Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1902)
- Date
- 1902-01-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43« Jahrgang. Krste Anlage zuM 3 des „Israelit." Literarische Umschau. Aus Vergangenheit und Gegenwart der isr. Gemeinde Worms, von S. Ro 1 hschild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms. Mainz. Truck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei, 30 S^ mit vier Photographien. <00 Pf.) Zweite Auflage. „Wahrheit und Dichtung" könnte man das Büchlein betiteln, welches vor uns liegt. Tie Dichtung ist in das Gewand der Sage gehüllt und nicht leicht dürfte es eine jüdische Gemeinde geben, wo so viele Erinnerungen an die Vergangenheit anlnüpfen, wie das sagenumwogene Worms. Herr Rothschild fuhrt dem Leser in faßlicher. abgerundeter Nedcform diese Legenden vor und versteht es. für dieselben lebhaftes Interesse zu wecken. „Die beiden Fremden." „die Zaubergans." die „Familie Talberg." „Rafchi." „R. Jehuda Hachasid.". „der Sohn des Bürgermeisters." „der Name Worms." diese Ueberschriften beweisen allein schon, wie reichhaltig das „Maase-Nissim" Buch an derartigen Sagen ist. von denen der Verfasser uns die spannendsten unter obigen Titeln erzählt. Voran geht eine Schilderung des Fried-. Hofes und der Synagoge mit ihren alten Inschriften. Daß Verfasser auch in diesen geschichtlichen Darstellungen das Material geschickt zu verwerthcn tveiß. darf uns nicht Wunder nehmen, da derselbe hierin kein Neuling ist und. wie die Leser des „Israelit" wissen, seine Feder schon oft in den Dienst geschichtlicher Forschung gestellt hat. Die beigefügtcn Phototypen zeigen die Raschikavelle. den Friedhof, sowie die äußere und innere Ansicht der Synagoge. Die Ausstattung des Büchleins ist eine sehr gefällige, wie wir sie von der bekannten Druckerei gewöhnt sind. Möge das hübsche Büchlein, das auch für Schülerbibli.otheken sehr geeignet ist. viele Leser.finden und der Verfasser uns noch öfter von „Maasse und Nissim," von Geschichten und Legenden des alten „Garmisa" erzählen. Dr. L. Tr. 2. Vermeld, Tie Heilige Schrift. Nach dem masoretischen TextMu übersetzt und erklärt, nebst einer Einleitung. Verl, von S. C a l v a r y & 6 o., Berlin 1902. Besprochen von Rabbiner Dr. Holzer, Schwedt a. O. Als mir vor wenigen Tagen das vorliegende Werk zur Besprechung zugrsandt wurde, war ich nicht rvenig erfreut. In Spannung und Ungeduld batte ich seit Wochen, ja seit Monaten sein Erscheinen erwartet; welche Hoffnungen und Erwartungen hatte ich nicht daran geknüpft! „Nun kommt," so dachte ich. „die so lange ersehnte, des heiligen Wortes würdige Uebersetzung von der Hand eines Juden." Jeder, der die zahlreichen.^ zumeist herzlich schlechten Uebersehungen der Heiligen Schrift kennt und noch gar als Lehrer und Leser derselben mit ihnen in Berührung kommt, wird die freudige Erregung mir nachfühlen, die diese frohe Hoffnung in meinem Herzen wachries. Durfte ich mir doch von einem so tüchtigen, geistvollen und gelehrten Manne, wie es Dr. S. Bernfeld ohne Zweifel ist. nur das Beste und Höchste versprechen. Er besitzt eine innere.-intime Ucnntniß der subtilsten Gesetze und feinsten Schönheiten der hebr. Sprache, er handhabt sie wie eine Muttersprache in Wort und Schrift, er kennt ihre Geschichte, ihre Entwickelung, ihr Werden und Wachsen, ihre Blüthe und ihren Verfall, er kennt auch, wie der Besten einer, die Geschichte ihrer Träger und Pfleger, des jüdischen Volkes; zudem verfügt er über einen glatt dahinfließenden. schönen und leichten deutschen Stil. Und noch gar die Versicherung, daß auch die Resultate neuester Sprachforschung auf dem Gebiete des SemitiSmus berücksichtigt und vcriverthet worden sind — waS sollte man nicht von der Arbeit eines solchen ManneS mit Recht erwarten und fordern dürfen? Meine Erwartungen sind, um es hier gleich vorweg zu nehmen, leider n ich t in Erfüllung gegangen. Was die Weisen im Talmud (Jebamoth 121b) von den wahrhaft Frommen sagen, das läßt der Recen» scnt den großen Autoren gegenüber gelten. Den kleinen, armen Schächer von Autorlein läßt er mitleidig passiren. mit namhaften und bedeutenden Männern geht er selbst um kleiner Sünden und Verstöße willen hart und scharf in's Gericht. Wenn aber auch andererseits zuweilen der Grundsab Berechtigung hat: Das Beste sei gerade gut, so gilt hier bei einer Uebersetzung der Heil. Schrift: Das Beste sei noch nicht gut genug, gut, um auch nur annähernd das wiederzugeben, was der heilige Urtext uns lehren, zum Ausdruck bringen will, um auch nur im Entferntesten letzteren ersetzen, vertreten zu können. Sollte man da. und wären die Fehler noch so klein, und waren die sonstigen Vorzüge noch so groß. Nachsicht und Rücksicht üben dürfen, hier, wo jeder Fußbreit heiliger Boden ist? Zunächst sei das Fehlerhafte in der Uebersetzung verzeickmet. das ich, wie es bei einem Werke von solchem Umfange sich von selbst versteht, nur auf's Gerathewohl hcrausgegrifsen habe. In Gen. 19,11 darf nah ebensowenig wie in Jer. 6.19 und 15.6 mit „sich (vergeblich) bemühen" wiedergegeben werden. Es heißt vielmehr „können, vermögen, im Stande sein." was die Parallele in Exod. 7.18 und 21 schlagend beweist, wie denn auch das Arab. zwei nebeneinander einhergehende, gleichlautende Wurzeln mit zwiefacher Bedeutung hat. (Dergl. Barth. Ethymologische Studien. S. 62.) — In Deut.