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Der Israelit · 1902-02-24 · Heft 16 (24.2.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 16 (24.2.1902)
Date
1902-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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43.>$tgtm. JK16. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe IudenMm. Begründet von Br. in Montag, den 24. Februar 5662 (1962). erhält jeder, für das zweite Quartal neu hinzutretende Abonnent den „Israelit“ bis zum 1. April dieses Jahres. l>er Verlag. Sollen sich AHcn in LcnWo»- Lein Ackoerk, KlKoltnnei nni> Kl Loliilivirthschlist iDütmni? Von A. M. Simon, Hannover. Ueber die Frage, ob Juden sich dem Handwerk, der Gärtnerei und der Landwirthschaft widmen sollen, ist schon seit dielen Jahren, namentlich aber in der letzten Zeit, mündlich und schriftlich gestritten worden. Alle Einsichtigen sind darüber einig, daß bei der traurigen Lage, in welcher sich heute der größte Theil der Kleinhändler und Hausirer befindet, andere Erwerbszweige von der großen Masse, der ärmeren sowohl, wie auch der Mitteltlasie der Juden, ergriffen werden müssen, lieber die Gründe, warum Klein- und Hausirhandel heute so wenig lohnend sind und in vielen Fällen namentlich Hausirer als Landplage betrachtet werden, ist' genügend geschrieben worden, und es ist unnöthig, dieselben hier nochmals zu erörtern. Der Militär- und Beamtenstand in Deutschland, als Berufszwcig, ist den Juden so gut wie verschlossen; die Juristen- und Aerztelaufbahn ist, wie genügsam bekannt, überfüllt. Herr Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz hat jüngst die in der Korrespondenz der Landwirthe den Juden gemachten Vorwürfe, sie scheuten jede Arbeit, die mit körperlichen Anstrengungen verbunden ist, zurüägewiesen und gezeigt, daß nicht nur schon in den ältesten Zeiten von den jüdischen Weisen die körperliche Arbeit als besonders ehrend empfohlen ist, und daß nur durch den Jahrhunderte währenden Ausschluß von einer solchen Thätigkeit die Juden zum Handel gezwungen waren, sondern daß trotzdem in Oberschlesien und anderen Theilen Deutschlands schon heute viele Juden durch Handwerk und andere körperliche Arbeit ihr Brod verdienen. Herr Rabbiner Dr. Münz verweist aus die zahlreichen Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Handwerk, Gärtnerei und Landwirthschaft unter den Juden zu fördern und erwähnt dabei auch noch insbesondere die Erziehungsanstalt zu Ahlem. Herr Dr. Münz beklagt es alsdann, daß sich den jüdischen Gärtnern und Handwerkern in Folge des Antisemitismus und der Vorurtheile außerordentliche Schwierigkeiten entgegenstellen, wenn sie nach Beendigung der Lehrzeit bei Nichtjuden Stellung suchen. Wenn auch nach den von uns gemachten Erfahrungen bei Unterbringung der in der Erziehungsanstalt zu Ahlem ausgebildeten Lehrlinge die Sache nicht ganz so schlimm steht, wie sie von Herrn Dr. Münz geschildert wird, da unsere tüchtigen Lehrlinge wohl Stellungen gefunden haben, so hat doch dessen Klage eine gewisse Berechtigung. Indessen darf dieselbe nicht nur auf Gärtnerei und Landwirthschaft beschränkt bleiben, denn nicht nur Handwerker, sondern auch Aerzte, Juristen. Lehrer, Techniker, Kaufleute und andere Berufe haben schwer unter dem Antisemitismus zu leiden, auch solche junge Leute, welche sich dem Bankfach widmen, sind davon nicht ausgeschlossen, trotzdem dieses Fach früher in Deutschland fast ausschließlich in jüdischen Händen gewesen ist. Nicht allein die Reichsbank, sondern eine ganze Anzahl mit dem Kapital von Juden gegründeter deutscher Banken schließen Juden als Beamte aus oder sie stellen nur eine ganz geringe Anzahl derselben an. Bei dem heutigen Zudrange und Wettbewerbe auf fast allen Gebieten können nur solche Personen vorwärts kommen, die in ihrem Fach etwas. Tüchtiges

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