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Der Israelit · 1902-01-23 · Heft 7 (23.1.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 7 (23.1.1902)
Date
1902-01-23
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Erzählung aus dem Leben von LmLL K'öwknstklU —Borken. ImsM. »miss! jC) für das Ml-43- .'vmm 1 nt. 4 *1?T£ 3. Jan. 1902.1 Vor dem Eingang der schönen, aus weißen Sandsteinen erbauten Kirche hatte eine mächtige Reihe der elegantesten Equipagen Aufstellung genommen, und wartete auf die Andächtigen, die drinnen einem Akte beiwohnten, durch den zwei Menschen für's Leben glücklich werden-sollten. Nur wenig Neugierige beobachten diesen Aufzug, denn in einer Stadt von mehr als Hunderttausend Einwohnern zählt es nicht so sehr zu den Seltenheiten, wenn reiche Leute Hochzeit machen und ihren Neichthum auch ^äußerlich zur Schau stellen, als daß das große Publikum davon Notiz nähme. Und doch hatte die Hochzeit der Fräulein Elise Günther mit dem Herrn Arthur Berlinger in den intereffirenden Kreisen seit einem Jahre schon reichlichen Stoff der Unterhaltung geliefert. Wie oft wollte die Fama das Projekt als aussichtslos darstellen, und dann stand der Entscheidungslag vor der Thüre, aber in Wirklichkeit war cs in dem Kreise der direkt Betheiligten bis vor wenigen Monaten auch noch nicht entschieden, denn es waren vorher noch Förmlichkeiten zu erledigen und dann erst tonnte sich das Paar am Ziel seiner Wünsche betrachten. Heute nun war Alles überwunden und ein sonniger Herbsttag spiegelte die Wärme, die in den Herzen des jungen Paares lagerte, freundlich wieder, um sicherlich für immer darauf zu ruhen. Wenn Berlinger auch vor lvenigen Tagen noch, als er in seinem Junggesellenhcim harmlose, duftende Erinnerungsblätter aus seiner Jugend vernichtete, mit ganz eigenartigen Empfindungen einen kurzen Rückblick auf sein Leben anstellte, so war das nur ein Augenblick, um sich dann schnell wieder in die Gegenwart zu versehen, eine Gegenwart, die ihm alles bot — Glück und Liebe. Rur von jenem Buch in schwarzledernem Einband, welches er lange Zeit nicht gebraucht und vielleicht — nie inehr brauchen wird, konnte er sich nicht trennen, und er legte es zu den Sachen, die anfbewahrt blieben. Es war das Gebetbuck: seiner verstorbenen Mutter; sein Vater schenkte es ihm und er behielt es immer in Ehren. Als sein Vater ihn kurz nach dem Tode seiner Mutter in das nicht unbedeutende Bankgeschäft von Herbert Günther gab, ahnte der von der Last der Arbeit gebeugte Greis nicht, daß ans dem Jungen, der nur eine mittelmäßige Schulbildunggenoffen, etwas Besonderes würde. Arthur gab sich mit allem Eifer und Interesse an die Arbeit und errang sich so schnell das Vertrauen und die höchste Anerkennung seines Chefs, daß dieser nach einigen Jahren ihn in eine Stellung rückte, um die er von älteren Kollegen beneidet wurde. Und als Arthur's Vater starb, stand der Sohn schon in gesicherter und ausstchtvoller Lebensstellung. Günther war vorurtheilsfrei genug, in seinem Personal die Charaktere und Tüchtigkeit zu sehen und nicht den Zuflüsterungen von befreundeter Seite sein Ohr zu leihen, weßhalb er denn einem Juden solches Vertrauen entgegenbringe. Seine Antwort war immer dieselbe: „ich weiß, wer er ist und was er ist und das genügt mir." Durch besonders günstige Spekulationen, die im Laufender Jahre von Berlinger eingeleitct worden waren, stieg das Vertrauen.seines Chefs immer mehr und WRJiJM»'

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