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Der Israelit · 1902-02-20 · Heft 15 (20.2.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 15 (20.2.1902)
Date
1902-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Eorrespönvenzen. Deutschland. Mainz, 19. Febr. Durch die politischen Blätter ging vor wenigen Tagen eine Nachricht, wonach ein Rabbiner Touboul in Oran-Algier wegen Ermordung seines Großvaters zum Tode verurtheilt worden sei. Die „Alliance israelite universelle" in Paris theilt uns nun auf telegraphische Anfrage mit, daß ihnen über die Affaire nur das bekannt sei, was die Zeitungen berichtet haben, daß aber bewußter Touboul nicht Rabbiner sei. Die „Alliance wird sich wohl weiter über die Sache informiren und werden wir dann nicht verfehlen, auch unseren Lesern darüber zu berichten. Aurich, 16. Febr. Am ersten und zweiten Tage des Ädar feierte die hiesige Gemeinde das hundertjährige Bestehen des israelitischen Frauenoereins. Unter der Regierung der ostsriesischen Fürsten bestand in Aurich eine kleine Gemeinde, die nur ein kümmerliches Dasein fristete, und nicht einmal einen eigenen Begräbrnßplatz besaß, so daß alle jüdischen Leichen auf dem Friedhofe der Nachbargemeinde Norden beerdigt werden mußten. Im Jahre 1744 starben die ostfriesischen Fürsten aus, und Ostfriesland fiel an Preußen. Unter der Herrschaft der preußischen Könige vergrößerte sich die jüdische Gemeinde, die sich wiederholt vergebens um Erlangung eines Friedhofes bemühte. Als aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Seuche in hiesiger Stadt ausbrach, an der auch einige unserer Glaubensgenossen dahinstarben, da erlaubte man, daß diese Leichen eine Ruhestätte in unmittelbarer Nähe unserer Stadt finden dursten, und nun erst erhielten unsere Vorfahren auf ein erneuertes Gesuch die Erlaubniß zur Anlegung eines eigenen Begräbnißplatzes. Mit diesem Momente erstand der Frauenverein, der anfangs ohne Statuten wirkte; unter Anführung und Leitung des sel. Rabbiners Oppenheim indeß erhielt der Verein am 1. Adar 5562 seine Satzungen, die noch heute dessen Grundlage bilden. Die hundertjährige Wiederkehr dieses Tages wurde in der Gemeinde festlich begangen. Zunächst hatten der Gemeindevorstand alles gethan, um die religiöse Feier in der Synagoge am Schabbos Rosch-Chodesch sinngemäß auszugestalten: das schöne Porauches für die Jomim Hanauroim, ein Geschenk des Frauenvereins, schmückte den p •< und aus dem sogen. Weiber-Sefer wurde geleinet. Die Synagoge erstrahlte im vollen Lichterglanze und Herr Reuß hielt eine treffliche Festpredigt, die Allen zu Herzen ging. Am folgenden Tage aber versammelte sich die Gemeinde im „Schwarzen Bären" zu einer kleinen Jubelfeier. Eingeleitet wurde dieselbe durch eine Ansprache des Herrn Lehrers Wolfs, der an der Hand einiger Namen den Lebenslauf des Vereins wirkungsvoll schilderte. Bei Tische sprachen Herr Landrabbiner Dr. Lob, der zum Feste eigens von Emden herübergekommen war, Herr Hauptlehrer R e ü tz, sowie der erste Vorsteher der Gemeinde. Herr v. Dyk. Aufführungen, Vorträge und Frohsinn hielten die Festtheilnehmer bis zu den frühen Morgenstunden in animirter Stimmung zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurden dem Verein durch Herrn Bankier Jakob Wolf f—Frankfurt a. M. und Herrn Bankier Wert heim —Marburg a. L. namhafte Summen zu Wohlthätigkeitszwecken überwiesen. , Karlsruhe, 15. Febr. (Zweite K a m m e r.) Äbg. Rohr hur st (natl.) berichtet über die Bitte der Metzger Weil und R o s e n t h a l in Gailingen um Abänderung des Fleischsteuergesetzes in der Richtung, daß das aus Baden ausgeführte Fleisch steuerfrei sei, resv. die Steuer für ausgeführtes Fleisch zurückvergütet werde. Die Kommission vertritt den Standpunkt. daß in erster Linie die Fleischsteuer überhaupt zu beseitigen sei, so daß es nicht gerathen erscheine, nochmals eine Aenderung des bestehenden Gesetzes vorznnehmen, da im Prinzip auch die Negierung für Aufhebung der Fleischsteuer sei. Der Antrag der Kommission geht auf Ueberweisung zur Kenntnißnahme in Bezug auf die Rückvergütung der Steuer des nach der Schweiz ausgeführten Fleisches. Seitens der Regierung wird eine Prüfung der Angelegenheit zuaesagt und zwar nach der Richtung, ob eine genügende Controle möglich sei. Abg. G i e ß l e r (Ctr.) vertritt das Petitum, daS vom Abg. Mampel (Antis.) bekämpft wird, da es sich hier um eine Ausfuhrprämie für koscheres Fleisch handle. Da in der Schweiz Schächtverbot eingeführt sei, sollte man die Petition nicht berücksichtigen. Nach kurzen Bemerkungen .des Abg. Zehnter im Sinne der Petition wird dem Kommissionsäntrag zugestimmt, gegen die Stimmen der Abgg. Mampel. von Stockhorn und Dreher. Oesterreich. Wien, 20. Febr. Gestern Mittag ist hier Frau Rosa Hildesheimer, geb. Brodsky. nach längerem, schweren Leiden gestorben. Die Dabingeschiedene ist eine durch ihren überaus regen Wohlthätigkeitssinn in Wien sehr bekannte Dame; dieselbe gehörte durch viele Jahre hindurch dem Vorstande mehrerer Wohlthätigkeitsvereine an. Frau Hildesheimer war die Tochter des bekannten Philantropen Israel Brodsky s. A.-Kiew und die Schwiegertochter von Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer s. A. - Berlin. Prag, 19. Febr. H i l s n e r, der wegen der Polnaer Mädchenmörde zum Tode verurtheilt und dann zu lebenslänglichem Kerker begnadigt wurde, hat in der Strafanstalt Pankraz um die Wiederaufnahme des Verfahrens angesucht mit der Begründung, daß er seine Mitschuldigen nennen wolle. Die Sache ist der OberstaatSanwaltschaft übergeben worden.

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