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Der Israelit · 1902-03-17 · Heft 22 (17.3.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 22 (17.3.1902)
Date
1902-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Bella mit uns gegessen hat. Ich wollte, daß Sie alle Tage mit uns essen. Wollen Sie, Fräulein Bella?* „Das ginge doch nicht, das würde der alte Pedro und Frau Klaaßen sehr übel nehmen und außerdem kann ich doch nicht wissen, ob es der Großmama recht wäre.* „O, der Großmama wär's recht, das weiß ich ganz gewiß. Nicht wahr, .Großmama, Du würdest Dich auch freuen, wenn Fräulein Bella immer mit uns essen wurde, so wie heute?* „Wenn Fräulein von Rauhenstein bei uns essen würde, das würde mich allerdings freuen — aber so wie heute — nein, das würde mich gar nicht freuen. Ich glaube in der That, liebes Fräulein, Sie'haben fast nichts zu sich genommen. Vielleicht genießen Sie noch etwas?* „Ich danke Ihnen sehr, gnädige Frau, ich fühle mich augenblicklich wieder sehr wohl und behaglich, wie immer fcei Ihnen. Aber ich fürchte, wenn ich noch etwas essen oder trinken wurde, das könnte mir übel bekommen.* „Dann will ich nicht zureden. Aber siehe da, ein Telegramm — sollte das schon die erwartete Antwort sein?* Sie nahm dem eintretenden Mädchen die eben eingelangte Depesche aus der Hand und entfaltete sie hastig. Sie war von der städtischen Behörde und lautete: „Herr von Nauhenstein ist beim Aussteigen verhaftet worden.* „Gott sei Dank!* saate sie, indem sie das Blatt dem in höchster Spannung harrenden jungen Mädchen reichte, „nun wissen Sie ihn in Sicherheit. Wenn es Ihnen recht ist, gehen wir wieder hinein in mein Zimmer. Kommen Sie, liebes Fräulein!* Sie legte ihre Hand, wie um sich zu stützen, auf den Arm des jungen Mädchens, in Wirklichkeit aber bemühte sie sich, der wieder mehr Erregten zum Halt zu dienen. Diese zog die Hand, die auf ihrem Arm lag, an ihre Lippen. „Sie sind so gut — so sehr, sehr gut —* „Kommen Sie hinein, Kind, da sind wir ungestört* — und beide begaben sich in das anstoßende Zimmer. ' ' Jfabella las die Depesche nochmals und abermals und wieder zuckte es wiederholt durch alle ihre Glieder. „Aber liebes, gutes Kind, ich bitte Sie um des Himmels willen, regen Sie sich nicht von neuem auf. Die .Sache steht jetzt so gut, wie sie den Umständen nach gar nicht besser stehen könnte. Ihr Vetter befindet sich in' Hast; selbst wenn er noch die Absicht hegte, wäre t$ ihm unmöglich, seinen unheilvollenEntschluß auszüführen. Wäswolleu Sie mehr?' Und. wenn er sich dami einigermaßen beruhigt haben und dann Ihr Telegramm erhalten wird, dann wird er nicht mehr an Selbstmord denken —* ■ j . „Ich bitte Sie um's Himmelswillen!. -Er hat doch einen Mord auf dem Gewissen,. Ach, - er thutmir so y sehr, sehr leid —* :V.- „Sie sind im Jrrthum, Kind,, er hat keinen Mord, auf dem Gewissen, höchstens einen Todtschlag ^ünd ich weiß nicht einmal, ob Todtschlag angenommen wird, da der Betreffende doch^wch einige Tage gelebt hat.* „Ach, das ist doch einerlei, er hat den Tod des Unglücklichen auf dem Gewissen. Und überdies wiederum die furchtbare Schmach, ein Rauhenstein in Hast!* Die alte Dame zuckte die Achseln. „Ja, liebes - Kind, Jeder ist seines Glückes eigener Schmied, y und v Jeder hat die Folgen seines Thuns zu tragest. 'Und. eS wäre gar nicht gut, wenn es anders wäre. Entschieden würde ich Ihnen auch wieder rathen, Ihrem Vetter die Haft erträglicher zu machen, wenn das auch möglicherweise zu erreichen wäre. Aber gut wäre es nicht für ihn. Sie haben ohnehin schon sehr, sehr viel für ihn gethan. Verzeihen Sie. wenn meine Worte Ihrem verwandtschaftlichen Gefühle zu nahe treten, aber eS läßt sich doch nun einmal nicht in Abrede stellen, daß Herr von Rauhenstein sehr tief gesunken ist«*-y?y „Leider! Leider!* - V „Nach seinem Briefe sieht er das wenigstens ein. Aber er wird seiner vollen Geisteskraft bedürfen, um sich wieder empor zu arbeitendes wird ihm. in.jedem Falle sehr schwer werden; aber seien Sie versichert,, es würde ihm noch schwerer werden, wenn Sie ihn auch - fernerhin in materieller Beziehung unterstützen würden.* '? .. 'v. Jfabella fuhr sich mit der Hynd über die Stirne.; „Ich weiß es nicht, aber vielleicht haben Sie recht.* „Ich habe recht, Kind, dessen können Sie sich versichert halten. Und auch auf noch Etwas möchte ich Sie aufmerksam machen. Sie haben Ihrem. Vetter telegraphisch zugesagt, sowohl seine Schulden, als auch die auf Ihren Namen gefälschten Wechsel zu bezahlen, ohne auch nur eine Ahnung zu haben, wie viel das Ganze beträgt. Das war in Betracht der furchtbaren Aufregung, in der Sie sich befanden, erklärlich? Aber Sie . müssen sich baldmöglichst vollständige Klarheit über seine Verhältnisse schaffen, sonst führen Sie ihn in Versuchung, wenn ihm das in der Haft möglich 'wäre,- noch weitere Wechsel zu fälschen.* ’V' „Gnädige Frau, Sie gehen zu weit, ganz gewiA Sie gehen zu weit.* « „Ich will es wünschen und hoffen.Aber.^es y?sst - vom Gesetze verboten, einen Menschen in Versuchung'zu führen, und darum sind Sie es zunächst Ihrem Vetter; schuldig, ihm die Möglichkeit, zu Nehmers MG weitere? Wechsel auf Ihren Namen 'zu fälschen.* . . „Wie kann ich däs?5 - „Sehr einfach« Doch ich glaube, es wäre äm besten,' wenn Sie die Angelegenheit Ihrem Rechtsfreund übergeben. Doktor Kleinfeldhat doch auch, neulich bei der'

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