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Der Israelit · 1902-03-10 · Heft 20 (10.3.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 20 (10.3.1902)
Date
1902-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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»Aber ich bitte sehr, Herr Doktor —* sagte Jsabella, als der Diener das Zimmer verlassen, hatte, um das Befohlene herbeizuschaffen, »ich bitte sehr — ich habe Sie schon allzu lange in Anspruch genommen — ich werde gleich Nachkommen —* - -Ich fürchte, Ihr Schritt ist nicht ganz sicher. Fraulein — wenn Sie sich auf meinen Arm stützen wollten, es wäre besser — namentlich auf der Stiege.* Sie erwiederte nichts, aber sie winkte dem alten Pedro, der eben mit dem Umhang eintrat, ihr denselben um die Schultern zu legen. Dann erhob sie sich nicht ohne Anstrengung, während sie wiederholt die Farbe wechselte. . »Ich bin bereit,* sagte sie leise. »So stützen Sie sich auf meinen Arm — bitte, nur recht fest.* Sie willfahrte ihm, während ein glückliches Lächeln lim ihre Lippen spielte. — O, daß sie so an seiner Seite durch's Leben hätte schreiten können. Aber ihre Hand, die auf seinem Arm lag, zitterte wie Espenlaub und sie wähnte, sie könne das Herz des neben ihr einherschreitenden Mannes klopfen hören. Aber des Doktors Stimme war vollkommen ruhig. . als er in seiner freundlichen, theilnehmendett Weise beim Hinaufgehen zu ihr sprach. — Ihr kam es vor, als wandelte sie im Traum, sie ahnte vermuthlich nicht einmal, daß ihr Haupt an seiner Schulter lehnte. Erst als sie die Stiege überschritten hatten und nun vor der Wohnungsthür der zweiten Etage standen, richtete sie sich wie erwachend auf. Der Doktor, der den Schlüssel bei sich trug, öffnete und führte sie sofort zu seiner Mutter. - »Willkommen, liebes Fräulein!* rief Frau Müller, die bereits durch Selma von dem Unwohlsein des jungen Mädchens erfahren hatte, »das ist schön'von Ihnen, daß Sie mir. das Vergnügen machen. Hoffentlich fühlen Sie sich wieder ganz ivohl —" Der Doktor theilte seiner Mutter in wenigen Worten den Sachverhalt mit. Diese nickte verständnißvoll. »Da ist ja alles geschehen, was geschehen konnte, und Sie, liebes Fräulein, können in Wirklichkeit vollkommen unbesorgt sein. Aber es ist mir nun doppelt lieb, daß Sie heraufgekommen sind. Einmal freut es; mich, daß Sie bei mir sind und zweitens freut es mich, ^-daß Sie nicht allein .sind. Ich hoffe. Sie nehmen Theil * an unserem Mittagessen.. Die Kinderwerden sich so sehr freuen/''.: r.’;:- ----- > Jsabella hielt es zwar unmöglich/- auch nur das ^.Geringste genießen 'zu könnenaber sie, wollte nicht ah? lehnen und folgte der glten Dame in-das anstoßende Die-Kinder-sprangen. ihrfreudig entgegen und reichten ihr die HarD züttt GrüP-: »Sind Sie jetzt wieder ganzgesund, Fraulem Bella?* fragte das kleine Mädchen, »ach, ich habe mich so gefürchtet weil Sie so stark gezittert haben. — Nicht war, es war gut, daß ich den Papa gerufen habe?* - . »Sehr, sehr gut war das,* erwiederte Jsabella, abermals erröthend, indem sie die Kleine an sich zog und ihr liebkosend die Wangen streikte. »Ich bin Dir zu großem Danke verpflichtet. Dein Papa, der so vielen Menschen hilft, hat mir auch geholßm^-' Sie hatte sehr leise gesprochen, der Doktor hatte sie dennoch verstanden und sein Auge leuchtete hell auf. Das aber hatte sie nicht gesehen, denn sie hatte sich zu dem Kinde niedergebeugt. - 7!; »Werden Sie mit uns essen, Fräulein Bella?* : Jsabella bejahte. »Die Großmama hat mich ein- »Ah, das ist schön, das freut mich. Dich auch, Viktor, nicht wahr? Aber bitte, Fräulein Bella, setzen Sie sich zwischen uns Beide, zwischen Viktor und mich, wollen Sie?* „Darüber habe ich nicht zu bestimmen, das kommt auf die Großmama an.* -- »Die Großmama erlaubt das ganz gewiß, nicht wahr, Großmama?* . •' Frau Müller gab lächelnd ihre Zustimmung. „Also weise Du Fräulein von Rauhenstein ihren Platz an. Und wascht Euch,. Kinder, dann kommt zu Tisch.* Es war seltsam, seit den ersten Tagen ihrer Bekanntschaft mit der Familie Müller hatte Fraulein von Rauhenstein jedes Mal, bevor sie zu Tische ging, ihre Hände gewaschen. Traf es sich jedoch, waS schon einige - Male vorgekommen war, daß sie mit der Familie zusammen speiste, dann wusch sie nicht die Hände, obgleich die Anderen' es thaten. *\-•••<• r- Der Doktor und seine Mütter bemühten sich beide, durch heitere Gespräche während des EssenS das junge Mädchen zu zerstreuen. Plötzlich jedoch schlug die alte Dame, wie im höchsten Schrecken, die Hände zusammen. »Ach, um's Himmelswillen, Leo! Ich habe ja ganz daran vergessen. Du möchtest schleunigst hinaus kommen in das Gasthaus am Weiher, dem fremden Herrn, der dort krank liegt, ginge es sehr, sehr schlecht. Schon um elf Uhr war der Bote da und ich habe versprochen, es Dir zu sagen, so wie Du.nach Hause kommst, und habe schändlich daran vergessen. Wenn nur kein Un- . glück geschehen ist. Ich bitte Dich, gehe sofort hi«.* „Beruhige. Dich, liebe Mutter, ich bin schon dort . gewesen.* V, 7' / j -**7’* '*;7V^.7- ’ y' »Gott sei Dank!; So hat meine Nachlässigkeit doch wenigstens keine bösen Folgern Nu^Me^ist's,7 . geht's dem Kranken besser?* -' / - ^7? / Der Doktor schüttelte de'n^ Kop^'' V - . -«-? Br ttt atffotttwf .!a -^Schon' vorc elf^'-'Jch^'.habe;..ia^der:Mhedeß"Gasthauses einen Patienten, da hat der Wirth meinen

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