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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jtchrgavg. Erste Anlage zu Jß12 & 13 des „Israelit." Leitender Artikel. Das Grab Mosche's! Devafctzatz zum 7. Aöcrv 5662 Rabbiner D. Kohrr—Jnowrazlaw. Zu dem Schriftwort “\b nwi arm,, „Und er hat das E r st e sich ersehen, denn dort ist der Antheil des Gesetzgebers, des Verborgenen" (5. 23. M. 33, 21), bemerken unsere alten Weisen: mz:v s bvr :m'cp mt "cbw bz> nb'r,ra das ist das Grab Mosches, das geschaffen wurde, gleich im Beginne der Weltfchöpfung. (Jalkut z. St.) Aehnlich lautet die Mischnah: (Aboth. Absch. 5,. Dt. 9) Zehn Dinge wurden geschaffen am Vorabend des Sabbat in der Abenddämmerung, der Mund der C^rbe, der Mund des Brunnens u. s. w. und Einige sagen, auch das Grab Mosche's. Ein gar merkwürdiges Mort! Ist denn nicht jedes Grab eines jeden Menschen ' gleich im Beginne der Schöpfung geschaffen worden! Jst's denn nicht die alte Erde, auf und in der alle Gräber sich befinden! Und welcher Vorzug, welcher Ruhm ist's denn eigentlich, daß das Grab Mosche's schon im Beginne der Schöpfung erschaffen wurde! Welche Lehre, welche Moral soll in diesen dunkeln, räthselhaften Worten enthalten sein! Die heilige. Schrift sagt: r,x vrr rr^. "irn^p „Und Niemand weiß etwas von seinem Grabe." (3. B. M. 34. 6.) Und wahrlich, Niemand weiß, Niemand begreift und erfaßt dieses wunderbare, geheimnißvolletiefverhüllte Moment der heiligen Schrift. Nicht minder dunkel und räthselhaft aber als das Moment selbst, klingen die Bemerkungen unserer alten Weisen, die das Dunkel lichten, das Räthsel lösen sollten. Was wollen unsere Weisen z. B. damit sagen, wenn sie zu dem Wort "kz -n« i2pi., Und Er begrub ihn im Thale (5. B. M. 34, 6) bemerken: *i2p xn., ":c3iS r». „Er, Mosche, hat sich selber begraben!" (Sifre zu rw» Was wollen unsere großen Lehrer im Talmud (Sotah. 14 a) damit sagen, wenn sie zu dem Schriftwort „Und es kannte Niemand seine Grabstätte" (5. B. Dt. 34, 6) bemerken: nr.ix *xi rfrjob ncy. nn» ixi nvvb *.“T ,r>zzb die hoch oben standen, sahen das Grab Mosche's tief unten, und die tief unten standen, sahen das Grab hoch oben!! Wir wollen versuchen, soweit dies unsere schwachen Kräfte gestatten, die überaus dunklen Worte unserer Weisen zu erklären und zu erläutern. Zu den Zielen und Zwecken der Religion gehört es, das physische, das materielle Leben des Menschen zu weihen und zu heiligen, die. Kluft zwischen i r d i s ch e m und g e i st i g em Leben zu überbrücken, die Gegensätze mit einander zu Versöhnen und also das Leben, das einen ewigen Kampf, Streit und Zwiespalt zwischen „Gut und Böse", zwischen Jezer tob und Jezer Hora bildet, harmonisch .und friedlich zu gestalten. Es ist eine tief; und erhabene Wahrheit, die unsere Lehrer im Talmud in folgenden Morten ausdrücken. <Synhedrin 99 b) bx'Paan nbrrr bar o•bar c'jw rnwa pewn 7IL8 barl v Wer in reiner, lauterer Absicht sich mit Thora beschäftigt. der schafft Frieden zwischen dem höheren. geistigen und dem niederen, irdischen Leben, zwischen dem niedrigen, an der Scholle haftenden Körper und der sich zu den Höhen der Gottheit emporschwingenden Seele, zwischen den niedrigen, bösen, der Sünde sich zuwendenden und hinneigenden Trieben und Leidenschaften des Körpers (Jezer Hora) und den edlen, erhabenen. Reinheit und Lauterkeit anstrebenden und nach Heiligkeit und Gottähnlichkeit dürstenden. Kräften des Geistes. (Jezer Tob) . . . Daß wir unsere. Leidenschaften bekämpfen und besiegen, unsere Begierden zügeln und bändigen, uns vor Selbsterniedrigung und Selbstentwürdigung bewahren, und durch diesen Kamps und Sieg auf der Leiter ' menschlicher Vollkommenheit immer höher steigen, das befiehlt uns die Thora, wenn sie uns zuruft: „Und du sollst lieben den Ewigen, deinen ©ott'"ps!? mit deinem ganzen Herzen" (6. B. M. 6, 3). d. h. nach der Erklärung unserer Weisen •pX’ ’ac mit deinen beiden Trieben; mit dem guten und dem bösen Triebe. (Sifre z. St.) Wenn du in Selbstbeherrschung deine Leidenschaften bekämpfst und besiegst, die Fesseln deiner Begierden sprengst, und in Selbstheiligung die Bande der Sünde zerreißest und das Joch des .Jezer Hora von dir schüttelst, dann dienst du Gott mit deinem bösen Triebe ebenso, wie mit deinem guten, dann schaffst du Harmonie und Frieden in dir, zwischen dem Guten und Bösen, zwischen dem Hohen und Niedrigen, und was noch inehr ist, bar rrya bar »rteB2 Harmonie und Frieden zwischen Gott und Menschen!! Ja, alle Gesetze und Gebote der Thora, die Gesetze der Enthaltsamkeit, der Selbstbeherrschung, die Gesetze der Moral und Sittlichkeit, sie haben alle zum Ziel und Zweck, das irdische, das physische Leben des Menschen zu veredeln, zu reinigen, zu läutern, es von der Niederung der Erde.zu den Höhen des Himmels empor zu tragen. Heilig sollt ihr fein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott (I. B. M. 19, 2). „Halte sie hoch.

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