Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1902)
- Date
- 1902-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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wir im Erile nur v>'L haben können, muffen wir ersehen, daß es keinesfalls Selbstzweck war. wie unsere „Aufgeklärten" es zu glauben scheinen. Welche Thorheit also, diesen von Ort und Zeit bedingten Zionstempel in der Synagoge nachahmen zu wollen! Und wenn man in diese Nachahmungssucht verfallen ist, warum wird nicht konsequenter Weise auch das Opferzeremoniell eingeführt?! Und welche Thorheit, im Gotteshause. die Aesthetik über das Gottesgesetz zu stellen! Unsere neologen Brüder, die das ganze jüdische Gesetz über Bord geworfen, und nur noch, analog den anderen Konfessionen, auf den Tempelbesuch Gewicht legen — wenigstens in ihren Büchern und Zeitschriften, während doch der Tempelbesuch nur für das thätige, jüdische Leben vorbereiten und begeistern sollte*) —. können selbst den Tempelbesuch nicht dem jüdischen Geiste entsprechend halten! Die Orthodoxie, deren Tempel Synagoge, vulgo „Schule" ist. wird von solchen inkonsequenten Anschauungen, Fehlern und Jrrthümern verschont bleiben. Die Orthodoxie wird auch niemals so großen Werth darauf legen, daß ihr Bethaus prachtvoll ausgestaltet sei. und eine Stätte für Talmud- Thora. oder eine Mikwoh, eine koscher Fleischbank ist ihr weit wichtiger, denn eine prachtvolle Synagoge, während nach neologer Auffaffung dies die erste und wichtigste Aufgabe einer jüdischen Gemeinde ist, da sie ihr ganzes Iudenthum auf den Tempelbesuch konzentriren. Wir können jene Momente, die das „Wie" und das ..Was" der Synagoge ausmachen, in folgende Worte zusammenfassen: Die Synagoge hat die Bestimmung, zum Dienste Gottes zu versammeln; sie sei eine Schule für das frisch pulsirende jüdische Leben; die Synagoge soll die Andacht wecken und heben, keinesfalls jedoch dieselbe oder ihren Ausdruck hindern. Bei dem Gottesdienste in der Synagoge ist nicht die Aesthetik richtung- und maßgebend, sondern seine Uebereinstimnmng mit den religiösen Vorschriften und der Tradition. „Das I u d e n t h u m s o l l und d a r f n i ch t in der Synagoge aufgehen, vielmehr muß es in derselben eine kräftige Stütze finden." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Eorrespsnvenzcn. Berlin, 4.. März. Am Donnerstag, 27. Febr., konstituirte sich hier ein „Verband jüdischer Humanitäts-Vereine für Berlin." Demselben sind bereits sechs größere Vereine mit über 1600 Mitgliedern beigetreten. Ändere Vereine haben ebenfalls ihren Beitritt in Aussicht gestellt. *) Vergl den folgenden Abschnitt „DaS Gebet" und untern Aufsatz „DaS Chanuka-Licht" im „JSraelit" 83. Jahrgang Nummer 98. Die Anregung zu einem solchen Verband zur Wahrung gegenseitiger Interessen ging bereits vor sechs Jahren von dem im jüdischen Vereinsleben Berlins in rühmlichst anerkannter Weise thätigen Vorstandsmitglied des Vereins Gemilus Chassodim, Herrn Dr. Julius Moses, aus. Die Verhandlungen zerschlugen sich aber damals und wurden jetzt erst wieder auf Grund der damaligen neu ausgenommen und mit Erfolg durchgeführt. Der Verband will keineswegs in eine Kon- . knrrenz treten mit dem von der jüdischen Gemeinde in's Leben gerufenen! Das kann schon deßwegen nicht der Fall sein, weil dem letzteren hauptsächlich diejenigen jüdischen Humanitäts-Vereine angehören,, die die offene Wohlthätigkeit betreiben, während die dem neugegründeten Verbände angehörigen Vereine Institutionen zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen. Darlehne etc. bilden. Der Verband will neben der. Wahrung allgemeiner materieller und wirthschaftlicher Interessen auch ethische Bestrebungen in's Auge fassen, als da sind namentlich die gemeinsame Abhaltung von Vorträgen. Errichtung einer gemeinschaftlichen Bibliothek etc. \ \ Auf Grund der Beschlüsse in der letzten konstituirenden Versammlung, in der der Vorsitzende des Vereins Gemilus Chasodim, Herr Kunz, den Vorsitz nnd Herr Dr. Moses das kurz einleitende Referat hatten, soll von je hundert Vereinsmitgliedern ein Delegierter in den Verband gewählt werden, die dann, die Geschäfte des Letzteren leiten. Die Annahme der Statuten unterliegt noch der Beschlußfassung der einzelnen Vereine, ebenso wie die Entsendung der Delegierten. Jedenfalls kann man diese Gründung nur mit großer Freude begrüßen, sie birgt zweifellos einen ungeheuren Fortschritt des jüdischen Vereinslebens Berlins in sich. Wir wünschen dem Verbände eine segensreiche Thätigkeit, namentlich in seinen ethischen Bestrebungen, zur Förderung des Judenthums. . Frankfurt a. M. Dem achten Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen"'(eingetr. Verein) zu Frankfurt a. M. entnehmen wir: Im abgclausenen Berichtsjahre wurde die Thätigleit unseres Vereins in der bisherigen Weise fortgesetzt. Zur Erledigung der laufenden Geschäfte hielt der Vorstand zehn, zum Theil sehr ausgedehnte, Sitzungen ab. Auch im abgelanfenen Jahre hat es uns keineswegs, an Schülerinnen-Anmeldungen gefehlt; bei den strengen Anforderungen jedoch, die wir an die Aufzunehmenden stellen, mußten nicht weniger als 21 als für uns.nicht tauglich, abgewiesen werden. Wir hätten die.Freude, zwei Schülerinnen, denen wir in Folge ihrer Tüchtigkeit sogar einen Theit des Lehrjahres erlassen konnten, in die Zahl unserer Schwestern aufzunehmen..^'--' Im Laufe des Jahres schied . eine' .üysüer Schwestern wegen Verheirathuikß aus unserem Verband aus, so daß die Zahl der Schwestern nunmehr 23 be-