Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1902)
- Date
- 1902-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43« Jahrgang, M 18. Kentrak-Grgan für das orthodo.re Iudenthum. Begründet von Dr. Drhmnnn in Montag, den 3. März 5662 (1902). Der Arader Rabbiner. Ei» Beitrag zur einheitlichen jiid. Organisation in Ungarn. Arad war in religiöser Beziehung von jeher ein äTOn&b p® c*pc. Es gehört schon zu den Traditionen des Araber Rabbinats, die frivolsten Attentate auf das gesetzestreue Judenthum zu verüben. Bor 85 Jahren war es der rabbinische Bahnbrecher aller Reformen, der zur traurigen Berühmtheit gelangte Aron C h o r i n, der das alte Judenthum aus den Angeln heben wollte. In feiner Heimath war er ganz isolirt. aber in Berlin und Hamburg wurde er mit großem Jubel empfangen. Es handelte sich damals um die Reformen der Hamburger und Berliner Tempelvereine und cs fand sich kein amtirender Rabbiner in Deutschland, der zu den neuen Götzen Amen und Placet hätte sagen wollen. Die Reformhelden begnügten sich aber mit einem Abenteurer aus Livorno, der niemals eine Rabbinerstelle bekleidete, und mit dem Araber Rabbiner Aron Chorin, der seine Sentenz zu Gunsten der Reformen in feiner hebräischen Schrift ncsn r«:p mit talmudischem Apparat bekräftigen wollte. lieber Anregung des Hamburger Rabbinats, haben nachher die größten Männer Israels, die wahren Wächter der Thora, rin vernichtendes Verdikt über den Hamburger Tempelverein ausgesprochen. Aron Chorin hatte den Boden unter seinen Füßen verloren und nahm keinen Anstand, in einem an den Altosener Rabbiner b'i p'o r.&a px:.-: gerichteten reumüthigen Brief alles zu widerrufen, was er in seinem Opus rcxn r.x:p niedergelegt hatte. „Ich erkläre öffentlich" — schrieb damals dieser rabbinische Hochstabler — «daß alle meine Worte null und nichtig sind. Auch bin ich nicht befugt, in dieser Sache eine Entscheidung zu treffen. Die Weisen Israels, die G'onim der Zeit, sind die berufenen Gesetzeslehrer. Meine Ansicht im- Verhältniß zu ihrer Entscheidung ist absolut werthlos." In Deutschland war man geneigt, dieses ^eumüthige Gestänoniß als Rehabilitirung des Araber Rabbiners gelten zu lassen. Nicht so der große Chacham Softr s. A. Dieser X'a;2 sp® erschrieb. bald an seinen Schwiegervater, den Posener Rabbiner rpsn-: „Meine Meinung ist, daß man sein heuchlerisches Eingeständnis', mit seinen übrigen verführerischen Schriften verbrenne und es bedecke ihn die Schande seiner Jugend." Die spätere Wirksamkeit des Araber Rabbiners- Hat dem Preßburger Zadik vollkommen Recht gegeben. Unter Aron Chorin ist Axgd.eine.rrn^D...!*2L Se.wordeH.^ Seine Nachfolger Steinhardt und Rosenb e r g hatten in dieser Mustergemeinde wirklich nichts mehr zu reformiren. Mit den vorhandenen religiösen Institutionen war längst der schnödeste Mißbrauch getrieben worden, und die inzwischen herangewachsene Generation fand es als selbstverständlich, daß Gesang und Predigt das Alfa und Omega der ganzen ' jüdischen Religion sei. Der Araber jüdische Kultus wurde zur Farce des jüdischen Gemeinwesens. zum Prototyp des vollendeten Abfalls. „So ausgelassen wie Arad." ist. ein stehendes Sprüchwort in Ungarn. Von der jüdischen Gemeinde in Arad wurde auch in jüdischen Angelegenheiten und in jüdischen Kreisen keinerlei Notiz genommen. Ein halbwegs frommer Jude wird nicht einmal eine eheliche Verbindung mit einer Araber jüdischen Familie schließen. Nur im jüdischen Kongreß im Jahre 1868 spielte Arad wieder. eine große Nolle. Rabbiner Steinhardt führte dort das große Wort und in seinem Uebermuth persiflirte er einmal das gesetzestreue Judenthum unter dem Bilde eines Mannes, der ein Kind in's Wasser fallen und versinken sicht und sagt: „ich kann es nicht retten, ich muß vorerst! die Tefilin ablegen" und inzwischen ertrinkt das Kind. - — Indessen wollte sich die Araber jüdische Gemeinde i nachher der Kongreßpartei nicht anschließen. Die Ara-