Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1902)
- Date
- 1902-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43. Jahrgang. JH lö< MN Kentrat-Zrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von vr. Lehman n in M«tnz. Donnerstag, den 6. Marz 5662 (1962). Das orthodoxe Äudenthurn. Von Wilh. Löwy in Sarbogard, Ungarn.*) X. Die Synagoge. Das Wort Synagoge, mit welchem wir das jüdische Bcthaus zu bezeichnen Pflegen, ist aus dem Griechischen entlehnt (ijGvvayayij) und entspricht dem hebräischen Ausdrucke nc::n r.’E, was wörtlich „Versammlungshaus" bedeutet. Poetisch angelegte Naturen, wie nun einmal unsere neologen Brüder es sind, besonders wenn sie vom Vörsengebäude zum grünen Tisch gelangen und auf einmal die freudige Entdeckung machen, daß sie nicht nur auf dem Courszettel sich zurechtfinden, sondern auch für die Poesie des Judenthums großes Verständniß besitzen, haben an dieser prosaischen Bereicherung für einen Tempel der Musen, pardon! für die Stätte des Gebetes — Anstand genommen. Synagoge, Versammlungshaus, klingt doch so profan, so weltlich! Dies würde doch eher für einen Sitzungssaal passen, nicht aber für ein Gotteshaus! Sie geben daher lieber der Benennung „Tempel" den Vorzug. Wie jedoch unsere Altvordern selbst in den scheinbar kleinlichen Dingen, sich so groß zeigten, so haben sie auch hier gewiß nicht ohne tieferen Sinn das jüdische Bethaus 7-222N rra genannt. Denn nichts ist so sehr geeignetjenes Bild zu zerstören und zu vernichten, das sich unsere neologen Brüder von einem ..Tempel" machen, - als eben dieser so treffend und Mit großem Vorbedacht gewählte Ausdruck. Denn mit Nichten bildet selbst das noch so prachtvoll ausgestattete Gotteshaus an sich schon eine Verherrlichung Gottes, sondern ausschließlich nur die Besucher desselben sind im Stande, es zu einer solchen zu machen. Nicht durch den üblichen Pomp, durch Gesang und Predigt werden die *) Fortsetzung auS Nummer 92. Synagogen zu Gotteshäusern geweiht, sondern durch den ersten Gottesdienst, der daselbst abgehalten wird. Wenn der Tempel keinen Orgelklang und Chorgesang entbehrt, aus purem „Anstande" jedoch daselbst so« nw uw nicht gesagt, idb> "jnn ron *]ro nicht gehört werden darf; wenn überhaupt das Publikum die „Verherrlichungen Gottes," die in einem Reformtempel, geboten werden, „still und andächtig" anhören, selbst aber mit dem eigenen Munde und Herzen und durch gottgebotene und gottgefällige Handlungen nichts zur wirtlichen Verherrlichung Gottes beitragen kann und darf: dann ist dieser Tempel alles, nur kein jüdisches Gotteshaus, nur Leine Verherrlichung Gottes. Versammeln soll das jüdische Bethaus, versammeln die Zerstreuten Israels, versammeln und anregen zum Gottesdien st e, nicht nur zum Beten allein. Wenn auf diese Weise und in diesem Sinne das jüdische Bethaus seiner Bestimmung gemäß JiD»n ira ist, dann verdient es vpo Vipv „kleines Heiligthum" genannt zu werden. Tr. Megilla 29 a.) wv; Bnpa or6 vwn ctv *.ie 77L1X2. „Ich werde ihnen zu einem kleinen Heiligthum werden in den Ländern, wohin sie kommen" — spricht Gott. (Jescheskel 11,16.) Gott soll also in unseren Bethäusern zum Heiligthum werden, was in jedem Einzelnen nur beschränkt geschehen kann, dann sind auch unsere Vethäuser kleine Heiligthümer. Diese Bestimmung scheidet schon scharf die orthodoxe Synagoge vom neologen Tempel und eine kleine Untersuchung wird uns belehren, daß beide auch in ihrer praktischen Aeußernng grundverschieden sind. Die Neologie hat z. V. die Orgel in ihre Bethäuser eingesührt und will dies danrit begründen, daß sie im heiligen Tempel zu Jerusalem n'nnin auch benützt wurde. Nun ist diese Begründung ganz aus der Luft gegriffen, da wir mit völliger Bestimmtheit wissen, daß im Heiligthum Jerusalems die Orgel zur Levitenmusik nicht gehörte. (S. td 'e tob cnn TONE pbn und „Das Jubiläum" von Dr. S. Spitzer, Essek 1888, Seite 65.) Doch ist dies für . den orthodoxen Standpunkt ganz und gar gleichgiltig. Der orthodoxe Jude