Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 94 (5.12.1887)
- Date
- 1887-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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1 1C69 der Stadt entspricht diesem Panorama nicht. Es besteht aus einem unentwirrbarem Straßennetz, ohne Plätze, Promenaden oder einer Spur von Gärten. Außerhalb der Stadtmauer ersteht ein neues Susa, ein europäisches Susa, das der älteren Schwester in Bezug auf Luxus und schöne Bauten bedeutend voraus sein wird. Die Bevölkerung von Susa wird aus 12 oder 1:1000 Seelen geschätzt, und zwar Araber, Juden und Christen. Tic Araber bilden c:t0 der Bevölkerung, die Inden 5;'tu, die Christen ohne das Militär V10. Tie Juden von Susa sind wohlgebaut und über Mittelgröße. Ihre starke Eonstitttlion rührt wahrscheinlich von ihrer Nahrnngsweise der. Hühner nud Kuhfleisch gibt es hier im Ueberfluf}, und vor der französischen Occupatkon standen sic durch ihre Billigkeit einem jeden zu Gebote. Das Lieblingsgericht ist der Kuskupu; gut zubercitet, schmeckt er vorzüglich, ist oder ziemlich theucr, daher ist er ein Sabbats- und Fcstgericht. Die Juden von Susa sind sehr religiös, ihre Arcugiösitäl bcthäligt sich namentlich durch große Wohlrhätigkeit. Diese Wohlrhätigkeit ist in die Sitten cingcdrüngen: sie wird in ausgedehnter Weise geübt. An Purim sicht man hier einerseits die Armen die Sradt durchstreifen, um von Haus zu HauS zu sammeln, und andererseits in jeder wohlhabcnd.ii Wirtschaft Borbercitungen treffen, um dieselben auszuuchmeu und ihnen reiche Gaben zu spenden. Are Kerrin von Jiltawitz. X. Es ffug schon au zu dunkeln, als Rohr! zu ihrem Pater in den Wagen stieg, uni mit ihm nach Hause zu fahren. „Nun." fragte Krakauer, nachdem sie den Schloßhof verlassen hatten, „was hat die Baronin von Dir gewollt?" „„Pater,"" fragte Rahel, anstatt zu antworten, „„wäre cs möglich, daß Tu gestattest, daß eines Deiner Binder verbotene Speisen cffe, den Sabbat entweihe und sich nachher taufen laste?"" „Mädchen, was für tolles Zeug redest Du?" „ „Die Baronin hat mit Bestimmtheit behauptet, daß Du zu allem Dem Deine Zustimmung geben würdest."" „Die arme Frau muß in Folge der großen Unglöcksfälle, die hart nacheinander sie betroffen, den Verstand »verloren haben." „„Nein, sie ist ganz vernünftig."" „Und sie hat Dich dcßhalb rufen lassen, um Dir das zu sagen?" „Das begreife, wer's kann.- „„Nicht wahr, lieber Pater, das ist ja gar nicht möglich, daß Du so etwas geflatteu kannst."" „Gewiß nicht. Aber, jetzt erzähle mir ausführlich, was die Baronin gesagt hat." Und Nahe! erzählte. War Krakauer bisher im Zweifel über die Herkunft Nabels gewesen, jetzt wurde es ihm zur Gewißheit, daß sie die Tochter der Baronin war. Bon Geburt und Herkunft war also Nahe! eine Nichtjüdin. Die Baronin verlangte ihr Kind zurück; er dürft cs ihr nicht weigern, durfte nicht verlangen, daß Rahe! dnn Glaube» trcubleibc, in dem sie war erzogen worden. Und was sollte ans seinem Sohne Ahron werden, der mit heißer Liebe dem Mädchen zngcthanwar? Das Herz Mutete ihm. Dabei band ihn der Schwur; er durfte die Wahrheit nicht enthüllen. „„Und nun, Pater,"" schloß Rahel ihre Erzählung, „„sage morgen der Baronin, daß sie Unmögliches verlange."" „Gewiß, Nlciu liebes Kind," antwortete Krakauer zerstreut. „Der Graf hat mir das Kind geschenkt, cs ist mein Eigenihurn." „ „Was sag» Du? Der Graf hat Dir daS Kind geschenkt? Welcher Graf, welches Kind?"" ..Das Kind sagte ich? Ich habe mich versprochen — das Pachtgnt meinte ich, oder vielmehr den Pachtzins. Ich hatte einmal Gelegenheit, dem seligen Herrn Grasen gefällig zu sein und deßhalb gab er mir das Gut in Pacht um ganz billige» Preis, so gut wie geschenkt. Wenn Du nun de» Wunsch seiner Tochter nicht erfüllst, so wird sie böse ans mich werden und mir die Pachtung entziehen. Aber das macht nichts. Ich habe mir, Gott sei Dank, ein kleines Vermöge» erspart und komme nicht in Verlegenheit; aber wenn auch das nicht märe, wenn ich in Noch und Elend wandern nlüßte, das sollte mich nicht bestimmen, zu gestatten, daß eins meiner Kinder Gottes heilige Gebote übertrete." „,,34 wußte es, daß die Baronin im Irrthume ist."" Sie kamen zu Hause an. Frau Hindcle und ihre Kinder warteten mit Spannung auf Berichte. „Es ist nichrs," sagte Krakauer, „die Baronin hat den lächerlichen Einfall, daß sie Rahe! als Ge-