Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 87 (10.11.1887)
- Date
- 1887-11-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449781--27478-2517386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
HM Zb: M$4f ■' ts«? Wjmgmm;3So «11 ^LfürdasÄ^ MrthodoLe mm mm iBEEEOEarD: Atäiier für die israelitische Schute. (Erschciuco ia zwanglose» Kammer».) N-. 4j PLdLgoMcke DeilLge?u Wr. $?. n«. Inhalt: Tie häusliche Erziehung sonst und jezr. — Ter Lehrstoff und deL Lehrziel deS jüd. ReligionSunlerrichrL an Eymnasiea und höheren Lehranstalten überhaupt. — Ti« Tchöpiung (C&ctftaft). — Allerlei: Berlin. Emden. — ,1 >^5i tM( Die häusliche Erflehung sonst und jetzt. NI. ls dritter Factor, welcher in früheren Zeiten die jüdische Erziehung zur nmstcrgültigcn machte, tritt uns „die herzliche Theiluahme am Unglück Anderer trop der eigenen Leiden" als Eharakrcrcigcuthümlichkcit des jüdischen Volkes, der jüdischen Erziehung entgegen. Nur wer selbst da? Unglück kennt, hat auch ein Herz für das Unglück Anderer. DaS jüdische Volk mußte die Wahrheit dieses Saycs au sich selbst erproben und das Gottcsgcbot der Wohlthätigkcit im edelsten Sinne erhielt seine Begründung durch die Thatsachcn der Geschichte. Wenn ein Volk das Unglück kennen gelernt hat, so ist es das jüdische Volk. Es mußte wandern von einem Winkel der Erde bis zu dem anderen; heimathlss, ohne andere Mitte! zur Existenz als das Vertrauen auf Gott und auf die eigene Kraft durchirrt Israel die Welt von der Zeit des Verlustes des eigenen Reiches bis zur Zeit der Revolution in Frankreich, die auch aus dem Juden wieder einen Menschen machte. Zn solchen Zeiten har Israel bewiesen, daß cs das eigene Unglück nicht blind und raub uiacht gegen das Unglück Anderer. Es ist leicht begreiflich, daß ein Volk, welches vom Schicksale auf Schritt und Tritt verfolgt wird, wenn die Schläge des Unglücks endlos dasselbe treffen, endlich stumpfsinnig alles über sich ergehen läßt und wenn das Unglück auch einmal ein anderes Volk aussucht, froh ausjauchzt, daß auch andere vom Schicksal getroffen werden können. Dieser Fall muß cintreten, wenn dem Volke der Glaube an Gott, an eine allgcrcchte Vorsehung abgcht. Israel hielt seinen Glauben durch Jahrtausende fest; alle Unglücksschläge waren ihm vom himmlischen Vater gesandt und darum mußten sic ohne Murren ertragen werden; darum mußte ein Mensch und ein Jude dem anderen das Joch tragen helfen, darum fand das Unglück, das den Bruder traf, cincn Wieder» hall im eigenen Herzen. Nichts tröstet den Unglücklichen mehr, als die Theiluahme Fremder an seinem Unglück und nichts edleres kennt das Menschen Herz, als die „Nächstenliebe". Es ist herrlich und schön über die Nächstenliebe zu sprechen, herrlich und schön die Ausübung der Nächstenliebe zu veranlaffen, aber am herrlichsten und schönsten ist e?, dieselbe selbst auszuführcn. Kein anderes Volk der Erde har in seinem Rcligionsgesetze so himmlisch [ Stadtu. Uaiv.-Bibl. Frankfurt/Main