Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1902)
- Date
- 1902-02-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449807--55312-2517931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
43. Jahrgang. Literarische Ilmschau. ,'Lpn :x 121 rin-rri rr.rbn ntnrn s*.m D1D “Bc p*ns wbpn V1-I27I iT22 rram airrn s.ian nniv .NV' tD“iKCn?2bxn Es ist ein recht interessantes Werk, das hier vor uns liegt und dessen Titel wir vorausschickten. Der Verfasser desselben gehört noch der alten Schule an und diese unterscheidet wesentlich von der unseligen. Während man heute beim „Lernen" mehr das Praktische und unmittelbar Verwerthbare, die Halacha, im Auge hat, lernte man früher um des Lernens willen. Man lernte L'schem Mizwoh, ein göttliches Gebot zu erfüllen. Diese Verschiedenheit im Zwecke bedingt aber auch eine Verschiedenheit in der Methode des Lernens. Denn ist des Lernens Zweck nur die Mizwoh, dann kommt es ja gar nicht darauf an, wie viel man in einem bestimmten Zeitraum durchlernt, sondern nur darauf, daß man diesen Zeitraum mit Lernen ausfüllt. Unsere alten Meister und Lehrer ließen sich daher Zeit; sie lernten an einem und demselben Thema so lange und so viel, bis dasselbe nach all seinen Richtungen und Wendungen gründlich besprochen und bearbeitet war. Die Forderung, die sich, an das “pjab wwen knüpft, daß man auf eine Thora-Frage mit Klarheit, Geläufigkeit und Schärfe zu antworten habe, gab ihrer Lehrmethode die Richtung. Sie lehrten und lernten so, daß jene Forderung sich erfüllte. Heute wurde das wiederholt, was gestern neu war, und morgen war das heute Gelernte wieder Gegenstand des Denkens und Nachdenkens, jede Scharte hierbei ausglättend, alles Dunkle in's helle Licht rückend. Unsere Zeit hat diese Art umgestaltet. Man lernt und — was noch schlimmer — lehrt rasch; denn man will „fertig" sein! Die Konkurrenz ist groß! So fliegt man denn in aller Eile und Hast Paragraphen und Abschnitte durch. „Was nützt denn diese ewige Grübelei, das spitzfindige Geistesspiel? Das Pensum erreichen, und zwar es in möglichst kürzester Zeit erreichen, heißt die Parole." Welche von den beiden Methoden die rechte ist, das zeigen die Erfolge. Welcher Segen entsproß der einen; wie hat sie tausend und abertausend von eifrigen Schülern geschaffen, welche Lust hat sie angeregt, wie viel Liebe geschaffen, und die heutige Methode, was hat sie aufzuweisen? Seichtheit, Oberflächlichkeit, Mangel an Interesse und dessen verhängnißvolle Folge, Abnahme des Thora-Studiums. Es berührt einem deßhalb doppelt angenehm, wenn einem ein Sefer zu Gesichte kommt, das in neuerer Zeit entstanden und doch vom alten Geiste durchweht ist. Dieses können wir von dem uns vorliegenden Werke sagen. Ohne hierin in's Extreme zu gerathen, verfolgt. »Cf*'******* . der Verfasser den sog. Weg des Pilpul. Es werden Fragen aufgeworfen, oder bereits vorhandene herbeigeschafft und diese durch Heranziehung von guwwv und D’jnnx mit Geistesschärfe beantwortet. Das Werk erstreckt sich auf einige zwanzig Traktate; es bringt von jedem etwas. von einem weniger, vom andern mehr. Hier und da macht der Verfasser auch Ausfälle auf das philosophische Gebiet. Mit Benützung der vortrefflichen Gedanken unserer alten Philosophen versteht er es, manche schwierige Agava zu erläutern und manche Stelle der heiligen Schrift zu erklären. Das vortreffliche Sefer, das wohl beim Verfasser, Herrn S. Cohn, Halberstadt, zu haben ist, sei somit jedem Thoraliebhaber empfohlen. . . . . . g . . > . ss D'ncD s'Äi'V mv nana rsso by VD) 2M2 ^2 .s'ivb"N em-jkb amo 121 'man D’bpe» Ein origineller Gedanke ist es, der das hier überschriebene Werk erstehen ließ. Während sonstige Autoren mit ihrem eigenen Geisteserzeugnissen aufwarten und eigene Gedanken zum besten — oder auch nicht — geben, schlägt Verfasser obigen Werkes einen andern Weg ein. Er gibt uns die Gedanken Anderer. Wie das zugegangen, verräth der Verfasser in der Einleitung. Er lernte, und all die Stellen, die ihm schwierig vorkamen und worauf er in irgend einem pe,x*i oder pinx eine treffende Losung gefunden, sammelte er und so entstand ein Werk. Die Methode ist nicht zu verachten. Auf alle Fälle hilft sie einem mit nicht allzu großer Mühe Bücherherausgeber zu werden. In diesem Falle war sie aber auch nützlich. Denn der geehrte Sammler versteht es wirklich, zumeist nur Gutes zu bringen. Seine Auswahl verräth ihn als einen großen mui ja dessen verständnißvollem Urtheile man sich getrost anvertrauen darf, und wem es an einer ausreichenden Bibliothek oder an der nöthigen Zeit mangelt, wird in dem »dj anya cma vielfach Ersatz für das Nachschlagen in den Dwirw und owwei finden. . ..... g .... ss. Einem allgemein gefühlten Bedürfniß nach einer Darstellung des mos. talmud. Rechts im Vergleich zu' den jurid. Institutionen anderer Völker sucht Rabbiner Dr. Kirsch in seinem soeben erschienenen Werke*) Rechnung zu tragen.. In einer sehr klaren und unpedantischen Weise stellt er das Erstgeburtsrecht nach miindlicher und schriftlicher Lehre dar und beleuchtet es von moralischer, sozialer und völkerpsychologischer Seite. Von dem sehr richtigen Standpunkt ausgehend, daß unser Recht die Scheidewand zwischen uns und den anderen Völkern bilde, daß die Aufnahme, fremder *) De- Erstgeborene inni) mosaisch-talmud. Recht. I. Theil Verlag von I. Itaufsmann. Frankfurt a. M.