Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43. Jahrgang. M VI & 13. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Br. ITefrnmtw in M«inr Donnerstag, Ven 1j3. Februar 5662 (1962). Leitende Artikel. Hiiitn ilcil' ÄIIijitil kr ßoiiftrcfj^lüüiäiiif. Basel, 1. Januar.*) Auch ich war in Arkadien geboren. Auch ich war eine Zeit lang eifriger Zionist und habe alle Kongresse — bis auf den Londoner — mitgemacht. Aber als sie diese Woche den fünften geschlossen haben, war ich fast versucht,, den Schluß mit den Worten zu begleiten: .-nnm rawrtf r'XsnnCm*-^ r6n;n 'n "j1? Mit diesen Worten schließt bekanntlich an n;yr:n nzn die letzte Ich mache keine mehr mit. Ich habe es n'2 nicht mehr nöthig; ich bin kurirt. Mir kommt das Ganze, je länger, desto mehr, wie eine große, theatralische Aufführung vor und vielleicht ist es meine Vorliebe für's Theater, die mich eine Zeit lang für diese Schaustellung interessirte. Es gibt ja viele Theatermenschen, welche die Tugend aus Schminke und Pappe, die da mit aller Grandezza auftritt, für Ernst nehmen und in einer Tragödie ehrliche Thränen über das Schicksal ihrer Helden weinen können. Vielleicht liegt darin das Geheimnis; der „werbenden Kraft", die man nicht mit Unrecht dem Zionismus wie dem Theater nachsagt. Aber ob die werbende Kraft irgend einer. Einrichtung der rechte Probirstein ihres inneren Werthes ist, das darf man billig bezweifeln. Man wird sich leicht überzeugen können, daß im Großen und Ganzen die lockeren, leichtsinnigen, dem Sinnenkitzel huldigenden Einrichtungen eine viel größere, werbende Kraft besitzen, als die ernsten, wirklichen Bedürfnissen entsprechenden. Aber wer einmal den Fuß über die Schwelle gesetzt hat, welche zu den Brettern führt, die die Welt be¬ *) Wegen Raummangel unlieb verspätet. Red. deuten, der giebt sich gern» für einige Stunden der Täuschung hin, die ihn umgiebt. Er will ja getäuscht sein und nähme es Jedem übel, der ihn an die Täuschung erinnerte, daß der Clown, der mit seiner ausgelassenen Heiterkeit alle Lachmuskeln in Bewegung setzt, nach Schluß der Vorstellung von einer Wirklichkeit erwartet wird, die nichts weniger als heiter ist, daß der Schauspieler, an dem ivährend der Vorstellung jeder Zoll ein König ist, sich beim Nachhausekommen in dem finsteren Corridor seiner Mansardenwohnung das Nasenbein zerschlägt, weil er die paar Pfennige nicht hat, die für eine Schachtel 'Schwefelhölzer erforderlich sind.. Bedenkt man, daß der spiritus rector, bcr ganzen zionistischen Bewegung ein geschätzter Feuilleton-Redakteur ist, so wird man das Theatralische im Zionismus als zum Stück gehörig ganz in der Ordnung finden. Die ganze Dekoration, Scenerie und die einzelnen Akteure sind so geschickt gewählt und funktioniren so vorzüglich, daß die Kongreßbesucher leicht geneigt sind,. Alles für Ernst zu nehmen. Schon bevor man das stattliche Kasino betritt, wallt uns die Niesenfahne des Kongresses mit ihren jüdischen Emblemen entgegen und flattert Vielen das bischen nüchterne Erwägung weg, das sie -vielleicht von zu Hause mitgebracht haben. * In seiner trefflichen, den Zionismus bekämpfenden Schrift: zarzz p*x erzählt der Verfasser, Herr Rabbiner Nabiuowitsch in Poltawa, daß der Anblick dieser Fahne einen russischen Schwärmer für den Zionismus derart enthusiasmirt habe, daß sie ihm allein als Beweis für die Vortrefflichkeit und Nnerläßlichkeit des Zionismus genügte und dieser ihn fragte, ob er beim Anblick dieses Banners noch bei seiner ablehnen» den Haltung verharren könne? „Die Fahne ist sehr schön," erwiederte der Gefragte, „aber wenn sich Jemand unterstehen sollte, sie zu beschimpfen, welche europäische Macht würde dann wohl für die Ehre dieser Fahne eintreten?"