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Der Israelit · 1902-01-06 · Heft 2 (6.1.1902) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 2 (6.1.1902)
Date
1902-01-06
Page
– (sequence 24)
Language
German
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uns so lanae gefehlt hat und das UNS durch die Bilder und Dichtungen unserer Künstler wiedergegeben werden soll. Nur ganze Menschen können ganze Juden sein, die würdig sind, eine eigene Heimath sich zu verschaffen. ' Aber noch mehr, sie ist auch ein Erzieher zum wahren Iudcnthum. kleine Sprache ist so eindringlich, wie die Sprache der Kunst, leine kann so offenbaren, was das Leben ist und was das Wahre ist. Sie würde eine Sünderin des auferstandenen Judenthums »verden. sie n-ird alle schlummernden Herzen ergreifen, und wie ein Sturmwind in sie hineintragen das Lied vom werdenden Zionismus. «Beifall.) Sie würde uns selbst erziehen. denn die tiefsten Geheimnisse unseres Volkes «verden in ihr offenbar «verden und leuchten mit dem Glanze des ewigen Lebens. Wir werden sie anschaüen und uns erkennen und unsere Hciligthümer verehren. Eine wunderbare Vertiefung und Verinnerlichung erwarte ich von der jüdischen Kunst. liegen diese Kunst, die uns so viel werden kann, haben wir grosse Pflichten. Bon diesen will ich noch sprechen. Unsere Pflichten sind doppelter Art. Erstens die Sammlung historischer Kunstmaler, die an die jüdische.Kunst erinnern, und die wichtigere, die Hebung und Pflege der gegenwärtigen neuen Kunst, die Vermittlung zwischen den Künstlern und dem Volke und die ästhetische Erziehung des Volkes. Mit dem ersten Punkte wurde bereits begonnen, aber ohne Einheitlichkeit und Plan und der Idee der Entwicklung. Ueber die jüdische Musik kann ich nur Weniges sagen, ich muss mich darauf beschränken, sie zu lieben.. Die alte jüdische Musik hat zlvei Erscheinungsformen, die synagogale Melodie und das Volkslied. Gerade in dem letzteren, in dem sich der naive Sinn des Volkes am meisten ausspricht, macht sich, das was jüdische Musil ist. am meisten geltend. Unser Volk ist ein singendes und musicirendes Volk. Es giebt Gegenden, wo man aus der Zahl der Geigen, die in den Zimmern hängen, die Zahl der männlichen Angehörigen erkennen kann. Ue.berall.-rn Haus und Schule, daheim und auf der Strasse mischt sich ein Gesang in den Gang der Stunde. Die Musik ist eine wirkliche Volkskunst, diese würde zu entwickeln und namentlich in das jüdische Haus hineinzutragen sein. In diesem Sinne wäre eine Sammlung jüdisckier Melodien anzulegen. Die bildende Kunst war bis auf unsere Zeit nur andeutungsweise entwickelt; erst vor einigen Jahren wurde eine systematische Sammlung angelegt. Erst in unseren Tagen ist die bildende Kunst mit ungeahnten Kräften ausgeblüht. Unser Blut, ' das so Klange lebensfindlich in unseren Adern geflossen, erzeugte Miasfend« Künstler, diese wandten sich dem Schicksal ihres Volkes zu und sprachen in ihren Schöpfungen die Seele ihres Stammes aus. Der Redner nennt die Namen der bedeutendsten jüdischen Künstler, wie Josef Israel. Gottlieb. Lener. Ury. Jehuda Epstein. den als Delegirten amvesenden L i l i e n, die von der Versammlung laut beklatscht «verden. Wir wollen in den grösseren Städten Ausstellungen jüdischer Kunst veranstalten; überall, wo Neigung vorhanden, soll ein Verlag oder eine Betriebsstelle für jüdische Künstler entstehen; die jüdischen Künstler sollen durch eine Genossenschaft wirthschaftlich organisirt werden. Nichts hat mich so stark und zauberhaft bewegt, wie die Erneuerung der jüdischen Dichtkunst; nichts hat mir so vor Augen geführt, dass uns ein neues Land geschenkt, eine neue Kraft geboren und eine neue Stimme geschenkt ist. Die Volksdichtung der Volkslieder war lange Zeit die Form, in der sich der jüdische Genius am unmittelbarsten äusserte. In seiner schlichten, kargen Art ist es ein vollwerthiges Zeugniss des Innenlebens einer 'Nation. Erst vor Kurzem haben wir die erste mupergiltige Sammlung jüdischer Vollslieder ans Russland erhalten, die ein überaus wcrthvolles Material bietet. Der Redner wies dann auf die moderne Kunst» dichtung hin. die sich in zwei Richtungen spaltet, eine, die dem Leben üch abkchrt und eine, die demselben sich zuwendet. Unter den genannten Dichtern wurde besonders Israel Zangwill, der ebenfalls als Delegierter sich in der Versammlung befand, eine begeisterte Ovation vom Kongresse zu Theil. Der Referent schlug das Ausschreibung von Preisen für dichterische Werke. Veranstaltung von Vorlesungen aus jüdischen Dichtern, aus dem sich eine jüdische Bühne entwickeln soll und vor allem die Gründung eines modernen jüdischen Verlages vor. auf welchen im Hause eine Subskription eröffnet wird. Nach Vornahme von Wahlen in den BankauS-. schuss und das Colonialkomitee wird die Sitzung um 4* ü Uhr geschlossen. ((fortKtnmg fol^t in nSdifter 'J'ummcr.) Zeitungsnachrichten und tLorrespondenzen. Deutschland. Breslau. (60jähriges Lehrer-Jussil ä u m.) Ein seltenes Jubiläum feiert am 1. Januar 1902 Herr Rabbiner Dr. P. Neustadt in Breslau, der Dirigent der hebräischen Unterrichtsanstalt. An diesem Tage werden es 60 Jahre, dass Herr Dr. Neustadt in das Lehramt eingetreten ist. nachdem er am 27. Dezember 1841 seine Staatsprüfung abgelegt hatte. Ein Komitee von Freunden und ehemaligen Schülern gedenkt dem greisen Jubilar an seinem Ehrentage einen Jubelfond zu überreichen. BerannvorUirdr «He&action* £*hmautt iu Mainz. — Expedition »OwiU'Üf. cduntitrage «Rr. * SRainx. Truck und Verlag der 2 oh. Wirth scheu Hvsduchdruckcrei Actieu-GeseUschafr in Mainz.

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