Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Orthodoxe Mudenthum-Z s ESv'V-1 j-^A^B O N;Q^f>j [»».6. 13. Febr.'.ISVS.I mmm mm mm chaböestampe und der Lin Märchen. lühstrumpf. „Das ist mir auch nicht an meiner Wiege gesungen worden," sagte seuzfend die alte Schabbeslampe zu einen; von den vielen Glühstrümpfen, die ein Händler aus einer Konkursmasse gekauft hatte und die nun ruhig in der Ecke eines Magazins lagen, „daß ich in einem Trödlerladen in so gemischter Gesellschaft meine alten Tage zubringen muß." „Gemischte Gesellschaft?" erwiederte der Glühstrumpf entrüstet, „dafür muß ich denn doch danken. Weißt Du denn nicht, daß wir hundertmal heller und schöner wie Ihr alten Oellampen leuchten?" „Heller und schöner," sagte die Schabbeslampe traurig, „das mag schon sein, aber was bekommt Ihr zu sehen, Ihr armen Glühstrümpfe? Arbeit, Arbeit und nichts als Arbeit und Plage. Wenn Du dagegen wüßtest, wieviel schöne Tage ich erlebt, wieviel Licht ich verbreitete, wie ich glänzte und wieviel Freude sich in meinem Glanze spiegelte, so würdest Du mich bedauern." 1 Der Glühstrumpf war nie aus seiner engen Hülse hinausgekommen; er kannte die Welt da draußen nur vom Hörensagen, und benützte gierig jede Gelegenheit, etwas aus ihr zu erfahren. - „Vielleicht werde ich sie beneiden, nicht bedauern." dachte er still in sich uno laut fügte er hinzu: „Erzähle mir doch. Du wirst einen aufmerksamen Zuhörer an mir. haben." Und die Lampe begann: „Kannst Du Dir denken, daß ich einmal jung war? Jung und schön, und daß ich glänzte, wie lauter Gold, obwohl ich doch nur von Messing bin. Wenn ich so zurückdenke, so fühle ich mich ganz in jene Zeit versetzt und deutlich steht vor meinem inneren Auge das Zimmer, wo ich zum ersten Male zum Bewußtsein meiner selbst kam." „Ach, wie schön sie spricht!" dachte der Glühstrumpf. „An einem Freitag Nachmittag war's, als man zum ersten Mal Del in mich goß und in jede meiner acht Zacken einen Docht legte. Ich fühlte, daß ich einen Inhalt bekommen hatte." „Und was geschah weiter mit Dir?" fragte der Glühstrumpf. „Es war ein einfach, bescheiden eingerichtetes Zimmer, in dem ich hing, aber Alles blinkte und blankte. Gerade unter mir stand ein blendend weißgedeckter Tisch, und ein junges Weib war beschäftigt, denselben zu schmücken. Sie legte zwei geflochtene Brode auf den Tisch, die sie dann mit einer gestickten Decke verhüllte, stellte daneben eine Flasche Wein und einen goldenen Becher. Außerdem Obst und Blumen in die Mitte, gerade unter mich. Dann trat sie an mich heranXsie selbst war in festlicher Kleidung) mit einer brennenden Kerze, und entzündete die Dochte meiner acht Zacken, worauf sie in inniger Andacht die Hände ausgebreitet vor's Gesicht hielt, so daß ich sie für einen Augenblick nicht sehen konnte, und laut einen Segenspruch sagte. Ach, wie warm, wie wohl wurde es mir! Ich fühlte, daß Licht