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Der Israelit · 1902-01-02 · Heft 1 (2.1.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
– (sequence 25)
Language
German
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43. Jahrgang. V ■ Iweite Meilage zu Ml des „Israelit". Leitenver Arttke». rtöuiicr ^irniifcnfonpi i» ZOi. Erster Tag: Donnerstag, 26. Dezember. — Beginn der Sitzung 16'/. Uhr. Anwesend 278 Delegierte und über 700 Gäste. An den Jorrrnalistentischen über 80 Journalisten. Tie Rede Tr. H erzl's. die den Kongreß einleitete. ist bereits in den Händen des Lesers. Die wurde, wie alle großen Neben H., die dem Kongresse Ausschluß ertheilen über die erreichten Erfolge und die kommenden Ausgaben, mit großer Ausmerlsamleit ausgenommen und oft oon großem Beifall unterbrochen, der sich am Ende zur begeisterten Kundgebung steigerte. Herz! spricht äußerst ruhig, aber mit Nachdruck. inhaltlich immer reservirt. lübl und diplomatisch. Diesen Eharatter trägt besonders der Passus. der sich mit H.'s Empfang beim Sultan beschäftigt: die Stelle in ihrer vielsagenden Unbestimmtheit, die größten Hoffnungen Raum gibt, formell sich aber davon fernhält, bestimmte Versprechungen zu machen, mußte jedem diplomatisch geschulten Staatsmanne zur Ehre gereichen. Es erfolgte darauf die Wahl des Legitimationsausschussc» zu?Prünmg der Wahlen und die Bestellung desKongreßburcaus: Präsidenten und Vizepräsidenten: Dr. Herzl. Tr. Nordau, Tschlenow. Dr. Gaster: da der letztere am Erscheinen verhindert ist. wird Dir Francis Monresiore an seine Stelle gewählt. Unter Erheben von ihren Sitzen nimmt die Versammlung die Mirrheilungen über das Ableben angesehener Zionisten entgegen. Ten Rechenschattsverichr des Ä'tionslomitees ersianet O. Marmore! (Wien). Er lautet: Tie Erinnerung steigt in uns auf an den einen Kongreß. Nur wenig rncbr als vier Jahre sin'', vergangen. ein Zeitraum, der in der Geschichte des Voltes ein rr-!ni mabriss. welcher Unterschied zeigt sich! Vor fünf Jahren ein rolltühnes Wagniß. ist der Kongreß eine tief eingelebte Jnstirution geworden, deren Fehlen nicht bloß eine Liicte im zionistischen Lager hintcrlassen. sondern in der ganzen Judenheil empfunden würde7 denn er genießr das Vertrauen der ganzen Judenheit. er erfüllt die Träume aller jüdischen Hoffnungen und Wünsche und von ihm gehen die fruchtbaren Keime ans. _ Tie schlimmen Propheten, an denen cs uns auf unserem, dornenvollen Wege nicht gekehlt hat. haben diesem Kongreß unter anderem auch wegen der Ungunst der Jahreszeit einen sehr schwachen Besuch vorausgesagt. Sie haben sich wieder einmal in der Kcnntniß unserer Gesinnungsgenossen.!m Glauben an die Opferfreudigteit gründlich getäuscht. Es gereicht mir daher zur doppelten Freude, über die ^Fortschritte der Bewegung und über die Thärigteit des Aktionskomitees" seit dem letzten Kongresse Bericht zu erstatten. Tie Ziffern und Zahlen tönnen lein richtiges Bild der Bewegung geben: denn nur ein Bruchthei! der Zionisten ist organisirt. Millionen verfolgen mit ihren Hoffnungen unsere Bestrebungen, ohne aktive Theilnehmcr unserer Bewegung zu sein. Darauf kommt es auch nicht an, sondern auf die Ausbreitung des Bolksöewußtseins. das die Nothwendigkeit der Selbsthilfe anerkennt, und nach dieser Richtung hin können wir jedesmal das stetige Wachsthüm unserer Bewegung konstanten. Wo es nur Juden gibt, wenn sie auch noch so weithin versprengt sind, wirkt die zionistische Idee werb-nd und packend. Charakteristisch dafür ist der Brief, den Dr. Nordau aus Amazonas in Brasilien erhielt. Das Land ist weit vom atlantischen Ozean entfernt, ohne die geringste Fühlung mst Europa, von . Steppen und Urwäldern durchzogen, von nur wenigen Europäern und darunter sehr wenig Juden bewohnt. In diese Gegend kam durch eine brasilanischc Zeitung die Kunde vom Zionismus, und dies genügt, die dortigen Juden zur hehren Begeisterung zu entflammen, sie erkennen darin die gemeinsame Voll-fache und schicken Frs. für die nationale Sache. (Beifall.) Dieser Brief in geeignet, unsere Zuversicht auf's Neue zu stärken. Aber diese Kundgebung ist nickt vereinzelt. Aus Chile erhielten wir die Kunde. das; dort ein zionistischer Verein in der Bildung begriffen ist. ein anderer Bruchtheil unseres Volkes iti Persien, welcher vor hundert Jahren gezwungen wurde, sich zum Islam zu bekehren. hat in einer Zuschrift seinen Hoffnungen rührenden Ausdruck gegeben. (Beifall.) Auch in anderen Ländern breitet sich das Verständnis: für den Zionismus in erfreulicher Weise aus: in Australien entstand eine zionistische Organisation, in Hiurcrindien. iu Rangun, in Borneo. Sidney. Perth in Sibirien. In Sibirien ist der Zionismus stark angewachsen, als die Selbstständigmachung der sibirischen Zionisten angeregt wurde, ebenso die Gründung einer wit:cl asiatischen Vereinigung. Mit besonderer Genngrhuring können wir in unserer Mitte einen sibirischen Delegierten begrüßen, der die Beschwerden einer achtrchntägigen Winterreise nicht gescheut, um uns die Zustimmung seiner Mitbürger zu bringen. (Beifall.) . In Nordamerika nimmt der Zionismus an Zahl und Bedeutung zu. den Federations gliedern sich neue Ortsgruppen an. Wie intensiv der Zionismus in das Bewußtsein der Juden übcrgegangen ist. darauf wirft die Thalsache ein Streiflicht, daß jüdisch-amerikanische Soldaten auf den Philippinnen Ortsgruppen gebildet haben. In Kanada ist fast die ganze Judenheit zionistisch gesinnt; die einaewanderten rumänischen Juden Hecken,

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