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Der Israelit · 1902-01-09 · Heft 3 (9.1.1902) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 3 (9.1.1902)
Date
1902-01-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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der jüdischen Gesammtheit. soweit sie es vermochten, den letzteren Rechnung getragen haben. Von ihren andersdenkenden Partnern majorisirt und ohne Handels - gesetzliche Mittel, die Oeffnung des Geschäftes am Sabbat zu hindern, haben sie durch das getroffene Arrangement das relativ Beste für die Intereffrn der Angestellten vorläufig erreicht. So sollte denn das bedauerliche Ereigniß. statt zu unberechtigten, auf mangelhafter Information beruhenden Vorwürfen Anlaß zu geben, vielmehr zu umso treuerem Zusammenhalten und hingebungsvollem Kampfe für den Sabbat anspornen. Frankfurt, a. M.. 7. Januar. Moritz A. L o e b. Iohann Kiedrich Schulze. Eine Erzählung aus der Gegenwart.*) 6} f Nachdruck verboten. Der Rabbi lächelte und bat seinen Schüler, ihm zuzuhören: «Denken wir uns, lieber freund, um einige Jahrtausende. sagen wir dreitausend Jahre, zurück und schauen wir uns dann einmal in der kiesigen Gegend um und erkunden, was die Bewohner dieses Landes, also Ihre Vorfahren, damals getrieben haben.- Gr nahm ein französisches Buch von dem neben ihm stehenden Gestell und begann eine Schilderung des Lebens jener Zeit in diesem Lande, von Girard de Rialle. vorzulesen: „Seit Sonnenaufgang sind die Männer auf der Jagd. Einige sind auf den Hochflächen, auf der Jagd nach Rennthieren. andere jagen auf den Wiesen Pferde und wilde Ziegen. In der Höhle am Flußufer sind die grauen, alten Männer und Kinder um eigen Haufen glimmender Asche versammelt. Der Platz starrt von Schmutz. Abfall aller Art bedeckt den Boden, die Höhlenbewohner sind mit dem Zubcreiten kürzlich abgezogener Thicrhäute beschäftigt. Die grauen kratzen die Innenseite mit flachen Steinen ab und schmieren die Häute darauf mit Fett ein. Die alten Männer kauern am Feuer und meißeln mit einem Stück Porphyr oder Granit eine steinerne Speerspitze zurecht. Es beginnt dunkel zu werden. 'Alle sind hungrig. Tie wenigen sauren Beeren, bitteren Früchte und faserigen Wurzeln, welche die Frauen in dem benachbarten Walde gepflückt haben, genügen nicht. Endlich ertönen die Ruse der Männer, die von der Jagd heimkehren. Mehr als ein Pferd und Auerochs ist ihren Sperren und Pfeilen erlegen. Einige Jäger sind auch mehr oder weniger verwundet worden: um die Verwundeten und das Wild sind die Frauen bemüht. Sind die Frauen an den Ort gelangt, wo das Wild liegt, so ziehen sie den Thieren *) Äeu cinaetretene Abonnenten erhalten bielnocb im Vorjahre erschienenen tfäpncl dieser Erzählung gratis u. jranco ttachgeliefert. rasch mit Hilfe ihrer Steinmeffer die Häute ab. Mit den schweren Streichen der Steinbeile zerbrechen sie die Gelenke und zerlegen die Thiere. um sie bequem nach der Höhle zu tragen/ Ter Anblick der Jager, die nur sehr dürftig bekleidet sind und sich die Zeit bis zur Ankunft der Frauen mit dem Trinken des noch warmen Thierblutes vertrieben, und die Frauen, die bei ihrer Scblachtcrarbeit sich mit Blut befleckt haben, ist nicht gerade anmuthig. Alle eilen heim; denn die Rächt bricht .an, und in der Ferne hört man das Geheul der Hyänen und der Wölfe, die der Geruch des blutigen Mahles angelockt. Die wilden Thiere fallen über die Fleischreste her. die die Frauen zurückaelaffen haben, und sie kommen jetzt in großen Schaaren auf den Blutspurcn nach der Höhle zu, um noch mehr Beute zu erhaschen. Die Frauen muffen rascher gehen, und ein paar Stiche mit den Spceren in die Waden treiben sie zu größerer Eile an. Tie Wölfe kommen im Galopp näher, und die Hyänen schleichen mit weniger Geräusch im Schatten der Bäume entlang. Plötzlich ertönt ein schriller Ruf aus der Frauenschaar: ein wildes Thier ist auf eine Frau losgesprüngen und wälzt sich mit ihr am Boden. Das Stück vom Auerochs. das die Frau trug, hat ihr einigen Schutz'gewährt. Sie kommt mit wenigen leichten Wunden davon, deren Schmerz mit kaltem Wasser und Thoncrde gelindert wird. Endlich erreicht die Schaar der Jäger und der Frauen die Höhle, und man bereitet die Abendmahlzeit. Hin und wieder hört man vor der vom Lichtschein des Feuers beleuchteten Höhle Gebrüll: fürchterliche Schalten ziehen vorüber — das sind die Hyänen und Wölfe, die draußen lauern und den Menschen ihr Mahl beneiden. Ein Thier, das sich zu nahe heranwagt, wird durch einen flammenden Holzscheit in die Flucht gejagt, wenn cs nicht durch einen wohlgezielten Spccrwurs tobt zur Erde gestreckt wird. Um solche Zudringlichkeiten abzuwehren, wird ein großer Stein vor die Höhle gewälzt und die Männer sehen ihre Mahlzeit fort. Wenn sie ihren Hunger gestillt haben, legen sie sich zum Schlafen hin. und nun machen sich die Frauen ihrerseits über die übrig geblie- .denen Fleischstückt her. und bald hört man nur noch das schwere Athmen der menschlichen Bande unter dem Steingewölbe der Höhle.- Der Rabbi stellte das Buch wieder in das Gefach und sprach: __ «Run. mein lieber Sohn, wollen wir einmal sehen, was die Juden um dieselbe Zeit getrieben haben: Herausgcgangen aus der egyptifchen Gußform, führte sie Moses an den Fuß des Berges Sinai und gab ihnen in höherem Aufträge hier allerhand Gesetze. Und was lehrten diese Gesetze? Die Gleichheit aller Menschen. Die Rechte der Armen, der Wittwen. der Waisen, der Fremdlinge. Ja selbst für den Sklaven ist eine weit humanere Behandlung vorgeschrieben, als daS Staatsgesetz in den zivilisirtcn Ländern heutzutage zum Schutze der Arbeiter erläßt.- - Und der Rabbi erklärte ihm dann in höherer Begeisterung die Rechte des Taglöhners, des Miethlings. iwiuüiyi wstmayug1i uhuw

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