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Der Israelit · 1887-11-17 · Heft 89 (17.11.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 89 (17.11.1887)
Date
1887-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton Die Herrin von Aillawih. Die Baronin beugte sich Uber ihren Gatten. Wie blaß erschien dieses Antlitz, nachdem des Fiebers Glnth-von ihm gewichen! „Armer Anton," sagte die Baronin, „wie hast Du so sehr leiden müssen!" „„Und Tn bist hierhergekoinmen in's Feld,., aus den Kriegsschauplatz, um mich zu pflegen! Das ist lieb von Dir, Sidonie. Gott vergelte Dir's. Wie lange bist Du schon hier?"" „Seit l-t Tagen." „„Und Du bist nicht von meinem Bette gewichen! In manchen lichten Momenten habe ich Dich erkannt. Wie werde ich Dir danken können!" " „Ich habe nur meine ^Schuldigkeit gethan. Ich bitte Dich, lieber Anton, sprich nicht so viel! Du bedarfst der NnhcH>nnd oas viele Sprechen möchte Dir schaden." j Der Arzt erschien E> constatirte mit Gciingthuung, daß das Ficver den Kranken vollständig verlassen habe. v „Jetzt," sagte er, „ist dir grösttc Hofsnnng vorhanden, den Herrn Baron am Leben zu erhalten. Freilich must noch die Kugel entfernt werden. Wenn der Herr Obcrstwachtmcister sich ruhig verhalten und-kräftig essen, so können wir Vielleich! schon in den nächsten Tagen die Operation vornehmen, und wenn diese glücklich vorüber, so ist alle Gefahr beseitigt. Dann, gnädige Frau Baronin, werden Sie für alle ihre Mühe und Aufopferung glänrend belohnt sein. Sie könne» Gott danken, Herr Oberstwachtmeister, eine so liebevolle Gemahlin zu bcsitzcn, ohne deren aufopfernde Pflege Sie hängst Ihrer schweren Wunde erlegen wären. — Also, gnädige Frau,' nur Ruhe und kräftige Kost! Ich habe die Ehre." Der Doktor entfernte sich. „Du hast es gehört, Anton," sagte die Baronin, „daß Ruhe Dir nothweiidig ist. Verhalte Dich still und sprich kein Wort., Versuche zu schlafen; ich werde^Dir unterdessen eine kräftige Suppe bereiten lassen." Sie ging und kehrte Nach kurzer Zeit mit der Suppe zurück,.die sie dem Baron reichte. Der Baron nahm.die Tasse; aber er vermochte sie nicht zu halten, so schwach war er. Sidonie brachte sie an seine Lippen, und er sog den. Inhalt derselben ein; auch ein Glas Burgunder leerte er zur Hälfte .und versank dann in einen rtihigen Schlunnuer. Sidonie blieb an seinem Lager uud betrachtete sein eingefallenes Antlitz. ■ „ „Die SMwächc," sprach sie vor sich hin, .„ist zu groß. Wird er die Operation ertragen können'? Wenn er stirbt, so werde ich bald ganz'allein, sein., Mein Vater ist krank und hinfällig, mein Gatte ein Sterbender, und mein Kind.?' Ob cs wirklich nochlebt? Fido schien davon überzeugt zu sein, sonst hätte er mir nicht die Sorge für dasselbe an das Herz gelegt. Wie werde ich die Wahrheit erfahren ‘? Wird mein Vater mir Rede stehenAuch Anton scheint davon zu wissen, das habe ichcheinen Fieber-' Phantasien entnommen. Wie er nur davon erfahren haben, mag'? Sie versank in tiefes Nachdenken, bis auch endlich ihre Angen sich schlossen. Sie hatte einen großen Theil der Nacht wachend am Lager ihres kranken Gemahls zngebracht; jetzt forderte die Natur ihr NechL Ein holdes Traumbild schien sie für all die Leiden der schmerzvollen Gegenwart entschädige» zu wollen. Eine schöne Jungfrail erschien ihr im Traume, welche die Arme nach ihr ausbreitete und sie init dem süßen Namen: Mutter! rief; und auch Sidoiiie streckte ihr die Arme entgegen und sprach: Komm an mein Herz, meine Tochter! Die Baronin fuhr empor. Das süße Traumbild war verschwunden, um der traurigen Gegenwart Platz zu machen. Der Major schlief noch, und Sidonie ging, um wiederum eine kräftige Brühe für ihn zu besorgen. Als sie znrückkehrte, war der Kranke eru/acht und sie flößte ihm die Bouillon , ei». Den Wein, den sie ihm bot, wjes er zurück. „„Ich habe mit Dir zu reden, Sidonie,"" sagte er; „„deßhalb will ich den Wein erst später nehmen; er möchte mich betäuben."" „Du sollst Dich ^aber ruhig verhalten, Anton. Der Arzt hat es auf das Strengste befohlen." „„Laß doch den Arzt! Mir kann kein Doctor mehr helfen. Sie werden mich gualen,. mich chloroformiren, um , mir in's Fleisch zu schneiden und die Kugel herauszuholen. Ich fühle«, es; ich werde die Operation nicht überleben. Bleibt aber die Kugel stecken auch danw nmß ich sterben. Deßhalb hat die Schonung keinen Zweck. So laß mich denn sagen, was ich zu sagest habe. Du weißt, ich habe einen Brudersohn im Eadettenhause, der nur auf meine llnterstützmig angewiesen ist. Bersprich mir, für ihn zu sorgen; wenn ich nicht mehr da sein werde."" „Ich verspreche es Dir."

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