Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1902)
- Date
- 1902-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43. >! Jahrgang. JK 10. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von Dr. in llaitt}. Montag, de« 3. Februar 5662 (1962). Leitender Artikel. Sin iWickllicher KimBts-A-Htl. Mainz, 2. Februar. Das „Israelitische F a m i l ie n b l a t t" bringt in einer seiner letzten Nummern des vorigen Jahres einen Spitzenaufsatz: „S e i d einig, e i n ig. einig!" Die äußere Veranlassung für seine Mahnung zur Einigkeit erblickt das Blatt in dem Berliner „Hülfsverein der deutschen Juden." Es thut seiner Seele wohl, Männer von den heterogensten religiösen Auffassungen sich da einmüthig bewegen zu sehen auf dem Boden des praktischen Judenihüms. Es erblickt darin die Gewähr, daß es in Israel niemals an Männern fehlen wird, welche die Zeichen der Zeit verstehen. Es führt einige dieser Männer namentlich auf und bescheinigt ihre Trefflichkeit, weil sie von der Ueberzeugung durchdrungen sind, das; gemeinnützige Bestrebungen nur gedeihen können, wenn religiöse Streitfragen schweigen und meint, daß der Judenheit die größte Gefahr durch Uneinigkeit und Spaltungen innerhalb der eigenen Mauern droht. . Wer so von dem unbedingten Werth der Einigkeit durchdrungen ist, von dem sollte man meinen, daß er dazu nicht nur ourch Worte auffordert, sondern daß er diese Aufforderung wenigstens nicht selber durch Hetzereien und Gehässigkeiten plumpster Art Lügen straft. Die genannte Zeitung denkt aber darüber anders. Eine Schaar von Männern hat's ihm angeihan, welche in jeder Vereinigung verschiedenster religiöser Schattirungen eine „Verletzung religiöser Ueberzeugungen" wittern. Diesen Männern wird die Gesetzestreue abgesprochen, indem sie als sich „gesetzestreu" nennende Glaubensgenossen mit Gänsefüßchen, bezeichnet werden. Es wird ihnen die Meinung unterstellt, sie hätten das Judenthum allein in Erbpacht genommen, und Begeisterung für unsere Religion sei nur ihnen eigen. Dabei wohne die genaue Kenntniß des traditionellen Judenthums nicht jedem von ihnen inne. Trotzdem will das Blatt ihre Bestrebungen nicht verdächtigen, aber es haßt den Fanatismus.. Die Schaar dieser '„gesetzestreuen" Männer mutz sich also aus Fanatikern zusammensetzen, wenn das Bekenntniß dieses Hasses hier irgend einen Sinn haben soll. Auch unduldsam müssen sie sein und unjüdisch. tvenn die sittliche Verwerflichkeit der Unduldsamkeit, die hier mit. viel Pathos verkündet wird, nicht wie die Faust auf's Äuge passen soll. „Jüdisch," heißt es daselbst, „war stets das eigene Forschen und Selbstdenken, unjüdisch, das Verhetzen und Verketzern Andersgesinnter." Da mir diesen konfusen Phrasen nicht gegen Windmühlen, sondern gegen die sich „gesetzestreu" nennenden Glaubensgenossen gekärupft wird, so kann die Adresse der Fesselschmiede von Denken und Glauben und die der Verhetzer und Verketzerer Andersgesinnter nur hier zu suchen sein. Man wird zugeben müssen, daß das eine ganz wunderliche Sorte von Einigkeit ist, die hier gepredigt ' wird. Wenn alles einig ist bis auf die bezeichnete Schaar von Männer, so kann die Mahnung: „Seid einig, einig, einig!" sich doch nur an diese wenden. Ob aber diese Liebenswürdigkeiten das geeignete Mittel sind, die Gesetzestreuen oder auch nur die „sogenannten" dem „Hilfsverein der deutschen Juden" zuführen, das wird man billig bezweifeln dürfen. Selbst auf die Gefahr der Ungnade und der Gänsefüßchen des genannten Blattes hin benützen wir dessen Expectoraiionen, um unsere Stellung zu allen diesen Mischmasch-Bestrebungen wiederholt zu präzisiren. So sehr der „Israelit" in den 43 Jahren seines Bestandes jederzeit für die s i t t l i ch e. g e ist i g e