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Der Israelit · 1902-01-16 · Heft 5 (16.1.1902) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 5 (16.1.1902)
Date
1902-01-16
Page
– (sequence 21)
Language
German
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05P] TT vmJi WM t für düsL^- <- ARON l-OMO S E S\5X' mm WWW 10. Za«. 1902.] .MM l«r. S ofckiack. Humoreske von Z. Zchachnowitz, Lehrer in Lndingen (Schweiz) Zu den eigenthümlichen oft hochinteressanten Kuriositäten des Ghettolebens gehören feine Spitz-- und Beinamen. £b sie darauf zurückzuführen sind, das; man ini Ghetto mit den Familiennamen sich nur wenig befreunden konnte und daher auf diese Weise die Gleichnamigen von einander zu unterscheiden suchte, oder ob es sich dabei um Auswüchse gutmüthiger Bosheit und dergleichen handelt, von welchen auch das Ghetto nicht ganz verschont ist, das soll hier nicht zum Nustrag gebracht werden. Jedenfalls würde man viel Kulturgeschichte dieses poesievollen Elends kennen lernen, wollte man jene pikanten Namen, die fast alle voller Witz und Humor sind, auf ihren Ursprung und ihre Bedeutung zurückführen. Die Geschichte, wie Ehajim Moschiach zu diesem seinem Namen kam, wird das bestätigen. „Gehen Sie zu Ehajim Moschiach, er führt Sie schon nach R. . .," so lautete die allgemeine Auskunft, als ich mich im litbauifchen Städtchen G. an einem ziemlich warmen Sommernachmittag nach einem Fuhrmann erkundigte, der mich nach der fünf Meilen entfernten Kreisstadt R. fahren sollte. Der Name Moschiach hatte für mich etwas Anheimelndes. und als ich jetzt in einen schmalen und krummen Seitenweg einbog. um die Jatkegasse (Fleischmarlt) zu erreichen, regte sich schon bei mir der Nationaljude und fing bereits im Geiste an, Betrachtungen anzustellen über den schönen Geschmack unserer östlichen Brüder und den hebräischen Wohllaut ihrer Namen. Bon der Jukkegasse aus führte mich iin des WegeS kommender barfüßiger Junge durch eine Menge anderer bucklicher Seiiengäßchen und großen Pfützen endlich an's Ziel. Das Aeußere des Hauses entsprach nur wenig meiner Vorstellung von dem Paläste eines Messstls. Ein ziemlich langes und unförmliches Holzgebäude, iiber welches sich ein gelbes, verwahrlostes Strohdach ausbreitete, welches das Haus fast bis zu den kleinen, mehrteiligen Fenstern bedeckte. Mehrere Halme hingen wie wild flatternde Strähne eines unfrisirten Hauptes von allen Seiten des Daches herunter und ein Seitenblick belehrte mich, daß diese von den Ziegen der Nachbarschaft herrühren, die hier mit Vorliebe ihre Wettkämpfe auf dem Gebiete der Turnkunst aufführten. Das Glas aus einigen Fensterscheiben war ausgeschlagen und durch Tücher ersetzt. Die^ anderen gewährten nur einen trüben Einblick in das Innere des Hauses. An der Seite erhob sich eine Art Nebenbau in ähnlicher Konstruktion, nur noch etwas baufälliger und verwahrloster. In diesem Raume, der als Stall, Scheune und Schuppen zugleich zu dienen schien, stand ein hagerer, aber muskulöser Mann; etwa ein Vierziger, mit großer Schürze, die Hemdärmel bis zu den «Schultern hinaufgeschürzt und befaßte sich mit der Fütterung von zwei dürren Pferden. . E ns

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