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Der Israelit · 1902-01-02 · Heft 1 (2.1.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ßenkrak-Hrgan für bas orthodore ZudenLhum. 43« Jahrgang. Begründet von vr. Zkshrnsnn lä Vr«4nz. Donnerstag, den 2. Januar 5662 (1902). Geltender Art Hel- -SE- Rückblick. ►®8*~ Mainz, 1. Januar. Ein Blick auf das abgelaufenc Kalenderjahr weist für die äußere Stellung des Judenthums und der Judenheit nur wenige hervorragende Geschehnisse auf. In sozialer und politischer Hinsicht haben sich die bestehenden Verhältnisse in den verschiedenen Ländern wenig oder gar nicht für die äußere Wahrnehmung geändert. ' InEngland. um unseren Rückblick mit dem Westen Europas zu beginnen, wird die öffentliche Aufmerksamkeit noch immer durch den südafrikanischen Krieg in einer Weise in Anspruch genommen, daß alle anderen Anliegen davor zurücktreten. Selbst der dort erfolgte Thronwechsel hat unter diesem Umstande zu leiden gehabt. In Wirklichkeit hatte auch dieser Wechsel keinerlei politische Aenderung zur Folge, so wenig für die britische Monarchie als für deren jüdischen Einwohner. Wie die verstorbene Königin Viktoria in der langen. 3cit »hres glorreichen Lebens Ihre Sumpaihien für die Juden Großbritaniens wiederholt in herzerhebender Weise bethatigte. so gilt dies auch von ihrem Sohne und Nachfolger König Eduard VH. Die fortschreitende Sanirung des republikanischen Regimes in Frankreich bedeutet eine ebenso freudige Einlenkung in die Bahnen wahrer Freiheit und Gleichheit auch den Juden aegenübcr. Es ist ungemein charäktcristisch. daß die Gegner der französischen Republik auch die Gegner der Juden sind. Die fortschreitenden Siege der französischen Regierung über ihre inneren Feinde stellen ebenso viele Niederlagen der zudenfeindlichen Parteien dar. Wird die Republik sich auch in Zukunft in der bisherigen Weise weiter entwickeln. so wird der Patriotismus der französischen Juden darin die schönste Genugihuung für alle Unbilden und schmerzliche Erlebnisse erblicken, die ihnen die jüngsten Jahre gebracht hatten. Man wird dort nicht so leicht vergessen, daß ein Jude es war, durch welchen die Gefahren blosgelegt wurden, tvelche die Existenz der französischen Republik bedrohten. Auf den JsraelUcn der Schweiz lastet seit nun neun Jahren das Schächtverbot, ohne daß bis jetzt eine Aussicht auf Beseitigung desselben vorhanden ist. Tie Zahl der Israeliten in der Schweiz, die in der vorjüngsten Volkszählung ca. 8000 betrug, beläuft sich nach der jüngsten Volkszählung auf mehr als 12000. Dieses Plus von ca. 50 pCt. zeugt dafür, daß auch in unserer Zeit Rechtsbeschrankung kein Mittel ist. um die Zahl der Juden zu reduciren. Das £ *r.x t»» itrxr pr* ps rer unserer Sidra scheint noch feine Geltung zu haben. In Oesterreich waren es die unter akuter Schärfe im abgelaufenen Jahre hervorgetretenen Gegensätze zwischen den verschiedenen Sprachen und Völkern dieses großen Reiches, welche in erster Reihe alles politische Jniereiie fesselten/ Wenn die judenfeindlickren Parteien auch keinen Anlaß vorüber gehen lassen ohne das Judenthum und seine Bekenner in der öffentlichen Meinung herabzmvürdigen, so ist man die Tiraden doch bereits so gewohnt und diejenigen, .welche sie ansiimmen, haben so viel Anlaß vor der eigenen Thüre zu kehren, daß ihre Angriffe auf die Juden keinen nachhaltigen Eindruck machen. Die Juden sind das verbindende Element in meinen S t a a t e n" hat der Kaiser von Oesterreich schon vor vielen Jahren gesagt und dieses Wort bewährt sich gerade in unseren Tagen auch in dem Sinne, daß die jüdischen Einwohner, wie sie auch auf die speziellen Interessen ihres Landes bedacht sein mögen, dennoch in treuer Liebe und Hingebung zu Kaiser und Reich stehen. In Rußland und ebenso in Rumänien wird den Juden die Möglichkeit zu leben und ihre Kräfte zu entfalten durch vielfache Verkümmerung ihrer primitivsten Menschenrechte erschwert. Das abgelaufene

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