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Der Israelit · 1887-12-22 · Heft 99 (22.12.1887) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 99 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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IM,T1"inT«irBmip 1776 ständiger Mensch kann solche Vorkommnisse gut heißen; auch die Antisemiten haben ein Recht, wie jede andere Partei Versammlungen abzrrhalten, erklärte jüngst ein Reformer. Vor längerer Zeit hielt ein Prediger aus Taucha, einer bei Leipzig gelegenen Kleinstadt, einen Vortrag über die soziale Frage. Ter geistliche Redner war in der Thal arg getäuscht worden, er konnte seinen Vortrag, der wirklich viele gute und entschieden nochwendige Leiten des Lebens richtig beleuchtete, nicht vollenden, ohne fortwährend gestört zu werden. Es soll an dieser Stelle nicht erwähnt werden, welch' eine Niederlage der Prediger erlitt. — So hat eS denn der Reform-Verein vorgezogen, seine Versammlungen, wo antisemitische Sterne leuchten, d. h. die alten Lieder und Märchen singen, nur im Kreise von Gesinnungsgenossen und Gönnern zu wirken, und dieser Kreis ist schon enge geworden. Freilich wüchct man darüber, daß die höchsten Kresse unserer Stadt sich ausschlicßen und nicht an der Bewegung thcilnehmen; wohl aber gibt cs immer noch Leute, die selbst erhebliche Opfer nicht scheuen und das Geld für die „Aufklärungsarbeit" beschaffen.*) Karl Wiesenthal. Türkei. 5ro»ftantinopel. (Schluß.) Die Mamini vcrhcirathen sich nur untereinander, damit sie keinem Fremden Zutritt zu ihren mysteriösen Zusammenkünften gewähren sollen mühen. Beschneiden nun die Mohamcdaner ihre Söhne erst mit ihrem 13. Lebensjahre, so wie cS einst der Patriarch Abraham mit seinem Sohne Ismael that, so lagen die Mamini diese Ccrcuwnie an ihren Söhnen schon am achten Tage nach der Geburt vollziehen und berufen sic sich dabei auf den Stammvater Isak, an jdcm gleichfalls nach ackt Tagen schon dieses göttliche Gebot vollzogen wurde. Tic Muftis (hohe nwhamedanifche Priester) von Salomchi haben daher schon oft Schritte bei der Hohen Pforte gcrhan, damit sie die Mamini zwinge, die Bcschncidung gleich den übrigen Moslims erst mit dem!3. Lebensjahre zu vollziehen; sie wurden jedoch mit ihrem Ansinnen stets zurückgewiefen, da die Mamini die heilige Schrift auf ihrer Seite Haben. Einige Tage nach der Bcschncidung wird das Kind dann gebadet, wobei sogleich ihr Priester die Taufe an demselben heimlich ^vollzieht. Der Neugeborene gehört somit •) ift gtwiß Mannt grwvrden, daß hier in üudtlitnchrn tkrnsrn gteiliifaUS antisnniiüör «^ciinnungkn vorrrirgrnL sind; ich erklärt esi O'tunb genauester Ombrunjfn, daß diese «Gerüchte übertriebe» sind, daß tt sogar in vielen Verbindungen Jude» gibt. von scyt an gcsesmäßkg dem Iudenthnrne, dem Ehristenchume und dem Islam gleichmäßig an. Indcß hat cS mit der Taufe bei ihnen keine Eile und viele Mamini lasse» die Eeremonie an dem Kinde erst, wenn dasselbe das siebente oder das zehnte Lebensjahr erreicht bat, vornehmen. Sie weifen dabei auf den Stifter des christlichen Glaubens hin, der erst im Mannesalrer die Taufe enipfing. In neuester Zeit lassen die Mamini ganz fo wie unsere vornehmen christlichen Familien das zur Taufe nothige Wasser ans dem Jordan holen. Dem Neugeborenen wird zwar ganz so wie bei den Israeliten gleich bei der Bcschncidung ein Name gegeben und zwar immer von dem Ehodsche (Lehrer), der da« ei zugleich die drei ersten Finger seiner beiden Hände als das Symbol der Trciciuigkeit segnend auf das Haupt des Kindes legt, doch wird die Narnensertheilung später bei der Taufe wiederholt. Nebcrhaupt spielt die Dreieinigkeit bei dcnManini noch heute, selbstverständlich immer nur im Geheimen, eine große Sbfle und suchen sie dieselbe auf jede nur mögliche Weise und bei jeder Gelegenheit durch besondere Symbole zum Ausdrucke zu bringen. Auch für die Mutter des Stifters des christlichen Glaubens hegen sie im Verborgenen eine große Verehrung, ganz so wie einst ihre Ahnen, die Schüler Sabbatai Zewi's, die daraus ervicht waren, aus einigen dunklen Stellen in den Werken der großen Kabbalisten die hohe Mission dieser Frau nachzuwcisen. Das Wort jctchcs in diesen Schriften diente ihnen dabei immer zum Ausgangspunkt für ihre Behauptung. Dabei vergessen sie auch nicht, auch der Murrer Äohamcd's, Amena (dieselbe war bekanntlich eine Jüdin und einer ihrer Oheime, Warka, bekleidete die Stelle eines Hasans in Mekka) in Ehren zu gedenken. Auch unternehmen sie gewissenhaft die den Moslims vorgcfchriebene Wallfahrt nach Mekka, thcils, um zu zeigen, daß sie wirkliche Mohamcdaner sind, rheils aber auch in Erinnerung an den Sohn Sabbatai Zewi's, Jakob Zewi, der gleichfalls nach dieser Stadt prlgene, aber aus der Rückkehr von dort nach Alexandrien starb und dort auch begraben wurde. Ja Mekka wohnen sie stets in einem besondcrn Quartiere, um so durch ihre mysteriösen Ecrcmomcn nicht verrarhen zu werden. Ta in dieser Stadt während derWaüfahrtszeit gewöhnlich an 100.000 bis 200,000 Pilger zufammenzuströmcn pflegen, so schenkt man dort dem kleinen Häuflein der Mamini gar keine Aufmerksamkeit so daß sie ganz ungestört bleiben. Tie Frauen der Mamini, die gleich den Türkinnen stets tief verschleiert gehen, hegen im Sülle»

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