Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 95 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1689 so viel für Preußens Größe gcthan u. s. w. Ich schließe über ihn, indem ich sage: diese Sorte von Antisemitismus kann ich nicht anerkennen; ich sage mich vollkommen und völlig los davon. Ein falscher Antisemitismus schadet dein Ebristcmhum und nützt dem Judenthum. Solche Mitkämpfer kann man nicht brauchen; sie bewirken, daß die Bekämpfung des Judcmhums allen Kredit verliert." Ter Vorsitzende den Antiscmitcnbundcs Eunow-Apollo bat um mildernde Umstände fürBöckcl, die aber Stöcker versagte. Lcsterr. - Ungar. Monarchie. Graz, 27. November. Die steiermärkische Advokatcnkammcr hat in ihrer gestrigen Sitzung über die bekannte Petition der Advokaturs-Kandidaten auf Ausschluß der jüdischen Eoncipienten, verhandelt. In Erledigung derselben unterstützte Herr Uranitsch juu. den Antrag, den Herr Tr. Ern:! R. V. Gabriel, gestellt hat. Derselbe lautet: „Tie Advokatcnkammer von Steiermark geht in der Erwägung, daß alle Staatsbürger vor dem Gesetze gleich sind, in weiterer Erwägung, daß bei der Wahl der Hilfsarbeiter der Kammcrmitglicdcr in erster Linie Kenntnisse und Befähigung, nicht aber Nation und Landsmannschaft maßgebend sind, in weiterer Erwägung, daß das freie SelbstbestimmungSrecht jedes Kammcrmitglicdcs bei Wahl seiner Hilfsarbeiter nicht beschränkt werden darf, in weiterer Erwägung, daß cm Ucbcrwicgcn des jüdischen Einflusses in der steierorärkischc» Advokatcnkammcr nichtzu besorgen ist, und in endlicher Erwägung, daß die Kammer nicht berufen ist, für eine politische Ansicht cinzulreten und dadurch ihre Unbefangenheit gegen alle Kamnicrmktglieder zu beeinträchtigen, über die Petition der Grazer Advokarcnkandidatcn zur Tagcsodnung über." Tiefer Antrag wurde nach cinstündigcr Debatte mit 25 gegen 2 Trimmen abgclchm und folgende von dem Ausschüsse einhellig beantragte Erledigung angenommen: „Zn Erwägung, daß die in der eingcbrachten Petition erwähnten Thatsachcn lY) wesentlich dazu beitragen, das Ansehen und die Stellung des Advokalcnftandcs zu beeinträchtigen, empsiehlt die steiermärkische Advokatcnkammcr diese Petition der Würdigung der Kammcrmitglicdcr, Zugleich spricht dieselbe ihre Befriedigung aus, über daS rege Jnrercsse, welches die Petenten für die Ehre und das Ansehen des Standes bekunden. Ter Ausschuß wird beauftragt, diesen Beschluß sämmrlichcn Kammcrmiigliedern mirzmhcileu." Es isi ein kalter Wind, ein Hauch arger Reaction, welcher durch die deutschen Gauen der Ostmark streicht. Wenigstens hätten die antisemitischen Herren Advokaten jene „Thatsachcn" genauer angeben solle», welche sie zur Grundlage ihres seltsamen Beschlusses gemacht haben, besonders nachdem, wie mau unZ witthcilt, cs in der ganzen Steuer blos zwei oder drei jüdische Eoncipienten gibt!!! Budapest. Anläßlich der ungarischen RekchStagSwahlen erregten die wohl noch in aller Erinnerung befindlichen Gräuel, deren Schauplatz Tuna- Szcrdahcly gewesen, allenthalben Entrüstung. Die Antisemiten jenes Ortes äscherten die Häuser der dortigen Juden ein und brachten Hunderte von Familien dadurch in Roth und Elend. Der gewählte Abgeordnete von Szerdahely, der Budapest» Advocat Ludwig Szabo, harte durch seine fanatische» antisemitischen Hetzreden das Volk auf's Höchste gestachelt, und gegen ihn, der die Leidenschaften geweckt, richtete sich das allgemeine Verdammungsurthcil, ihn machte uran verantwortlich für das schwere Unheil, welches durch die verhetzte Bevölkerung über den Ort herausbeschworcn worden. Sein Gegencandidat, der ungarische IlnivcrsitätSprofessor Julius Sagkni. gab damals gleichfalls unverholcn seiner Indignation über das Vorgehen Szabo's Ausdruck, worauf Letzterer den Erstgenannten zum Duell provociren ließ. In dieser Äffaire veröffentlichen nun die Sccundantcn Saghy's, die Abgeordneten Bein Komjathy und Oskar Jvanka, ein Protokoll, in welchem die Genannten erklären, daß sie auf Grund der in ihren Händen befindlichen Daten Ludwig Szabo nicht für ein Individuum halten, welches ritterliche Genugthuung verlangen oder geben könnte, daß er daher auch keine auf ritterlichem Wege Ahnung erheischende Beleidigung zusügc» könne. Frankreich. Paris. „Arch. Jsr." koustatircn, daß bei dem bekannten OrdcnSschwindel keine Israeliten bcthciligr sind. Nicht soll dies zum Ruhme der Israeliten hervorgchobcn werden, denn es ist weiter Nichts als eine strenge Pflicht, ehrlich zu sein; aber wenigstens ist dieses eine Gelegenheit, den Mund unserer Gegner zu schließen. Welches Geschrei würde sich im antisemitischen Lager erhoben haben, wenn in dieser unsauberen Geschichte, auch JSraelitenverwickelt wären? Biel Lärm hat in der Wilson-Assaire auch die famose Srcucrcntzichuug der Gebr. Dreifuß gcnracht. Obcnbczcichnctcs Blatt thcllt mit, daß die Herren Dreifuß getaufte Juden sind.' Tie Herren Rabbiner Lehmann und Hagenau haben einen viertelstündigen Vortrag über jüdischen Eultus und Moral nach dem Nachmirtaggottesdieoste am Samstag eingerichtet. Ein Witzling hat diesen Vorträgen den Namen „Expreß Deroschcs" gegeben.