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Der Israelit · 1902-01-06 · Heft 2 (6.1.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 2 (6.1.1902)
Date
1902-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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35 Hoffnungen, die man nicht fetten im Kreis der Missionsfreundc auf diese Bewegung setzt, und erörterte die Frage. was die Mission gegenüber den neuen Aufgaben m thun habe, welche der Zionismus ihr stellt. Leine Ausführungen gipfelten in folgenden Leitsätzen Der Zionismus ist in seiner Entstehung wie seinem Wesen nach eine rein diesseitige, leine religiöse Bewegung. ..Der Zonismus kann demzufolge auch nicht die Belehrung Israels fördern, eher noch hält er sie auf.* 9 t tt .111 * t * «. Johann Friedlich Schulze. Eine Ersähl-iug aus -er Gegenwart. r*J lNachdru»r ve« boten. Mit Josephs Eharatter war in der kurzen Zeit, dass er vom Maurergesellen zum Sohne eines reichen Hauses avancirte, eine merkwürdige Veränderung vorgegangen. Immer mehr trat der anerzogene, vielleicht angeborene Wankelmuth zurück und eine bemerkensivcrthc Heftigkeit und Folgerichtigkeit zeigte sich in allen seinen Handlungen. Desshalb zögerte.er auch so sehr mit der Sache, die er jetzt vorhatte. Nach der heftigen Unterredung mit seinem Vater nahm er sich vor, zu einem Rabbiner zu gehen, diesen in's Vertrauen zu ziehen und dann insgeheim zum Zudcnthume uderzutreten. Er wollte dies aus zlvcierlei Gründen. Zunächst weil die Liebe zu dem so sanften wie energischen Judcnmädchen noch immer lies in seinem Busen glühte — ihre Abneigung gegen einen au» nicht lauterer Absicht Uebergetretenen hoffte er noch immer zu überwinden — und dann, weil er sich als Stammhalter des Hauses Meyer, dessen gegenwärtiger Chef so sehr am Judcnthüme zu hängen schien, dazu verpflichtet hielt, auch dessen Glauben anzunehmen. Dagegen widerstrebte es ihm ausserordentlich. sich einem Glauben zu nähern, der ihm vollkommen unbekannt war und zu dem ihn kein inneres Gefühl irgendwie hinzog. Dem sozialistischen Religionsnihilismus huldigte er ja längst nicht mehr, aber was er von der jüdischen Religion seitlier in Zeitungen und Büchern gelesen, war nicht dazu angethan, Sympathie für den Gl au Kn der Hebräer in ihm zu erwecken. Bor einem Jahre hätte er noch mit demselben leichten Sinn, mit dem er sich für einen anderen ausgab, auch seinen Glauben, seine Anschauungen und noch manches Andere verkauft. Heute war er ein Anderer geworden. Was er als richtig einmal erkannt hatte, daran hing er mit eiserner Zähigkeit. Schliesslich kam er zu dem Entschluss, das Iudenthum einmal näher rennen zu lernen, er konnte ja dann noch immer thun, was ihm beliebte. Die Gelegenheit lvar dazu eben günstig. Die Stadt, in der das Meyer fche Handelshaus sich befand, war zugleich ein weltberühmter Kurort. Daselbst befand sich gerade jetzt ein berühmter ungarischer Rabbiner zur Kur. zu ihm wollte Joseph gehen, ihm seine Herzenssache anvertrauen und von ihm sich über das Judcnthum unterrichten lassen. Bald hatte er sich mit ihm in Verbindung gesetzt, und die erste Unterredung lvar für einen der nächsten Tage bestimmt. Auf dem Balkonzimmer des Hotels zur Krone in W. fassen Joseph und der Rabbi. Seit einer Stunde bereits lauschte der Rabbi mit gespanntester Aufmerksamkeit den Worten des jungen Meyer, der diesem seine Lebensgcschichte. ebenso wie die Geschichte seiner inneren , Eutwictclung mit lebhaften Farben schilderte. Rabbi Baruch Silberstein. Rabbiner in einer kleinen. Stadt in Angarn, war ein in jeder Beziehung merkwürdiger Mann. Ein grosser Dalmudgelehrter. ein scharfer Denker und dabei ein modern gebildeter Mensch, wie sie unter den berufenen Professoren selbst nur selten zu finden waren. Kein moderner Schriftsteller von Bedeutung, lein moderner Philosoph, der auf die Geistesrichtung feiner Mitwelt Einfluss gewonnen. kein neuer Historiker mit seinen oft eigenartigen Auffassungen war ihm fremd, aber die Kenntniss aller dieser neuen Geister und ihrer Richtungen haben nur dazu beigetragen. ihn in seinem unerschütterlichen Glauben und in seiner heissen Liebe zu dem Worte Gottes zu stärken und zu kräftigen. Er war der geeignete Mann. der einem jungen Nichtjuden gegenüber, dessen Kops erfüllt war von den durch die Tagesblatter i« die weitesten Kreise getragenen religionsseindlichen Ideen, die Erhabenheit unserer Lehre in das rechte Licht zu rürlen. Besonders in dem Kopfe unseres Joseph schwirrten noch allerhand Gedanken und Anschauungen, die durch sein Vorleben und den Kreis, in dem er sich bewegte. hervoraerusen nnd bedingt waren. Marx, Lasalle. Bebel, der „Vorwärts" und andere sozialistischen Blätter, das war dir gcistiqe Kost, von der-Joseph in seinem Jünglingsalter lebte. Die Juden Hatte er innner als eine mindcrwcrthige Rasse angesehen, zwar glaubte er nicht an Ritualmorde und , Hostienschandüngen, aber er sagte sich, dass ein ganzes Volk nicht' ohne Grund so hartnäckig und andauernd durch dir Jahrtausende der Geschichte verfolgt würde, wenn nicht der Grund in seiner eigenen Inferiorität liegen würde. Eine der ersten Fragen, die er desshalb an den Rabbi richtete, war die. was es eigentlich sei. das die anderen Rationen den Inden nicht verzeihen könnten. Er verlangte aber von dem Rabbi eine Antwort, dir diese Frage auf natürlichem Wege erklären solle, mit einer Antwort, die diese Thatsache einfach als den Villen Gottes hinstrlle, sei ihm zunächst nicht gedient, möglich, dass er sich später davon überzeuge! Jetzt aber wolle er einmal die empirischen Gründe dafür hören. (Fortsetzung folgt.)

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