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Der Israelit · 1902-02-17 · Heft 14 (17.2.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 14 (17.2.1902)
Date
1902-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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. 317 den, so ist auch das nicht zum wenigsten dem Umstande zuzuschreiben, daß es Herrn Dr. Bambergcr gleich seinem Vorgänger gelungen ist, in schönstem Einklänge mit den in dem gleichen Streben unter ihm und mit ihm wirkenden Herren des Lehrerkollegiums im Sinne des unvergeßlichen Begründers der Schule dessen Werk fortzuführen und auszugestalten. So darf denn Herr Dr. Bamberger sicher sein, daß ihm die Dankbarkeit der Verwaltung, wie die aller Freunde der Anstalt für alle Zeit erhalten bleiben wird. An dessen Stelle ist Herr Rabbiner Dr. Naphtalie Cohn getreten. Von den Schülern des dritten Kurses meldeten sich im Frühjahr zwei zur Aufnahmeprüfung in das isr. Seminar zu Cassel, die sie gut bestanden. Von den acht in der Klasse verbliebenen Schülern traten zwei in das isr. Seminar zu Köln ein, während die sechs übrigen sich der vorschriftsmäßigen Schlußprüfung unterzogen. Fünf dieser Schüler fanden Aufnahme in die isr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, einer in das kgl. Seminar zu Schwabach. Außerdem traten nach einjährigem Besuche des zweiten Kurses ein Schüler in das Lehrer-Seminar zu Karlsruhe, zwei in das isr. Seminar zu Köln ein. Der durchgearbeitete Lehrstoff entspricht nunmehr ganz der neuen Lehrordnung vom 30. Juli 1808, wie auch die neu einzuführenden Lehrbücher mittlerweile alle an die Stelle der alten getreten sind. Es sott auch in diesem Jahre nicht unterlassen werden, die Eltern und Lehrer der bei uns anzumeldenden Schüler, im eigenen Interesse dieser Schüler, wiederholt darauf hinzuweisen, daß schon rechtzeitig darauf Bedacht genommen werden möge, daß die Schüler mit den nöthigen Vorkenntnisscn bei uns eintreten. Der eigentlich . selbstverständliche, erst jüngst wiederum ausgesprochene Satz, daß zur Vermeidung unnöthiger Wiederholungen der Lehrstoff des Seminars sich auf dem der Präparandenschule, der der Präparandenschule auf dem der Volksschule.aufbauen müsse, gilt natürlich auch für die hebräischen Lehrfächer, ist aber in diesen noch nicht genügend durchgeführt. Die beim Eintritt in unsere Schule erforderlichen Vorkenntnisse sind im allgemeinen aus der beigedruckten Uebersicht der durchgenommenen Pensa zu entnehmen. Andererseits sollte aber z. B. von Schülern, die die Volksschule , absolviert haben, füglich auch erwartet werden, daß sie die wichtigsten Gebete bereits übersetzen können. Es würde dann immer noch der Präparandenschule, die ja in den Lehrern meistens zugleich die künftigen Vorbeter ausbildet, die unendlich wichtige Aufgabe verbleiben, das Verständniß der Gebete zu vertiefen, was mit dem rechten Erfolge nur dann geschehen kann, wenn der Schüler über die Form vorher Herr ist. Bisher ist das oft in so wenig genügender Weise der Fall, daß wir uns genöthigt gesehen haben, in dem inzwischen bereits begonnenen Schuljahre diesem wichtigen Gegenstände auch im zweiten Kurs noch unsere Sorgfalt zuzuwenden. Daß es auch für den Musikunterricht von Vortheil ist, wenn die Schüler bei ihrem Eintritt davon wenigstens schon einen Begriff haben, ist ebenfalls früher wiederholt betont worden. Der fakultative Unterricht in der Gabelsberger'schen Stenographie, der infolge des Wechsels in der Vorstandschaft ausgesetzt werden mußte, ist mittlerweile wieder ausgenommen worden. In materieller Hinsicht hatte die Schule sich auch im verflossenen Jahre vielseitiger Förderung zu erfreuen. So haben wir dankbar der Unterstützung zu gedenken, die das kgl. Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten wiederum für einige in Bayern beheimatete Zöglinge wohlgeneigtest gewährt hat. Diesem, wie allen verehrl. Kultusverwaltungen, Vereinen und Privaten, die unsere Bestrebungen gefördert haben, gilt der innige Dank der Verwaltung. Wir waren dadurch in der Lage, eine stattliche Summe zur Unterstützung von bedürftigen Zöglingen zu verwenden und auch einen Betrag von 2000 Mt. dem PensionSfonds zuzuweisen. Jedoch sind die Anforderungen, dir an uns in dieser Hinsicht gestellt werden, fortwährend im Steigen begriffen. Gern möchten wir den Schülern, die sich mit Eifer ihren Studien hingeben, die Unterstützungen in der vollen Höhe bewilligen, in der sie von uns erbeten werden, und andererseits ist sich die Verwaltung auch sehr wohl ihrer Pflichten gegenüber den Herren Lehrern bewußt, die ihre volle Kraft der Schule widmen. Es muß darum immer wieder die Bitte um reichliche Zuwendungen an alle diejenigen wiederholt werden, die mit uns den Wunsch theilen. daß auch den Söhnen der weniger Bemittelten eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung im Thora- und profanen Wissen, wie sie unsere Schule vermitteln möchte, zu Theil werden könne. Wenn uns unsere bisherigen Freunde treu bleiben und auch in ihren Bekanntenkreisen uns neue gewinnen möchten, dann wird es uns mit der göttlichen Hilfe gelingen, die Schule nicht nur auf der Höhe zu erhalten, sondern ihr auch eine immer festere Grundlage zu schaffen. Schrimm, 14. Febr. Am 6. dss. Mts. hielt Herr Rabbiner Dr. B a m b e r g e r aus Karlsruhe (Baden) im ..Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" (Hotel Unger) einen Vortrag über das Thema „Lichtstrahlen im Deutschen Ghetto." Der Redner entwarf ein Bild des Mittelalters und zeigte, wie der Glaubensfanatismus, die Rach- und Eifersucht den Juden enge, dumpfe Gassen mit niedrigen Häusern, umgeben von. einer Mauer mit schwerem Thor und Riegeln — Ghetto genannt — als Wohnstätte angewiesen hatte. Man sollte nun glauben, daß die Juden vom geistigen und gesellschaftlichen Verkehr mit den Andersgläubigen ausgeschlossen, sich selbst überlassen, verpönt, gehetzt und verachtet, ein kümmerliches Dasein fristeten und jede Freude am Leben verlieren mußten. Dem ist aber

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