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Der Israelit · 1902-01-13 · Heft 4 (13.1.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 4 (13.1.1902)
Date
1902-01-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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$f e tt Mlet* n. Fohann Friedrich Schulze. Eine Grsöhlung aus der Gegenwart. 7j Machdruck verboten. Staunend hörte der alte Kommerzienrath Meyer den Eröffnungen seines Sohnes zu. Immer wieder schlug er sich vor den Kopf und schalt sich einen Esel über den andern, daß er das nicht früher gemerkt habe. Tausend Einzelheiten wollte er sich fetzt erinnern, die ihm ausgefallen waren und die er sich nicht zu erklären vermochte, und doch stand jetzt alles klar vor seinen; Augen. Aber die Wirkung des Mitgetheilten war auf den alten Meyer eine überraschende. Kein Schmerz über seinen so früh in das Grab gesunkenen Sohn überkam ihn und kein Zorn über die von Johann Friedrich Schulze an ihm begangene Täuschung schwellte ihm die 'Adern. Freude, hohe Freude empfand er über das nun Erfahrene. „Höre, mein Lieber," sprach er zu Schulze, „es ist selbstverständlich, daß Du nach wie vor mein lieber. Sohn bleibst; aber Eines verlange ich von Dir, kein Mensch außer mir und Dir darf von der Sache Kenntniß haben. Ich werde Dir auch sofort meine Gründe mittbeilen. Wie Dir bekannt, wirbt Fräulein von Neichblöder seit langer Zeit um Deine Hand; es ist das eine Partie für Dich, wie Du sie Dir wohl kaum bester wünschen könntest. Ein junges, schönes, geistreiches, hochgebildetes Mädel, dessen Vater ein fürstliches Vermögen besitzt und das von Liebe zu Dir erfüllt ist. Wenn unsere beiden Häuser erst durch diese Vereinigung miteinander verbunden sind, bilden sie auch in geschäftlicher Beziehung eine Macht, der so leicht kein Konkurrent widerstehen kann. Nur ein Hindermß stellte sich seither zwischen diese von mir so heiß ersehnte Verbindung. Fräulein von Neichblöder, die zwar selbst heute noch dem Judenthumc angehört, wünscht vor ihrer Hochzeit gemeinsam mit ihrem zukünftigen Gatten zu der herrschenden Landeskirche überzutreten; da ich aber meinen seligen Eltern auf deren Sterbebette geschworen habe, daß ich niemals dulden werde, daß meine .Kinder vom indischen Glauben absallen, so konnte ich aus die Bedingung der Dame seither nicht eingehen. Die Verhältnisse haben sich aber nunmehr so günstig gestaltet, daß ich von meinem Schwure befreit bin. Für Johann Friedrich Schulze habe ich meinen Eltern gegenüber keine Verpflichtungen einaegangen. Du bist Christ und c? wird Dir, denke ich, nicht allzu schwer fallen- Dich zum Scheine ein zweites Mal taufen zu lasten, um eine der reichsten Erbinnen des Landes heimznsllhren. Ich weiß zwar, daß Du aus den ganzen Hokus Po'us nichts gibst, seien es nun jüdische oder christliche Zeremonien, aber was thut man nicht um einen solchen Preis?!" Meyer wollte seinen Adoptivsohn an's Herz drücken, denn seitdem er wußte, daß dieser Christ, war er ihm noch mal so lieb und werth geworden. Joseph aber, von der Frivolität, mit der sein Vater sowohl über das Judenthum, wie über das Christenthum sprach, angeeielt, wich heftig zurück. V . „Du irrst Dich. Vater," sprach er, „wenn Du glau&ft, daß es mir ein Leichtes sei, mich zum zweiten Male taufen zu lassen. Erinnerst Du Dich noch, wie Du mich vor einem halben Jahre etwa vor den hohen Feiertagen batest. Dir das Machsor in der Ursprache vorzulesen und ich cs ablehnte? Damals lehnte ich ab. weil ich des Hebräischen nicht mächtig war; aber weißt Du noch, was ich Dir damals sagte, als Du wüthend über meinen Mangel an religiösem Sinne warst? Ich sagte Dir, ich wollte mich bei einem gelehrten Rabbiner über düs Judenthum informiren, und wenn es mir zusagt. Dir versprechen, daß ich dann vielleicht ein besserer Jude würde, wie Du je einer gewesen! Nun. ich habe mich unterrichtet und bin entschlossen, mich zum Judenthum zu bekehren, ich kann deßhalb auch Fräulein von Reichblöder nicht heimführen. — Wie tief die große Liebe des gnädigen Fräulein von Neichblöder zu mir ist. magst Du daraus erkennen, daß sie sich vor einiger Zelt Helene gegenüber geäußert hat, daß, wenn ich nicht eine so ausgesprochen jüdische Physiognomie hätte, sie eher auf die Taufe verzichten könnte, so aber müsse doch ein Unterschied zwischen ihr und dem jüdischen Plebs existiren." ..Du scherzest wohl, liebes Kind, ich halte Dich für einen so guten Menschen, daß ich gerne glaube, daß Du mir zuliebe dieses Opfer zu bringen im Stande wärest. Aber bedenke doch, ich verlange ja gar nicht von Dir, daß Du zu meinem Glauben übergehest. Bleibe!n dem Glauben, in dem Du geboren und thue so. wie ich Dich bitte." . ' : ' Joseph war über die Charakterlosigkeit seines Vaters und der ganzen jüdischen Aristokratie auf das höchste empört. ' „Wahrhaftig, man wäre versucht, ein Antisemit zu werden," platzte er heraus. ..Ah, so gefällst Du mir." „Ja. ein Feind der Juden von der Sorte, wie Ihr seid, aber nicht ein Feind der jüdischen Religion. Für einen Groschen, ein Stück Brod, einen Rock, ein Lächeln verkauft Ihr Eure Kinder. Euch selbst, verleugnet Vater. Mutter, und ergreift die Keule, damit Ihr in der ersten Reihe der Feinde in den Kampf ziehet gegen Eure Geschwister. Ehrliche Leute, auch als Feinde, werden Euch mit Elel einen Fußtritt geben. Eure Sucht, sich mit Elementen zu vermischen, die in einem ganz anderen Jdeenkreise ausgewachsen sind, während doch gerade hierdurch jenes höchste Gut verloren geht, .welches.das' Judenthum durch Jahrtausende widerstandsfähig erhalten hat, diese Eure Sucht, die das gemiithvolle jüdische Familienleben zerstört hat, und die auch die tiefen Wurzeln des germanischen Wesens, das Ihr nicht verstehen und begreifen . könnt, Herausreißen und ver- 3395

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