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Der Israelit · 1902-03-20 · Heft 23 (20.3.1902) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 23 (20.3.1902)
Date
1902-03-20
Page
– (sequence 26)
Language
German
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- v - . rAv:-'.• - -.- ■ * v;. ’... r. ... 2* V•■-;■.; ipe ssltöve HWrsa. von 8. Aolhschild—lvormL. In der hiesigen Raschikapelle, so genannt, weil sich in derselben der „Raschistuhl" befindet, liegt ein Fremdenbuch offen, dessen Lektüre'manchmal ein unterhaltendes Stündchen gewährt. Wir begegnen hier den Namen von Fürstlichkeiten, kirchlichen Würdenträgern. Vertretern der Kunst und Wissenschaft, der Industrie und des Handels. Interessant sind hierbei die Notizen, welche zuweilen in der Rubrik „Bemerkungen" sich finden. Neben einer Bemerkung: «Wir glauben all' an einen Gott" finden sich auch, besonders von evangelischen Geistlichen, die hebräisch geschriebenen Worte: vrrie" by vbv* Nicht minder interessant sind die Mittheilungen, welche der Synagogendiener zuweilen an einzelne knüpft, über die man ihn besonders befragt. So erzählte er eines Tages: „Da kommt ein Mann, sein Aussehen ist das eines Rabbiners; in seiner Begleitung befindet sich ein Herr, - dem er in der Synagoge alles genau erklärt und dabei . viele hebräische Worte, spricht. Er schreibt seinen Namen als „Pfarrer"..Ä's Fremdenbuch. .Der Synägogendiener will's nicht glauben und ärgert sich über diesen „unerhörten Spaß.". Es war Dr. Paulus Cassel. Gar manche interessante Namen habe ich .. in dem „Raschibuch" schon gelesen und gar manche .schätzbare Bekanntschaft habe ich schon gemacht von Personen, die hierher gekommen sind, um die „Alterthümer" der jüdischen Gemeinde von Worms zu sehen; aber noch nie habe ich mit „Fremden" eine weihevollere Stunde erlebt, als vor wenigen Monaten mit einem erst kurz verheirateten Ehepaar aus London: Dr. med. Salomon und Frau Nina, geb. Davis. Ich erfüllte gerne ihren Wunsch, an einem freien Nachmittage ihr Cicerone zu. sein und so gingen wir zuerst zur Synagoge. Unterwegs sagte Frau Dr. S.: ' „Ich war heute Morgen auf dem Friedhofe, da fiel mir das Wort: 'vvn auf. Was bedeutet dies? Eine derartige Frage ist von einer Dame noch nicht an mich gestellt worden. Ich konnte mein freudiges Erstaunen über diese Bemerkung noch nicht zum Ausdrucke bringen^ als die Dame fortfuhr: „Nicht wahr, Rabbi Meir Rothenburg liegt hier begraben? Es ist doch derselbe, der die nap verfaßt hat: vw2 nvnv- ^«0? - War ich durch diese beiden Bemerkungcn schon angenehm überrascht, so sollte mein Erstaunen noch ge steigert werden, als Frau Dr. S. die Inschrift an-der an der Außenseite. der Synagoge angebrachten Tafel geläufig las und mit der Jahreszahl übersetzte. Als ich )ie mm ioo von Lina, aus welcher hier nur an i' n:m gelesen wird, öffnete, las sie ganz geläufig aus derselben; ebenso vermochte sie auf dem Friedhofe auch die schwierigsten Inschriften der Grabsteine mit den Jahreszahlen zu entziffern. Als ich auf denr Rückwege vom Friedhofe bei Frau Dr. S. auch den Namen Raschi" erwähnte, gestand sie mir äußerst bescheiden, daß sie auch „Raschi" verstehe und auch den Talmud. „Nach einem kurzen Aufenthalte in Italien reisen wir nach Berlin zu mehrmonatlichem Aufenthalte und dort studire ich noch fleißig den Midrasch." Gerne nahm sie von mir zu diesem Zwecke eine Empfehlung an Dr. Hildesheimer an. Auf inein Befragen. ob ihr Vater Rabbiner oder aus Rußland in England eingewandert sei, sagte sie mir. daß ihr Vater ein geborener Engländer und Ingenieur sei, der aber täglich einige Stunden mit dem Studium der hebräi- . schen Sprache verbringe und auch sie für diese Sprache und die in derselben geschriebenen Schriften zu begeistern verstanden hat. ' Wochen waren vergangen; da erhalte ich aus Berlin ein Buch zngesandt, das den Titel trägt: rin'or rb'bz. Songes os Exile (Gesänge in der Verbannung). Vy Hebrew Ports, translatet by Nina Davis. Vor dem Titelblatt finden sich als Motto die Worte: -ipob 0*100 ipsb D^apo n*? npaa. Das erste Blatt trägt eine Widmung für den Vater; die anderen Blätter enthalten dir englische Uebersetzung hebräischer Gedichte von Eleasar ben Kalir, Salomon ibn Gabirol, Jehuda Halevi, Baruch ben SamUel, Meir von Rothenburg, aus dem Talmud, aus Midrasch rabbah und Midrasch Tanchuma. Die letzte Seite enthält den ar® (Jahreszahl) in den Worten flMa nyyta tflj. Ein leeres Blatt vor dem Titelblatt trägt außer einer freundlichen Widmung für mich in deutscher Sprache, noch die folgenden hebräischen Worte: jO'NI piätm NIM OD hzo '«0 nnpi pim 060 - Welche Hochachtung hätte Heinrich Heine, der sich in dem vierten Theil des Gedichtes „Prinzessin Sabbat" so bitter über die Unwissenheit der jüdischen Damen in der jüdischen Litteratur ausläßt, der geistreichen Verfasserin entgegengebracht! Mir aber drängten sich bei der genußreichen Lektüre dieses trefflichen Merkes unwillkürlich die Worte auf die Lippen: '!bn^0*o »qt mos ■-K \ V‘- ■ •. -M

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