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Der Israelit · 1902-03-17 · Heft 22 (17.3.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 22 (17.3.1902)
Date
1902-03-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ä, " '40:-'' v. v -_:^ C'” 1 " >r -uv" < ■j AenLrat-Krgan für das ortßodoXe ZudentsuM ' Begründet von ' .-4 ''.4 * -/ . Br. Lehmann in SStein*. 7 Mo«tag, de» 17. Mär» 5663 (1002); Die Harter der „Inöifferenisn". Köln, 16. März. In dem Kampfe, den w!r in unserer Gemeinde gegen die Reformer führen müssen, die uns Dasjenige, was.wir dem Liebsten und Theuersten zuzählen, dessen Besitzes wir uns erfreuen, unseren heiligen, traditio- . nellen Gottesdienst, entreißen möchten, spielt eine große Partei eine bedeutsame Rolle, die zwischen beiden Lagern steht. Es ist die starke Partei der ^Indifferenten^' der Gleichgültigen, welche sich möglichst abseits vom Kampfe stellt und es am liebsten mit beiden kämpfenden . Parteien halten mochte. Von Haus gute Juden, jüdisch erzogen und das Eine oder Andere aus dem jüdischen Kultus noch beibehaltend, stehen sie dem eigentlichen Gemeindeleben fern, besuchen die Synagoge nur an den. hohen Feiertagen, oder bei besonderen durch Familienereignisse gebotenen Gelegenheiten. Die Kinder lernen meist zur Roth ein wenig Hebräisch lesen und etwas jüdische Geschichte, welche Kenntnisse sie leider aber wieder vergessen, sobald sie in's Erwerbsleben eintreten, einen Beruf, wohl meist den kaufmännischen, erlernen und dann durch die Alltagsthätigkeit an Sabbat und Festtagen dem jüdischen Kultusleben, namentlich der Synagoge, entfremdet werden. Zu Hause ist vom Judenthum, seinem herrlichen Familienleben, seiner Innigkeit und Herzlichkeit, nicht mehr viel anzutreffen. Wenn es hoch kommt, ist das Mahl an einem jüdischen Festtage etwas reicher ausgestattet und Mama macht am Nachmittage des Festtages mit den Kindern, wenn sie die Schule verlassen haben, einen Spaziergang oder eine Spazierfahrt nach einem der öffentlichen Gärten. Das Familienoberhaupt glaubt seine Pflicht gegen die Kinder und die Gemeinde erfüllt zu haben, wenn es ersteren eine soa. «Gute Erziehung" mit den/ obligaten Privaistunden in Musik, Malen, Literatur u. s. w. zu Theil werden läßt und an letztere die Kultussteuer pünktlich entrichtet. Im klebrigen ist dem Baal Habajis alles Andere gleichgültig. Kommt es zu / einer wichtigen Repräsentantenwahl,' so gibt er dem rhin/ persönlich genehmen Kandidaten, gleichviel welcher' '' Partei dieser angehört, seine Stimme, wenn er nicht < vorzieht, überhaupt von der Wahlurne fern zu bleiben. Er möchte nicht gerne gestört sein/ wenn er zur Wähl-'. zeit gerade geschäftlich thätig ist, oder etwa sein Mit-/- tagsschläfchen entbehren, auf den gewohnten Kaffeeskat - verzichten müßte. Natürlich machen auf diese Jndiffe« v .reuten-uw dW.MnMaM.M,MitcMe^reiMDsiE teien eifrig Jagd und derjenige schleppt dir Beute iii'SW Wahllokal oder fährt mit ihr dorthin, welcher dem an- . deren an „Fixigkeit" überlegen ist. ‘ „Die Zähl dieser Indifferenten ist in unstrer/Ge- / meinde so groß, daß sie den Wahlsieg für eine der beiden kämpfenden Parteien leicht entscheiden kann. Da die. nächstjährige Wahl über die Zukunft der Kölner ./ Gemeinde entscheiden wird, demnach seit Wiedererrichtung der neuen Kölner. C^meinbe'.vor '.genau.hundert// Jahren die wichtigste. Wahlentscheidüng 'dringen^ / wird, man sich im konservativ-orthodoxen Lager wohl . bald und sehr ernstlich mit der Frage beschäftigen /• müssen, wie wir am sichersten und besten die Jndifferen-vten für „unsere gute Sache" gewinnen können. Ra-' / mentlich wird es zur Hauptaufgabe des BorstandeL des. / neu gegründeten „Jüdischen. Volksvereins" gehören, 4 dem Vereine aus den Reihen der Indifferenten recht /, zahlreiche Mitglieder zuzufuhren, welchen dann.durch/ Wort und Schrift die Bedeutung der. bevorstehenden, / Wahl für das gesammte konservative Judcnthum in / Westdeutschland' und vor allem für die altberllhlnte: v Kölner Gemeinde vor. Augen zu führen ist. Man U* \ - denke Folgendes: Die Gründung der Kölner Gemeinde - fällt in die Zeit, da Köln noch die alte römische. Kolonie / Agrippinä war. Mit den Römern kämen' Juden//an//, den Rhein, und nach Köln,, wohl einer der ältesten^ rö- - mischen Niederlassungenam Rheins Das / ganzes -

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