Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 98 (19.12.1887)
- Date
- 1887-12-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1749 Spitzbuben wie die Juden!* Zeuge hat früher mit den Dorfbewohnern stets in Frieden gelebt und nur die Hetzereien der Szaböianer seien an den Wirren schuld gewesen. Soweit die Zeitungsberichte. Budapest, 18. Nov. Gegen den Sommcrciner antisemitischen Abgeordneten, Pfarrer Kudlik, wurde wegen einer aufreizenden Predigt das Strafverfahren eingeleitet. Mim Are Kerrin von ZittawiH. XIV. Wenige Stunden nach den erzählten Ereignissen brachte der Gerichtsvollzieher die Kündigung des Pachtvertrags. „Vater," sagte Ahron, „die Baronin hat den ersten Thcil ihrer Drohung bereits ausgesührt. Wenn sie Nahel gewaltsam aufs Schloß schleppen läßt ... ." „„Beruhige Dich, mein Sohn, wir leben in einem Rcchtsstaate, und die Baronin darf und kann keine Gewalt anwcndcn. Wenn sie auch als Mutter das Recht hat/ ihr .And zu beanspruchen, so muß sie doch erst Nachweisen, daß sic wirklich die Mutter ist. Bis jetzt ist Rahe! noch meine Tochter. Bis die Baronin ein richterliches Unheil erwirkt, darüber können noch Wochen hingehen. Nnterdcß wird Rahe! hoffentlich wieder stark und kräftig sein."" ,Zch will mit ihr in's Ausland fliehen, nach Amerika, wenn cs sein muß." „„Nun, darüber können wir noch reden. Vorläufig hat die Sache keine Eile, und wir können noch ruhig dem Verlauf der Tinge abwartcu."" Wochen vergingen. Nahe! war längst wieder hergestellt; allein die Baronin hatte keinerlei Schritte gethan, ihre Mutterrcchte geltend zu machen und ihre Tochter deren Pflegeelrcrn gewaltsam zu entreißen. In großer Aufregung war an jenem Tage die Baronin nach Hause gekommen und harte sofort den Lbcranitmaun der gräflich Topolski'schcn Güter beauftragt, dem Gutspächter Moses Krakauer zu kündigen. Nachdem sie dieses gethan, Hane sich ihr Zorn ein wenig gelegt. Als der Lbcramtmann sich entfernt hat, sank sie erschöpft in einen Sessel und hielt beide Hände vor das Gesicht. Thronen entströmten ihren Augen. Sie hatte es sich so schön ausgemalt, wie beglückt ihre Tochter durch ihre Liebe und durch die glänzenden Aussichten auf Reichthum und hohen Rang fein würde. Stickt dessen war sie auf heftigen Widerstand gestoßen. Man verschmähte ihre Liebe, man schätzte ihren Rcichlhum gering! Sollte sie trotzdem das undankbare Geschöpf — so nannte sie Rahel in ihren Gedanken — gewaltsam in ihre Nähe bringen? Würde sie nicht statt Liebe und Dankbarkeit zu ernten, Kummer und Verdruß in Hülle und Fülle sich dadurch zuziehcn? Zudem wäre es grausam gewesen, das Leben des jungen Mädchens auf das Spiel zu setzen. „Tu hast Deine Pflicht gethan," sagte die Baronin zu sich selbst. „Du Haft Deine Tochter öffentlich anerkannt und Deine Jugendsünde soweit als möglich sühnen wollen. Will jedoch das Mädchen durchaus ein Judcnwcib werden, verschmäht cs meine Güte und Liebe, so bin auch ich meiner Verpflichtung ihm gegenüber los und ledig. Jedenfalls will ich nichts übereilen. Warten wir ab, wie die Tinge sich gestalten werden. Vielleicht kehrt sie freiwillig zu mir zurück. Ach, ich fiihle unch so einsam und verlassen!" Tie Baronin war aufgestanden und durchnraß mit raschen Schritte» ihr Boudoir. Vor einem großen Spiegel blieb sie stehen. „Heute," sagte sie, sich im Spiegel betrachtend, „sehe ich müde und abgespannt aus. Meine Augen sind trübe von vielem Weinem. Aber ich werde mich wieder erholen; ich bin noch nicht alt. In der Mitte der dreißiger Jahre pflegen andere Frauen auf die höchste Stufe der Schönheit zu gelangen. Ich will nicht einsam und verlassen bleiben. Ich will mich erholen und für meine äußere Erscheinung Sorge tragen; auch das fürstliche Vermögen, über das ich gebiete, wird mich begehrcnswerth erscheinen lassen. Wohlan, ich werde mich bemühen, das Judenmädchcn zu vergessen, das meine Tochter nicht sein wA. Bei einer neuen Verbindung würde es mir nur im Wege sein." Tie Baronin führte ihren Entschluß aus. Sie sing au, den größten Werth auf ihre äußere Erscheinung zu legen. Gern hätte sie den Winter in Wien verbracht; doch die Rücksicht auf die doppelte Trauer, in der sie sich befand, ließ das nicht thunlich erscheinen. Dagegen verkehrte sie viel mit den benachbarten Adelsfamilien. Zum Wcihnachtsfeste erhielt sie eine Einladung, die Feiertage auf dem Gute des Fürsten Losonski zuzubringen. Auch der