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Der Israelit · 1902-01-09 · Heft 3 (9.1.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 3 (9.1.1902)
Date
1902-01-09
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Nach vierhundert Nähren Oon Irrreövich Aott. Isabella brach ohnmächtig zusammen; ihr Veiler und der Krankenwärter trugen sie hinüber in ihr Zimmer; der Arzt folgte, und seinen Bemühungen gelang es bald, sie wieder in's Leben zurückzurufen. Im ersten Moment war sie sich über das Geschehene nicht klar, doch als es ihr wiederum deutlich vor die Seele trat, entstürzte ein Strom von Thränen ihren Augen. „Weinen Sie, mein gnädiges Fräulein, weinen Sie/ sagte der Arzt, „die Thränen werden Ihr Herz erleichtern. Dann aber hallen Sie sich in steter Erinnerung, daß Sie die letzten Augenblicke Ihres Onkels zu wahrhaft glückseligen gestaltet haben. Sie werden glücklich werden, es war sein letztes Wort."-— Mehrere Tage verstrichen mit den Vorbereitungen zum Vegräbniß. Isabella verbrachte sie in stummem Schmerze. Am Tage nach dem Hinscheiden ihres Ontels hatte sie ihr Vetter um eine Unterredung bitten lasten: sie tonnte ihm dieselbe nicht verweigern. Vor allem erkundigte er sich in theiluehmendster Weise nach ihrem Befinden, dann aber sprach er ihr in warmen. innigen Worten seinen Dank aus. daß sie den sehnlichsten Wunsch des theuren Dahingeschiedcncn erfüllt und dessen letzten Moment zu seinem glücklichsten gestaltet habe. „Du verzeihst und.begreifst, daß ich in diesen schweren Tagen noch nicht von meinem Glücke sprechen kann — aber nimm mein heiligstes Gelöbnis:, dass ich fortan leinen höheren Lebensztoeck kennen werde, als Dich glücklich zu machen, daß Du an meiner Seite —* „Alfred!" stammelte sie. „um Gotteswillen! Du glaubst doch nicht-* „Was meinst Du. Geliebte?"' „Nicht dieses Wort! nicht! nicht!" „Ich soll Dich nicht Geliebte nennen? Aber Du bist doch meine Braut. Alle im Sterbezimmer Anwesenden. Tante Käthe, der Doktor, die Wärter, die ganze Dienerschaft, alle tvaren Zeugen unseres Verlöbnisses!" „Ich konnte nicht nein sagen." flüsterte das bebende junge Mädchen, indem sie einer Ohnmacht nahe das oeisterbleiche Haupt gegen die Sofalehne zurücksinken ließ; „Du weißt es, Alfred, ich habe es Dir im vorhinein gesagt—" „Verzeihe, meine theure Isabella, wenn ich mich in diesen schmerzensreichen Tagen nicht an jedes Deiner Worte erinnere. Ich weiß in der That nicht—" „Du wirst Dich erinnern. Ich hatte Dir gesagt, daß der Arzt es mir als Pflicht hingestellt hatte, jedem,. s2i». Fortsetzung. auch dem unsinnigsten und unbilligsten Verlangen des Onkels zu willfahren, da ein Widerspruch den Eintritt der Katastrophe beschleunigen könnte. «Erinnerst Du Dich nicht?" „Nicht ganz klar — allerdings — doch ich will nicht widersprechen —" „Und Tu mußt Dich auch erinnern, daß ich Dir gesagt habe-. Tu dürstest ein eventuelles „Ja" meiner seit; keineswegs als Zustimmung betrachten." „Ich verstelle nicht. Geliebte, was diese Reminis zensen bezwecken sollen?" „Das verstehst Du nicht? — Aber das ist dock, klar —" „Ich kann es allerdings kaum fassen, und der Far bcnwechsc! Deines lieblichen Angesichts verrath, daß auch Du cs kaum zu fassen vermagst, daß Du Dein Wort, das Du Deinem sterbenden Onkel mit hinüber in's Jenseits gegeben hast — zurücknehmen — brechen möchtest! — Ich kann es nicht fassen!" „Ich hatte es Dir im vorhinein gesagt," murmelte sie, auf's neue erbleichend. „Ich erinnere mich nicht. Dochnehmenwiran.es wärr wie Du sagst. — Du hättest mir im vorhinein er klärt, der Arzt hätte Dich verpflichtet, auf jedes Ver langen meines Vaters einzugehen, weil ein Widerspruch den Eintritt der Katastrophe hatte beschleunigen können. — Aber gestern, als Du wußtest, daß es sich kaum um Sekunden handelte, da konnte dieses doch nicht mehr in Betracht kommen —" Sie konnte nichts darauf erwiedern — er war im Recht. — „Du begreifst, wie unsäglich schmerzlich diese Erörterungen mir sein müssen —" „Verzeihe. Alfred!" „Ach. sprich nicht von verzeihen. Du kennst meine Gefühle für Dich. Du lveißt —" „Alfred! ich bitte Dich!" „Du hast Recht, gegenwärtig ist es nicht an der Zeit, von unseren Gefühlen für einander zu reden. Aber noch weniger ist e», an der Zeit, an dem Gelöbniß zu rütteln, das wir Beide in die Hände des theuren Verblichenen geleistet. durch das wir seine letzten Augenblicke beglückt haben. Nicht wahr. Geliebte. Du gibst mir Recht?" „Ich kann nicht widersprechen." stammelte pe. aber ihre Zähne schlugen wie im Fiebersrost aneinander.

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