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Der Israelit · 1887-12-01 · Heft 93 (1.12.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 93 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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verbreitet und von allen Seiten begannen nun die Notablen ohne Unterschied der Eonfession nach der Wohnung de? neuen Ehacham - Basckü zu strömen, um ihm zu gratuliren. Bald darauf erschien auch der österreichisch-ungarische Gcneral-Eonsul «Vertreter dcS edlen rolcranlcu Kaisers Franz Josef und immer die (ersten, wenn cs sich darum handelt, die Jude» zu ehren und auszuzcichncn) beim neuen l'hachanl-Baichi, um ihn zu beglückwünschen, und diesem folgten dann schnell nacheinander die General- Eonsulcn Englands, Griechenlands, Italiens u. s. w. Unser ganzes Iudenvicrtel war an diesem Tage auf den Beinen, um die hohen Herren kommen und gehen zu sehen. Unser General-Gouverneur Ghalib Pascha und die übrigen Landes- und auch die Stadtbchördcn werden dem Neu gewählten erst daun gratuliren, wenn seine Wahl die Bestätigung des Sultan erhallen haben wird. Da« auf dessen Wahl bezügliche Protokoll wurde auch schon iu Begleitung eines curriculum vitae des Neugcwählteu und eines Gutachtens unseres General-Gouverneurs über die Fähigkeiten, den Eharaktcr und die louale Gesinnung des Letzteren, au die Hohe Pforte nach Koustautinopel gesendet. Nach dem Eintreffen des kaiserlichen Bestalluugs-Fcrman«, der vom General-Gouverneur in der Wohnung des Neugewählten unter großer Pompcntfaltung verlesen werden wird, wird die feierliche Installiruug dcffclbcn in sein neues Amt stattfindcn, und wurde mit den Vorbereitungen dazu auch schon begonnen. Der Neugcwählte wird dann am darauffolgenden Sabbat die erste Tcraschah in der großen Synagoge abhaltcn und am Montag daraus zum ersten Male als Richter sungiren.. Feuilleton. Aie Kerrin von ZittawiH. ix. «Sagtest Du nicht vorhin, liebes Kind, daß cs Dir manchmal in eurem Hause so still und einsam vorkäme? Nun, mein Kind, ich würde mir ein Vergnügen daraus machen. Dich iu die große Welt einzusührcn. Zunächst würde ich inidj_ bemühen, Deine Erziehung zu vollenden. Verstehst Tu etwas von Musik?" ««Ich habe einigen Unterricht genoffen beim Organisten im Dorfe. Ter Herr Organist meinte, ich, hätte gute Anlagen. Er wollte meinen Vater bestimmen, mich nach Wien in das Eonservatorium »u schicken. Mein Vater war auch nicht abgeneigt, , 1653 den Rath zu befolgen; allein, ich konnte wich nicht entschließen, die Eltern und die Geschwister zu verlassen."- «Folge mir in den Salon!" Die Baronin führte das junge Mädchen au einen Erhardt'schen Flügel. «Da, setze Dich hin, und spiele mir etwas. Hier sind Noten. Suche Dir ans, was Du spielen willst." ««Gnädigste Frau, ich bin an ein so große- Instrument nicht gewöhnt; wir haben zu Hause nur ein Pianino."" «Versuche es nur. Es wird schon gehen." Rahe! suchte sich ein Ehopiu'sches Lied aus und fing au zu spielen, anfangs schüchtern, daun ober mit immer größerer Zuversicht. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte die Baronin den lieblichen Tönen. «Merkwürdig," sprach sie vor sich hin, «wie «doch solche Anlagen erblich sind; ganz die Manier und die An ihres Vaters!" — Die Augen der Baronin füllten sich mit Thränen. Als Rahel geendet hatte, fühlte sie sich von zwei Armen umschlungen. Tie Baronin zog das junge Mädchen an ihr Herz, küßte es und sprach: «Dein Spiel ist ein ganz vollendetes, es ist seelenvoll und herzerfreuend. In dieser Beziehung bedarfst Du keiner Ausbildung mehr; eine jede Dame könnte Dich um Tein Talent beneiden." Die Baronin schloß das Elavicr. Heber demselben hingen die Bilder des Baron Rohritz und seiner Gemahlin. Tie Porträts waren bald nach deren Vermählung angefertigt worden, und-die Baronin prangte darauf in Jugend und Schönheit. «Siehe dieses Bild," sagte Sidonie, «wem gleicht cs mehr. Dir oder mir?" ««Gnädigste Frau Baronin,"" sagte Rahel schüchtern, ««ich habe schon oft gehört, daß die Leute sagten, ich sähe Ihnen ähnlich; ich weiß es mir nicht zu erklären, und mein Väter meint, es sei ein Spiel der Natur, das häufig vorkomme."" «Es ist ein Finger Gottes, ein Hinweis, daß wir. Du und ich, einander lieb haben sollen. Leiste meinem Wunsche Folge und komme zu mir. Ich bin eine vereinsamte Frau; ich stehe ganz allem in der Welt, ohne nähere Verwandte und Freunde, ich sehne mich so sehr nach Liede. Wenn Dn bei mir sein und bleiben wirst, so will ich Dich halten und hegen wie mein eigenes Kind. Ich werde mit Dir nach Wien reisen und Dir die besten Lehrer nehmen, die Dich während des kommenden WinterS unterrichten und Deine Ausbildung vollenden möge». Ten nächsten Sommer machen wir größere Reise»

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