamkeit entfalten kann. Sollten, da doch mal jedes menschliche Unternehmen den Stempel der Unvollkommenheit tragen muß, sich später doch Schwierigkeiten, ergeben, dann wird die Zeit und die wachsende Ersaht' rung schon Rath bringen, denn Mizwoh'gaüreres Mizwoh. Es wäre z. B. wohl erlaubt, sollten die Spesen für die notwendige Buchführung, sür die. Auskünfte, für das Porto, für die Bemühungen der Bankstellen,^' einigermaßen später ansteigen, für die betreffenden Aus- lagen eine entsprechende Summe dem Auftraggeber in . Anrechnung zu bringen. Ich glaube, auch nicht,, daß; juristische Bedenken vorliegen können, und wenn auch deren event. beständen, wären sie jedenfalls nicht gewich-