Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 93 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Schreiben des Herrn Chajim Hirschensohn an die Redaction des in Jerusalem. [Herr Hirschensohn bittet nm die Wiedergabe seines Schreibens in allen jüdischen Zwecken dienenden Blättern, und so erfolgt denn liier — mit Weglassen der kurzen Einleitung — die l'ebertragung desselben, wenn auch aus Mangel an kaum etwas spät, doch keineswegs zu spät, denn das darin Mitgetheilte wird noch nach Jahren und Jahrzehnten für jeden, am Wolil und Weh" des heiligen Landes mit Herz und Seele Theilnehtnenden, und ganz besonders noch für den jüdische Culturgosehichte Schreibenden von Interesse und Bedeutung sein. Aus dem Schreiben H irschensohns ist auch iudirect die grosse Bedeutung unseres Waisenhauses in Jerusalem. (Verwaltungssitz Frankfurt a. M.) für die Hebung der dort viellach noch herrschenden höchst traurigen jüdischen Zustände zu ersehen. Wahrlich, die „Cherem“ - Helden haben gegen ihren Willen — *j-p~ — mit ihrem sinnlosen und religionswidrigen Vorgehen unserer guten und heiligen Sache einen grossen Dienst geleistet, und wer bisher noch irgendwie an der streng religiösen Leitung unserer Anstalt leise Zweifel gehegt, wird sie jetzt vollständig gehoben fühlen, was zu konstatiren mir zu wohlthuender Befriedigung gereicht. — I>r. A. Salven«!!.] Am vergangenen Dienstag — *■",'2**1 — kamen zwei Diener, Mordechai Löh und Barn eh Zeba zu mir und forderten im Namen der im Hause des Rabbiners Diskin versammelten Rabbiner von mir, dass ich die Mitleitung der Anstalt zur Versorgung und Erziehung jüdischer Waisen niederlegen solle — jener Anstalt, die zur Förderung von jrvjn n* nXTS von Wissenschaft und Handwerk gegründet, zuerst von dem berühmten Rabbiner, Herrn Dr. Hildesheimer in Berlin angeregt wurde und für welche selbst einmal sich die Einrichtung des Hauses ansehen möge, damit man, falls ihm etwas nicht gefiele, es ändern möchte, und wie ich um desswillen vor einem Jahre nochmals zu demselben gegangen wäre. Ich tlieilte ihnen viele Gründe mit, aus welchen dieses Haus durchaus nichts mit dem alten Verbote der Schulen zn thun habe, machte sie darauf aufmerksam, wie aus den Briefen der seligen Rabbiner Maier Auerbach, Mos. Xech. Kahan ow und Elias Sarasohn, die diese an Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer richteten, als bei Gründung des Hauses demselben, wie das bei jeder neuen Sache in Jerusalem geschieht, Gegnerschaften erwuchsen, wie aus diesen Briefen ersichtlich ist, dass jene Rabbiner der Ansicht waren, dass dieses Haus nichts mit dem Verbot der Schulen zu thun habe. Sicherlich hatten sie auf jenes Verbot, das nach dem rr'Ti I"T keine Geltung hat. keine Rücksicht genommen, oder sie wussten, dass dieses Hans keine Schule ist, dass ein Unterschied zu machen sei zwischen einer .Schule“ und einer Anstalt zur Erziehung von Waisen zu und zu Wissenschaft und Handwerk, dass unmöglich irgend ein Baunstrahl sich auf eine so grosse erstrecken kann, wie die ist, Handwerke, Geschäfte und die Geschättssprache mit ,-p’rt HNTi zu lehren und sie mit Kost und Kleidern zn versorgen. Das alte Verbot erstreckte sich nur auf die Sprachen, die man gegenwärtig nicht für irgend eine Lebensweise nöthig hat. — In der Tnat trat man damals von jeglicher Gegnerschaft zurück in der Befürchtung, man möchte dadurch jenes Verbot übertreten, Andere von der Erfüllung einer zurückzuhalten, die zu den von Maimonides in 71"^ aufgezählten 24 Dingen gehört. Nur jener bekannte Zelot, der sich selbst mit dem Namen 22* bezeichnet©. veröffentlichte damals eine Schrift, in der er verächtlich zu machen suchte, wofür er auch von den Rabbinern Jerusalems in späterhin eine Gesellschaft frommer, angesehener Männer in Frankfurt a. M. als Verein sich constituirte. „Wenn ich nicht folgen würde, so würde man mir einen grossen Schimpf anthun, — man strafe nicht, ohne vorher zu verwarnen — denn es existire ein altes Verbot bezüglich der SchuFn.“ (So lautete wörtlich ihre Verwarnung.) Ich fragte sie nach den Namen der „versammelten Rabbiner“, worauf sie mir erwi-derteu: sie hätten kein Recht darüber zu sprechen. — Ich erzählte darauf den Dienern, wie die Anstalt auf Grundlage von riT.“ und fix“* *n schönster Weise geleitet werde, wie ich bereits häufig den Wunsch ausgedrückt, dass Rabbiner Diskin den Bann gethan wurde; seit jener Zeit ist diesem Hause keine Gegnerschaft mehr entstanden. Trotz all* diesem möge Rabbiner Disk in, wenn er glaube, dass die Sache gesetzwidrig sei, mir sehr i ft lieh mitt heilen, dass es mir rp.'oi pt *2 ^»verboten wäre, an der Leitung des Waisenhauses theilz o nehmen und die Aufsicht da rüber zu führen, dass Alles darin n**mr*T*2^> gehandhabt werde; ich würde dann diesen Brief den, Vorstehern des Waisenhauses zustellen und ihnen schreiben, dass ich in Folge der Entscheidung j