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Der Israelit · 1902-01-09 · Heft 3 (9.1.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 3 (9.1.1902)
Date
1902-01-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Jahrgang. weite Aeilage zu Jf& 3 des „ :iu Mn WitztckliM in SSifcl. Triller Tag: Zaniftag, Dezember. — Fünfte Sitzung; (Eröffnung tt'/. Uhr. Der Kongress ist in den kleinen Kasinosaal verlegt. Präsident Tr. Herz! bringt zunächst den Einlauf zur Perlesung: zuerst ein Schreiben des Reg.- Rathcs des Kanwns Basel- Stadt. Dasselbe lautet: Nachdem der Zionisten-Kongress sich entschlossen hat, seine Tagung in diesem Fahre wiederum, zum vierten Male, in Basel abzuhallen, ergreift der Rcgierungsratb gerne die Gelegenheit, dem Kongress seinen Willlommengruss zu entbieten und seiner aufrichtigen Achtung für seine Bestrebungen Ausdruck zu verleihen. Er bittet Sie. diesen Gruß mit den besten Wünschen für die Ersprießlichkeit Ihrer Verhandlungen der Versammlung übermitteln zu wollen. Der Präs.: Dr. Heinrich David." Das Schreiben lvurde mit stürmischem Beifall und lauicn Hochrufen von der Versammlung, die sich von ihren Sitzen erhob, ausgenommen. „Dr. H e r z l: Sie haben bereits den Gefühlen, welche diese Zuschrift in Ihnen erweckt, in einer Weise Ausdruck gegeben, die im Protokolle ihren Ausdruck finden wird und die ich mir erlauben werde, dem Regiernngsrathe zu übermitteln. Ebenso grossen Jubel erweckte ein Telegramm des Sultans: ..Iildiz Kiosk: Ich habe zu Füssen des Thrones die Hnkdigungsadreye des Kongresses, welche in Ihrem Telegramm enthalten ist. niedergelegt und beeile mich, auf Befehl Sr. Majestät Ihnen Allerhöchst Seine Kais. Genugthuung darüber auszudrücken. Ibrahim." Oberster Ecremonienmcister des Sultans.) Tr. Herz! erklär:. auch diesen Ausdruck der Gefühle (welchen die Verlesung des Telegramms hcrvvrrief) in geeigneter Weise zur Slenninife des Sultans zu bringen. Die wetteren Einlaufe, die nach Hunderten zählen, zur Verlesung zu bringen, ist unmöglich. Es erhält daran» Dr. Mose s (Mannheim) das Wort zu einem Referate über die „Wirthschastliche Hebung des Iudenthums": Je länger ich mich in die nöthigen Vorarbeiten vertiefte. das Material über die Lage der Juden studierte, die vorgeschlagenen Mittel durchmusterte, von den praktischen Versuchen, die unternommen, und von den Erfolgen. die erzielt wurden, nur Kenntnis; verschaffte, umso lebendiger drängt sich mir der Vergleich auf mit einer Erscheinung, die ich aus meiner Fachwissenschaft, der Heilkunde, kenne. Wenn man eine Krankheit mit allerlei Miltelchen nach den Symptomen sich zu heilen. bemühtes und inan nun ein neunes Heilverfahren entdeckte. welches der Ursache zu Leibe rückte ist damit der ganze bisherige Apparat ausser Kurs gefetzt? Rein, er behält eine gewisse Geltung und Bedeutung bei als Unterstützungsmittel. indem er vielleicht die subjektiven Beschwerden und leichten Schmerzen lindert. Ruhe und Behaglichkeit fördert. Auch kommt es vor. dass der .Heilsaft schwer zu erlangen ist. da ist es die Aufgabe. >ie Kräfte zu erhalten mit allen Mitteln, sonst würde das Heilmittel seine rettende Kraft versagen müssen. Das Heilmittel, das die ökonomische Misere des iudiscken Volkes zu beseitigen berufen ist. erreichen wir nicht s von heute auf morgen; es ist nöthig, auch hier den sozialen Körper zu stützen, damit das grosse Heilmittel nicht aus Mangel an vorhandenen Lebenskräften versagen muss. Das ist die grosse Frage, die sich erhebt und hier der Erledigung harrt. Es war ein Fehlschluss in der Beurtheilung des menschlichen Geistes und des Kulturlebens, welches der sog. Verclendungstheorie das Leben gab. Tie ihr huldigten. haben sich heute davon abgewandt, als die praktische Erfahrung sie lehren musste, dass der Klassenkampf nur nach Erhebung der Arbeitermassen aus dem Lumpenproletariat zum Ziele führen könne.. Auch in Bezug auf den Zionismus gab und gibt es eine Verclendungstheorie. Aber wir können mit Genugthuung konstatiren: Richt in unseren Reihen und Anschauungen und nicht in unseren Bestrebungen, sondern lediglich in den Köpfen unserer Gegner. 'Wenn sie gesägt haben, dass man mit einem gewissen Behagen all' das Elend hier registnren werde, nur um neue Rachweise für uns aufweiscn zn können, so weisen wir das energisch zurück. Wie könnten wir. deren Ideal ein freies Indengeschlecht ist. nur einen Moment befriedigt unsere Blicke laben an der traurigen Leidenslage, in der unsere Brüder sich befinden, während wir nur den alten Gewohnheiten zum Trotz, vor den nackten Thalsachen die Augen nicht verschliessen. Wohl ist es wahr, dass wir in der flammenden Begeisterung für das Endziel unserer Bewegung in der icllen Ueberzeugung. dass nur die Erreichung des End-. ziele-:- die Lösung auch der ökonomischen Iudenfrage bedeuten kann, unsere geistigen und matericUrn Kräfte auf den Fortschritt der Palästinafrage konzcntrirt. und sind nickt von vornherein mit Hochdruck auf die jetzige Frage losgcsteuert. So zeigt auch heute mancher unter uns ein apathisches Verhalten gegenüber der sozialen Thätigteit: andere befriedigen ihr Bedürfniss jetzt schon mit sozialen Arbeiten als Mitglieder von Vereinen und Organisationen. Schon vor dem ersten Kongress ließen sich, die Stimmen vereinzelt für die wirthschastliche Hebung des jüdischen Volkes hören, dann haben sie sick vernehmlich und eindringlick zu Gunsten einer Gegenwartsarbeit bemerkbar gemacht und die zionistische Lit-

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