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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Zweite Weil.zuMlL se 13 des „Israelit". Leitender Artikel« Ae kMlkiiiig LkS rfliüiöifii m tipn $ap. ,Von Amitai. (Schluß.) Was nun speziell die jüdische Religion betrifft, so ist es keine Ueberhebung der Juden, wenn sie behaupten, daß ihre Ethik und ihre Weltanschauung dem Ideale nahe kommt. Sie steht in dieser Beziehung keiner anderen Religion nach. Die unbefangenen und gut unterrichteten Christen stehen nicht an, anzuerkennen, daß ihre (der Christen) Ethik, der jüdischen, mosaischen und talmudischen, zum großen Theil entlehnt ist. (Siehe a. Wünsche, Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch.) Wo sie sich unterscheidet, so ist es nicht zu Ungunsten der jüdischen. So der Unterschied zwischen Vertheidigungs- und Eroberungskriegen, die Ausübung der Wohlthätigkeit, die Reinheit- und Reinkichleitsgesetze. Es dürfte noch hinzugefügt werden, daß der Patriotismus der Juden, sonst ebenso intensiv, als bei den Bürgern anderer Konfessionen, nicht engherzig ist; er bethätigt seine Liebe seinen Landeskindern gegenüber, sucht ihnen Gutes zu thun, was in seinen Kräften steht, er sieht aber die Außenstehenden nicht als Feinde an. kaum als Fremde, und übt auch an ihnen die Menschenpflichten. Es kommt den Juden mithin z.u, dieselben Rechte und Privilegien ohne irgend welche Restriktion zu genießen, wie die Bürger anderer Religionsgenossenschaften. Jede Rechtsvorenthaltung ist eine Sünde und jede Sünde rächt sich an dem, der sie begeht und an dem ganzen Staatskörper. Das wären nun die Uebel, woran das moderne Judenthum siecht und die Ursachen, welche seinen krankhaften Zustand hervorgerufen haben und ihn unterhalten. Die Diagnose wäre somit gestellt. Es handelt sich nun darum, auch die Therapie zu entdecken und sie anzuwenden, um eine Heilung anzubahnen und sie zu vollbringen. Die Therapie aber, wie. wir wissen, ist um so schwieriger zu ermitteln und anzuwenden, als die Ursachen, Erzeugerinnen der Krankheit, verschieden sind. Es können manchmal deren zwei, manchmal drei mitgewirkt haben; die Behandlung, da sie sich nach den Ursachen richten muß, bedingt, um erfolgreich zu sein, eine veränderliche Anwendung in jedem einzelnen Falle. Der Lösung dieser Aufgabe sind diese Zeilen gewidmet. Wir hätten nämlich die Heilmittel aufzusuchen, um eine gründliche Kur des Uebels in seinen verschiedenen Symptomen herbeizusühren. Jeder, um das gedeihliche Fortbestehen und Aufblühen des Judenthums besorgte Glaubensgenosse sollte diese Aufgabe in den Vordergrund seiner Präoccupationen stellen, Rath einholen, Rath ertheilen. die Presse einladen, den Gegenstand eingehend zu besprechen, in einem Worte, alle Hebel ansetzen, um eine befriedigende Lösung der Frage herbeizuführen. Da sie eine' Lebensfrage für das Judenthum bildet, so ist es unbedingt nothwendig, daß sie gelöst werde. — Kann dieses geschehen? Wir können diese Frage mit Zuversicht bejahen; denn die Lösung liegt im Bereiche menschlicher Bestrebungen und menschlicher Kräfte. Auf die weitere Frage, durch wen soll sie unternommen werden? antworten wir, daß es die Pflicht Aller sei, deren Herz sich dazu angeregt fühlt und welche ausreichende Kräfte dazu besitzen. Wer aber soll die Rathschläge und Gutachten einholen, sammeln,, prüfen und sichten, wer sie in Berathung ziehen, wer sie zur Ausführung bringen? Wie wir bereits erwähnt haben, so ist die Aufgabe, die wir uns gestellt, eine sehr schwierige und verwickelte, eingreifend in unsere Ansichten, in unsere Lebensweise, ja in den Gang der sozialen Kämpfe und der politischen Wirren. Es ist ein Riesenwerk, das alle Kräfte in Anspruch nimmt und in anhaltender Spannung hält. Ein Prophet oder ein Universalgeist wäre nicht im Stande, das Werk allein zu vollbringen. Die Presse, in der Neuzeit zu einer ungeheuren Macht herangewachsen. ist nicht in der Lage, alle Gegensätze auszugleichen, alles Widerstrebende zu vereinen, mithin, was unseren Gegenstand betrifft, das wirksame Heilmittel zu Tage zu fördern, schon deßivegen nicht, und das ist eben eines der Symptome,des Uebels. weil sie — wir sprechen speziell von der jüdischen Presse — nur einen spärlichen Eingang in die jüdischen Familien findet. Es .ist ferner zu beachten, daß jedes Blatt nur eine Richtung vertritt und wie auf anderen Gebieten religiöser, politischer und sozial-ökonomischer Fragen in der Regel das Blatt der einen Richtung die Ansichten und Vorschläge der Zeitschrift der entgegengesetzten Richtung bekämpft. Und wollten sich auch alle Schattirungen in dem ei n e n gegebenen Vorschlag vereinen und in geschlossenen Reihen kämpfend Vordringen, so bleibt die nicht unwichtige Frage offen, mit welcher Autorität könnte sie die Vorschläge zur Anwendung bringen? Nein, wir müssen auf ein anderes Mittel sinnen, das auf die Allgemeinheit einen wirksamen Einfluß ausübt und mit weitgehender, unbeanstandeter Autorität bewaffnet ist. Vergessen wir jedoch nicht, daß jede. Zögerung eine Verstärkung des Uebels zur Folge hat,' forme jede Konzession, die dem Feinde gemacht wird, ein weiteres Vordringen desselben bedeutet. Die loyale Mitwirkung der Presse dürfte als zugeü-bert angesehen rverden.

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