Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1902)
- Date
- 1902-07-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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43» Jahrgang. zu ^§54 Literarisches. Tie hygienische Bedeutung der Beschncidung. Dortrag, gehalten im Liberalen Verein der Svnagogen-Gemcindl: zu Breslau am 15. April 3002, von Dr. mcb. Carl Alexand e r, Spezialarzt für die Krankheiten der Harniocge, in Breslau. — Frankfurt n. M. 3902, I. Kauffmann. 20 S. Ein vortreffliches, lesenswerthes Schriftchen, das für. die Belesenheit und Sachkenntnis; des Verfassers zeugt, lieber seine Auffassung von dem Ursprung und der Tendenz der Vorschrift wollen nur nicht mit ihm rechten; nur so viel sei bemerkt, das; die Ausübung der Beschncidung durch die Nachbarvöller Palästinas leinen Beweis dafür bildet, das; dieselbe nichtjüdischen Ursprungs und nicht umgekehrt von jenen Böllern nach dem Vorgänge der Israeliten eingeführt worden ist. .Der Verfasser entwickelt vom Standpunkte des Arztes im Einzelnen „die verderbliche Nolle, welche die Vorhaut durch Erzeugung und Verbreitung gefährlicher Krankheiten im Harn- und Geschlechts-Apparat spielt." um sodann die gegen die Beschncidung geltend gemachten Vorwürfe zu entkräften. Er resumirt seine . Ausführungen in folgende Schlußsätze: „So schrumpfen die Einwände der Gegner gegen die Beschncidung säst in Nichts zusammen. Einzelne Unfälle, die, wie bei jeder noch so harmlosen Operation, durch ungeschickte Ausführung auch hier vielleicht Vorkommen können, die aber enorm selten sind, können nicht die Forderung stützen, aus die großen hygienischen Vortheile zu verzichten, die ihre allgemeine Einführung bei vielen Völkern Millionen Menschen gebracht hat und bringt. . Das hieße: die Eisenbahnen abschaffen wollen, weil auch Entgleisungen Vorkommen! Die von der mosaischen Gesetzgebung geforderte obligatorische Beschneidung ist in ihrem Wesen der modernengesetzlichen Zwangs-Impfung vergleichbar; wie diese, ist sie eine großartige gesetzgeberische Maßregel ersten Ranges, die ohne Rücksicht auf vereinzelte, äußerst seltene „Entgleisungen" das Wohl des Einzelnen und der Volksgesammtheit von großen Gesichtspunkten aus in's Auge faßt. Ihre hygienische Bedeutung ist, wie wir sehen, auch von andersgläubigen Forschern so anerkannt, daß es fast den Anschein hat, als sei überhaupt nur die Thatsache. daß die Beschncidung zugleich als jüdisches Vundeszeichen gilt, das Hinderniß für deren weiter? Verbreitung in anderen Kreisen. — Möge das Judenthum dieses segensreiche Bundeszeichen sich wahren!" Zeitungsnachrichten und.Eorrespondenzen. Deutsch I a X Ü. BrcSlau, im Juni. (Das neue israelitische K r a n k e n h a u s.) Die Hauptgebäude dieses Krankenhauses sind im Aeußeren jetzt nahezu vollendet und lenken, zumal sie zur Zeit noch nach allen Seiten frciliegen, die Blicke aller Vorübergehenden auf sich. Der iiberaus stattliche Umfang der Anlage, die in malerischer, durch die unregelmäßige Form des Baugeländes bedingter Gruppirung sich aufbaut, läßt den ganzen Gebäudetomplex fast wie eine kleine Stadt erscheinen, eine Stadt, die ausschließlich den Zwecken werkthätiger Menschenliebe dienen soll, und die in ihrer Ausdehnung und ihren den weitgehendsten Erfordernissen eines neuzeitlichen Krankenhauses genügenden Einrichtungen gewiß ein neues und schönes Denkmal für das so hoch entwickelte soziale Denken und Streben unserer Zeit genannt werden darf. Wohl findet man jetzt in fast allen größeren Städten Krankenhäuser umfangreichster und vollkommenster Art; aber die Mehrzahl von ihnen lvurde mit öffentlichen Mitteln erbaut. Das neue israelitische Krankenhaus verdankt seine Entstehung lediglich der Wohlthätigkeit Einzelner und kann doch vielen mit staatlichen oder städtischen Subsidien entstandenen Krankenhäusern als ebenbürtig zur Seite gestellt werden. Das Prinzip der Anlage des eigentlichen Krankengebäudes mit der Front nach der projektirten verlängerten Neudorfstraße, beruht auf dem sogenännten Corridorsystem. Dieses System besteht in einer Anordnung, bei der sich an einen großen, gemeinsamen Korridor sämmtliche Krankenzimmer mit allen Nebenräumen, den Zimmern der Aerzte und Schwestern, den Operationszimmern u. s. w. unmittelbar anschließen.. Die Wahl des Corridorsystems ist mit Rücksicht darauf erfolgt, weil bei Anlagen mit einer Belegziffer/ von 320 Betten sich dieses System durch größere Billig-' feit und Einfachheit mehr empfiehlt, als das bei erheblich größeren Anlagen angeordnete, und für solche Anlagen auch empfehlenswertste Pavillon- oder Blocksystem. Es leuchtet ein, daß ein nach dem Corridorsystem entworfenes Gebäude eine im Verhältniß zur Belegzahk größere Ausdehnung erhalten muß, zumal die moderne Hygiene für die Korridore durchweg direkte seitliche. Zuführung von Tageslicht verlangt, auf der anderen Seite aber einen mehr als zlveigeschossigen Bau nicht zuläßt. .