Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1902)
- Date
- 1902-02-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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43. Jahrgang. Zweite Meikage zu M15 des „Israelit". li | I i I l i i Literarisch-' Umschau. Exil. Drama aus dein jüdischen Leben von Heinrich Grünau. Drei Akte, 90 S. Dresden und Leipzig 1902. E. Pierson. ‘ Ein ausgezeichnetes Schauspiel, das lebhaft und wahr das jüdische Elend unserer Zeit schildert. Galizien, das Land der Gegensätze, ist der Schauplatz der Handlung. Wir werden in ein kleines Städtchen geführt, dessen jüdische Bewohner ihr Brod als Bergarbeiter verdienen. Die Bergwerke selbst sind in Händen eines reichen jüdischen Emporkömmlings, der einen fanatischen Judenfeind zu-seinem Direktor ernannt hat, tiud der einen antisemitischen Journalisten mit großen Sunnnen unterstützt, weil dieser ihm durch seine Zeitung einen Sitz im Reichsrathe verschafft hat. Der Journalist verwendet das Geld des Millionärs, um mittels heftiger Agitation eine Blutanklage, die Verurtheilung des fälschlich Angeklagten und eine Plünderung der Häuser der Juden durch die maßlos verhetzte Menge herüeizmühren. Der Direktor nimmt als Vorwand für die Entlassung der jüdischen Arbeiter, ihre Weigerung, am Sabbat zu arbeiten. Ein höherer, jüdischer Beamter des Betriebes, der für die armen Arbeiter warm eingetreten war, wird vom Direktor schmählich verleumdet und daraufhin entlasten. Vortrefflich ist die Zeichnung der Familie dieses jüdischen Beamten. An der Patriarchengestalt des Vaters des Hausherrn, der ein begeisterter, überzeugter Jude ist, und an der jugendlichen Tochter, die Lbermüthig auf das Altheilige herabstcht, wird uns der Gegensatz zwischen der alten und neuen Zeit gezeigt. Mit großem Geschick wird dabei dargestellt, wie die ernsten Erfahrungen die junge Dame von dem Voruriheile heilen, als ob die treue Befolgung des heiligen Neligionsgesetzes die Ursache des Antisemitismus wäre, und wie dieselbe zuletzt wieder zur überzeugten Jüdin wird. Es will uns scheinen, daß der Autor einen solchen Entwickelungsprozeß selbst durchgemacht habe. Derselbe entstammt wohl selbst einer glaubens- und gesetzestreuen Familie, deren Grundsätzen er eine gewille Zeit hindurch entfremdet war, bis er dann durch die Noth der Zeit belehrt, charakterfest den Weg zur Rückkehr findet. Mit dieser längeren Entfremdung erklären wir uns auch einige kleine Fehler. die uns in der sonst meisterhaften Zeichnung echtjüdischen Familienlebens-begegnen. Wir empfehlen das fesselnd geschriebene Drama des Herrn Grünau nicht allein auf's Wärmste zur Lektüre, sondern auch zur häufigen Aufführung bei größeren Veranstaltungen jiidischer Kreise. Wir zweifeln nicht, daß die Dichtung sich auch zur Darstellung im Theater sehr eignet und würden uns freuen, wenn man die eindringlichen Lehren, die dieses lebenswahre Kunsttverk verkündet, von größeren Bühnen herab vernehmen könnte. Talmann. Enn.i Aramäisches—neuhebräisches Wörterbuch. Mit Lericon der Abbrevaturen von Händler. 447 und 128 S. Frankfurt a. M. Kaufmann. 1897 und 1901. Nach Erscheinen der ersten Hälfte wurde dieses praktische Wörterbuch zum Talmud in diesen Blättern schon lobend besprochen. Unseres Wissens hat es bis jetzt für Anfänger kein Talmudwörterbuch gegeben, das so geschickt alles Nothwendige zusammenstellt. Dalmann gibt präzis die Hauptbedeutung des einzelnen Wortes mit Hinweis auf seinen Dialekt oder Ableitung von fremder Sprache. Auch das Lexikon der Abbreviaturen wird Manchem dienlich sein. Die Handlichkeit des Wörterbuches selbst wird noch erhöht werden, wenn man Lexikon und Abbreviaturen gesondert binden läßt. Der Bearbeiter und die Verlagshandlung haben sich durch diese Veranstaltung den Dank weiter Kreise verdient. Zur Einführung in das Studium des Talmud werden viele Lehrer in Zukunft Dalmann's Bearbeitung nicht missen wollen. B. Spiers V'-j '*>21 London 5561 —1901. I. Dickson, 20 Wiedegate Street. Bischopsgate 6. '7122 'injni mem rp tz-2' pbn ■ , .p-intz nv nro» jopo o"pn W. man nWn 'tmn n*p Wo '□ pbn .eijPEi? ywb Mit tiefer Wehmuth gehen wir an die Besprechung des letzten litterarischen Geschenkes, das uns der jüngst abgerufene Londoner Rabbinatsassessor R. B. Spiers s. A. kurz vor Abschluß seines in rastloser Thätigkeit verbrachten Lebens geboten hat. Der Verfasser zeigt sich uns im ersten Theile als der väterlich besorgte Freund der armen Foreigners, die vor den Bedrückungen ihrer russischen Heimath im gastlichen England Zuflucht gesucht hatten. In erster Linie bezwecken die achtzehn größtentheils in der Great Synagogue bei Mincha am Sabbat Nachmittaggehaltenen Predigten, die Fremden zur treuen Anhänglichkeit an die Religion der Väter anzufeuern. In warmen Worten wird hier! eindringlich und dabei in geistreicher, unterhaltender! Weise Mussar gesagt. Dann bemüht sich der Redner, j die aus fernem Himmelstriche nach der britischen Insel