Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1902)
- Date
- 1902-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang. - ' - JS2 54# Genlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von . - ' Dr. f ^tttann in Mailt}. " m7nta&, den 7. fruit 5662 (1902). Freiheit und WM m Keiste der Am. Vor: Hermann SSwinger, Frankfurt a. M. In einer Zeit, wie die unfrige, in der so viele falsche und unrichtige Ansichten über das Wesen des Judenthums und seiner Religion von vielen nichtjüdischen wie auch jüdischen Autoren in die Welt gesetzt und verbreitet werden, ist es Pflicht eines Jeden, der es mit seinem Volke und seiner Religion gut meint, nach Kräften in Wort und Schrift immer aufts Neue auf den hohen ethischen Werth unserer Religion, zu deren Grundprinzipien Freiheit und Gleichheit gehören, hinzuweisen. Mit folgender Auseinandersetzung hoffen wir den nichtjüdischen Leser zu belehren, dem jüdischen Leser die Ueberzeugung beizubringen, daß unsere Thora, nicht wie Professor Härnak in seiner neuesten Schrift behauptet, die j ü dis che Religion, nämlich nur eine Religion, sondern die Religion, d. h. die e i g e n t l i ch e Religion ist, auf welche die anderen Religionen aufgebaut sind, die doch aber in keiner Beziehung mit dieser einen Vergleich aushalten, da' abgesehen davon, daß dieselbe den' reinsten Monotheismus verkörpert, in keiner anderen Religion die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit, der Humanität u. Menschenwürde, so den Untergrund bilden, als in der Thora, in der uns Juden schon vor mehr als 3000 Jahren am Sinai diese höheren Prinzipien überantwortet wurden. Diese Grundsätze sind leider bis jetzt noch immer nicht das Gemeingut der Völler geworden. .. Nebst dem Prinzipe der Gleichheit eines jeden jüdischen Bürgers vor dem Gesetze, ist es die Freiheit des menschlichen Willens, die in der Thora bei deren Offenbarung am Sinai am prägnantesten zum Ausdrucke gelangte und welche auch eine der Grundpfeiler des jüdischen Staates gebildet hat. Die Gleichheit jedes Israeliten vor dem Gesetz bezeugen am besten die Bibelworte (6. B. M., Kap. 29) "i 'isb ca^a am tfaxa orar .bniv" k'X b w'lvn V2'2P1 Bansw D3OT1 DS'pto „Ihr stehet jetzt Alle vor dem Ewigen, Eurem Gotte. Stammhäupter, Aelteste, Aufseher, Jedermann in Js- _ rael u. s. w., vom Holzhauer bis zum Wasserschöpfer/ Auch aus den Worten der Schrift (5. B. M., Kap. 15) r.c&b vovn mot? px pn P'ax *p nw nb »a bek nsrt mson ^a nx nräm „Es soll keinen Dürftigen bei Dir geben u. s. w., wenn Du gehorchest der Stimme Deines Gottes," ist das Bestreben zu ersehen, die Schranken, ^die Reichthum und hohen Rang zwischenden jüdischen Bürgern äufgespeichert, möglichst zu beseitigen. Wenn es auch später im selben Kapitel im Gegensätze zu dem erst citirten Bibelverse heißt '»6 'a pin aipa p’3x bim. „Es wird im Lande nicht an Dürftigen fehlen," so war dieser. Ausspruch nur in Hinsicht auf die Nichterfüllung der Gottcsgebote erfolgt, in Folge dessen die Armuth in Israel nicht gänzlich zu bannen war. Doch wurde, um die Gegensätze zwischen Arm und Reich möglichst zu beseitigen, das Gebot der Wohlthätigkeit an die Armen und Bedürftigen im Lande erlassen, welches lautet: „Wenn aber in. dem Lande, das der Ewige, dejn Gott, dir gibt, einer deiner Brüder dürftig sein wird, so verhärte dein Herz nicht und verschließe nicht deine Hand gegen deinen dürftigen Bruder. Thue deine Hand auf und leihe ihm, so viel er bedarf (im Falle er deine Gabe als Geschenk anzunchmen sich schämt). Was nun das andere Prinzip der jüdischen Religion, .nämlich die Freiheit anbelangt, so ist diese im Geiste der Thora eine andere als die, welche man gewöhnlich unter diesem Worte zu verstehen pflegt. Das Grundprinzip der jüdischen Religion ist wohl , die Freiheit des menschlichen Willens, doch soll der Mensch nur frei als solcher es sein, aber nicht als Jude dieser schrankenlosest Freiheit huldigen. Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen, er soll im Gegensätze zum ägyptischen Thierdienste sich vermehren