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Der Israelit · 1902-01-02 · Heft 1 (2.1.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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mm -VUL ötthodoxe MuderrthumW >;<- A.HO N.O'-Tpj] a» Kr. i l«r. 1. 3dii:l902.] WM Mbräve. RNeives Raters erste Do» Tz. Af;a. (Entnommen dem in Warschau erscheinenden Lieber setzt von Alalwim Mumverg. Mein Vater weinte... In seinen sinnenden Augen erglänzte eine Thräne, sie rollte seine Wangen entlang und verschwand in den Wellen seines dichten, langen Bartes. Mein Vater weinte. Hätte meine Mutter geiveint, so würde dies keinen solchen Eindruck auf mich gemacht haben, war ich doch an ihr unaufhörliches Klagen und Jammern von jeher gewöhnt. Aber der Vater. das war etwas Anderes. Der weinte nie! Nicht einmal, als man mein jüngeres Schwesterchen zu Grabe trug. Ich erinnere mich ihrer so genau, als lebte sie noch. Zart war sie, aber schön! ein wahrhaftes Königslind! Ihre Augen waren so gut und glänzend, daß mich manchmal die Lust anwandelte, sie auszustcchen, um mit ihnen, wie mit Glaskugeln zu spielen. Plötzlich erlranlte sie und starb. Da liegt der kleine Körper auf der Erde, mit einem schwarzen Tuche bedeckt; zu Häupten brennen zlvei Kerzen. und daneben sitzt meine Mutter, schlägt sich mit beiden Fäusten an den Kopf und jammert laut. Alles im Zimmer weint. Die Nachbarinnen weinen, ich weine mit ihnen, und mein jüngstes Brüderchen in der Wiege fängt ebenfalls laut zu weinen an. wahrscheinlich vor Hunger. Nur mein Vater durchmißt mit großen Schritten das Zimmer, bald der Länge, bald der Breite nach, nagt an den Spitzen seines dichten Bartes, wischt sich geräuschvoll die Nase, aber er weint nicht; keine einzige Thräne entquillt seinen Augen. Einmal nur hat er geweint. Und das will ich eben erzählen. Mein Bater beschäftigt.sich nicht mit dem Handel. Er verbringt die Tage im Beth -ha - Midrasch, und meine Mutter erarbeitet Alles, dessen wir zum Leben bedürfen. Im Lause des verflossenen Winters zog sich meine Mutter eine Erkältung zu und erkrankte schwer. Seit längerer Zeit schon kann sie das Bett nicht verlassen, und schickt mich, ihre Ausstände einzukassiren. Mein Vater ist unzufrieden, daß meine Studien eine Unterbrechung erfahren. Eines Tages, als ich aus dem Eheder heimkomme, bemerke ich. daß in dem Glasschränkchen zwei silberne Leuchter fehlen. Ich schtveige jedoch mäuschenstill. Einige Tage später sehe ich. daß zwei kupferne Ka Gerollen von der Wand, an der sie hingen, verschlvunden sind'. Ich halte Umschau, ob man ihnen keinen anderen Platz angewiesen, aber nein! sie sind nicht da. Ich sage kein Wort. Und als ich wieder einmal nach Hause komme, bemerke ich sofort das Fehlen des messingenen Sabbatleuchters. der in der Mitte der Zimmerdecke befestigt war. Da wird mir schrecklich traurig zu Muth. und. am liebsten hält' ich laut aufgeschluchzt. Denn dieser Kronleuchter tvar gleichsam ein Mitglied unserer Familie. So tveit ich zurückdenken kann, blickte er von oben herab, und nahm Theil, wenngleich schweigend, sowohl an Freud wie an Leid. Und plötzlich ist er nicht da! Der treue Freund ist fort und wird nie mehr wiederkehren!

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