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Der Israelit · 1887-11-14 · Heft 88 (14.11.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 88 (14.11.1887)
Date
1887-11-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1578 znstchen. Man machte ihnen täglich die Schwere ihres Verbrechens begreistich, sagte ihnen» daß sie den Gott der Christen schändlich verletzt — und so beschlossen denn die beiden Gefangenen endlich» nur um nicht mehr gemartert zu werden, alles einzugestehen, waS die Untersuchung wünschte. Nun wurde daS Verfahren gegen die beiden Verbrecher begonnen, — sie wurden gerädert. — Ein Kirchen fest wurde abgchalten und der Ortspfarrer soll dazumal eine erbauliche Predigt gehalten haben, die nicht wenig, sowie der ganze Vorfall überhaupt, dazu beigetragcn, de» Juden der dortigen Gegend daS Leben unerträglich zu machen. Tie erste Wuth hatte sich gelegt: der hochwcise Pfarrherr schrieb diese Geschichte seinem Bischöfe nach Havclbcrg und richtig, der Kirchcnherr antwortete eiligst, was geschehen, sei des Herrn Wille, — aber, wo ist der Kelch, die Monstranz mit der geweihten Hostie, die doch gesunden sein müsic der deu Ticken? So nagte der Herr Bischof an. Ta war denn -ganz Tcchow, hauptsächlich aber sein wohlweiscr Magistrat mächtig in Verwirrung gerathen, und der ehrwürdige Herr Pfarrer bot alle Schaufeln und Eisen des Torfes auf, um die vergrabenen Heiligthnmer zu suchen, denn so hieß cs, die Juden hätten die Schäyc vergraben. — Tie Tcchower Bewohner arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts und gruben ganze Strecken um, — sie fanden die Hciligthümer nicht. Es war eine geraume Zeit verflössen seit diesen Begebenheiten: der Pfarrer hatte einen neuen Meid) mit Monstranz für seine Gemeinde erhalten, — und Alles ging im gewohnten Gange weiter. Ta standen eines Tages. — -es Osternrorgens in der Frühe, noch che das Tageslicht angebrochen war, zwei Männer am Thore deS Techower Pfarrhauses und pochten. Ter Pfarrer sprang erschrocken auf und eilte zur Stiege hinab, den beiden Männern entgegen. Wie groß aber war sein Erstaunen, als er erfuhr, man habe die Heiligthnmer gefunden und zwar da, wo sie lein Mensch gesucht, — im Ackcrbcrcichc eines Tuchmachers aus Pritzwalk, der überall als ein vsissiger .Kerl bekannt war. Ta wollte man denn den Tuchmacher abholen und auch in's dunkle Loch stecken, allein dieser hatte schon den Braten gerochen und war in den Teich gesprungen undertrunken. Jetzt hatte sich die Geschichte Kerausgcstcllt. Tie beiden Inden waren gerädert, warum. das war nun ganz gleich — und der Tuchmacher auS Pritzwalk war ertrunken. « * * Ter Bischof von Havelberg kam aber rück nach Tcchow und wollte die Stelle sehen, tw die Heiligthnmer waren; er wurde hmgeführt und glaubte, daß die Stelle heilig und fortan dem Mer» höchsten geweiht werden müsse. Wirklich ließ der Bischof auch an jener Stelle, wo die Heiligthümcr vergraben waren, eine Kapelle erbauen. Za der Kapelle nun, machte man an dem Orte,, wo die Hostie gelegen hatte, ein Loch, und bedeckte dasselbe mit einem Steine, in welchen mit kurzen Worte« die wunderbare Begebenheit eingegraben war. Diese Stelle ist es, welche oran das heilige Grab nannte: früher unheilig und entweihet, nachher heilig und der Gegenstand großer Verehrung und zahlreicher Wallfahrten.- Auch Markgraf Otto, der Lange, hatte von der Begebenheit gehört, wollte aber nicht daran glauben. Zwar besuchte er nachher die Kapelle und das heilige Grab; aber sein Glaube wurde dadurch nicht größer: doch gefiel ihm die Gegend und wohl hatte er Lust, sich dort eine Burg zu bauen: der Bischof Hane dagegen den Rath gegeben, neben der Kapelle ein .Kloster zu bauen und der Markgraf Otto, ein leicht zu lenkender Herr, gab seine Einwilligung hierzu und bald stand der Ban in Pracht und Herrlichkeit da. Tie ersten Normen kamen ans dem .Kloster Neucndorf. Das graue Tuch zu ihren Kleidern wurde von dem Tuchmacherwerk zu Prizwalk genommen, wahrscheinlich zum Andenken an jenen Tuchrnacher, oder, weil c? die einzige Stätte war. woher man das Tuch beziehen konnte. So blieb der Ort Jahrhunderte lang eine Zufluchtsstätte für unvcrhcirathete, namentlich adelige Fräulein. Markgraf Otto der Lange aber gedachte auch der beiden unschuldig gemarterten Zudcn: er duldete eine Anzahl ihrer Glaubensgenossen im Lande, bis er. wieder der Stimme de» Bischofs gehorchend, die Juden vertrieb.— Gewaltig rüttelte die Reformation in den morschen Mauern des Klosters und erst dem große» Könige war es Vorbehalten, das Nonnenkloster in ein mir 17 Dörfern ausgestattctcs Fräulciustist zu verwandeln. — Wochen - Kalender. rfrriiag, 18. «antftag. 13.?!$».. 3. Nisin» «abdat-Ausganz L Uhr 10 Ria. zRaia;» Uhr).

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