Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1902)
- Date
- 1902-03-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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41 Jahrgang. Der Schweizer O'V'-Verem. Wenn Jemand nach längerem Aufenthalte in verschiedenen Gegenden Deutschlands oder gar Westeuropas die traurige Gewißheit erlangt, daß das Studium der Thora von den anderen Studien und materiellen Fragen des Tages langst verdrängt ist und mit Rücksicht auf hie zunehmende Unwissenheit, namentlich in der r® bviv rroi schon resignirt ausgerufen: lanp’D renwjBr rrw irrT9 so würden wir ihm doch rathen, bevor er sich ganz der Resignation hingibt und die Jeschiwoherinnerunaen feiner Jugend zu Herrlichkeiten längst verschwundener Tage, gleich den zu konservirenden Blumen zusammendrückt, eine Reise über die Rheingrenze nach dem Schweizerlande zu machen. Er wird höchst erstaunt sein, das, was er sich so lange und so sehnsuchtsvoll im Osten, und nur im Osten gedacht, jetzt ans einmal in entgegengesetzter Richtung im Lande der Freiheit und Gleichheit zu finden. Man möchte fast glauben, daß die Schweiz, die in allem und überall, wo es sich um Zivilisation und sittliche Freiheit, wahre Kultur und echte Bildung handelt, den anderen Völkern als Pionierin vorangeht, von der Vorsehung auch dazu ausersehen sei, die Krone der Thora wieder herzustellen und ihr ihren alten Glanz wiederzngeben, nnrnH map wsA' den Rückweg zu jenen herrlichen Tagen zu bahnen, in denen Judenthum und Gmoralernen noch eins und dasselbe bedeuteten. Es will damit bei weitem nicht gesagt sein, daß das Studium der Thora bereits hier so zugenommen, daß. die Gemoroh hier ein populäres Buch und die Schweizer Juden aus lauter bhöäbestehen. Nein, soweit sind wir noch nicht; aber es wird hier gelernt, vielleicht mehr, als in allen Ländern Westeuropas, und in einer Weise, die uns wohl zum optimistischen Aus- . rufe, berechtigt: brrien pH« «^l. ^' In Basel existirt seit Jahren ein offenes Beth Hamidrasch, wo regelmäßig gelernt wird und vor zahlreichen Versammelten durch Herrn Rabbiner Dr. Cohn auch Gemoro-Vorträge gehalten werden. In Baden, wo der bekannte Herr Rabbiner Dr. Ehrmann zum Segen des ganzen Schweizer Judenthums seit achtzehn Jahren wirkt, wird im Vereine jeden Abend Gemoro gelernt, außer den geistvollen Vorträgen des genannten Rabbiners, in vrn jsn und buh 311 denen . sich fast die ganze Gemeinde regelmäßig einfindet. Auch in Zürich hat sich innerhalb der Religionsgesellschaft .ein Talmud-Thoraverein gebildet, der durch die unermüdlichen Leistungen des Herrn Rabbiner Kornfein /und anderer nnn ub . Ersprießliches für religiöses - Studium und religiöses Leben wirkt. Vereine mit demselben oder ähnlichem Charakter befinden sich, in der alten Muttergemeinde der Schweizer Judenschaft En-. dingen und in der im Aufblühen begriffenen. Gemeinde Luzern'. Dem dtp -Verein der Akademiker in Bern . war .es jedoch Vorbehalten, ein großes Werk von höchster Tragweite in's Leben zü rufen. "... l' Als dieser Verein vor Jahresfrist seinen Sijum feierte, zu dem auch die Spitzen und Vertreter der Schweizer Orthodoxie eingeladen und. erschienen wären, da meinte Herr Seeliger— der inzwischen den phil. Dokiortitel erhalten — daß die Zeit gekommen/seinen längst gefaßten Plan, einen allgemeinen : DTP-Verein zu gründen, zur Ausführung zu bringen. Wie ein Lauffeuer zog dieser Gedanke durch die Gemüther aller oh»V und Lernbegierigen in der Schweiz, überall begeisterten. Widerhall hervorrufend. Bald fanden, sich Alle: unter einer Fahne, jener Fahne, die wir allein vom Strudel, der Zeiten noch gerettet, die uns allein durch alle Wanderschaften und Leiden vereinigt hielt, unter der. Äi minn 36 Mitglieder, darunter zwei DTP-Vereine in Baden und in Bern, übernahmen es, nach zweckmäßiger Vertheilung der einzelnen rorabo, im . Laufe eines Jahres gemeinschaftlich ganz dtp zu durchlernen und das große Werk war vollendet. .. . Wenn jedoch noch vielleicht Jemand an der Lebensfähigkeit dieser Institution gezweifelt Haben sollte und skeptisch oder gar spöttisch ihr gegenuberständ, der mußte dem. ersten dtp.t w'D den der Schweizer D'V-Verein am letzten Sonntag Abend Tin n'T.' im Hotel Wolf in Zürich abhielt, beiwohnen, um eines andern und besseren belehrt zu werden. . ' - . Punkt acht Uhr versammelten sich die einheimischen und auswärtigen Mitglieder, sowie die Gäste in dem festlich geschmückten und beleuchteten Saal/und nachdem das Maarivgebet verrichtet, begann -die.Feier, die sich. in Ihrem Gesammteindrüüe als eine tännc» aiso ohne Gleichen gestaltete. Es war eben jene Freude und Begeisterung, die nicht der momentanen. Veranstaltung, sondern der großen Sache in ihrer ganzen Bedeutung und Tragweite galt, die die Gesichter der Fröhlichen an den langen Folianten strahlen machte. .. Aus die Sijumim und Hascholaus der einzelnen felgten die. generellen Sijum-Vorträge über DTP. und diuipd;. und dann das Festmahl, das bei vorzüglichen physischen Darbietungen auch von einer Geistesnahrung, » wie-sie nicht besser und würdiger hätte verabreicht/werden können, gewürzt war. ... ...... . Herr Rabbiner A. K 0 r n f e i n - Zürich eröfftiete den Reigen durch einen Einleitungspilpul, worin er, anknüpfend an letzter Stelle in BHDv die. Bedeutung des Tages sehr geistvoll zu berühren .verstand. So-