Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 87 (10.11.1887)
- Date
- 1887-11-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVJSh Jahrgang. Seilage zu Nr. 87 des Israelit. ZeitrrvgSirachrichterr und Eorrcspoudeuzea. Deutschland. Darrnstadt, 7. Noveuiber. Ucker den schon berichteten Lorsall rheile ich Ihnen jem das Nähere mit, zumal die Angelegenheit nicht 'mit einer Bernrrhcilung, sondcm mit einer Freisprechung endete. Ende August v. I. sollte in Pfungstadt der Lorstaud der ortbodoxcn israelitischen Rcligionsgemciude gewählt werbe», wozu von zwei sich gegen" üben'tchenden Parteien zwei verschiedene Kandidaten ausgestellt waren. Ter Lehrer und Schächter David Bär Flcischniaun. welcher unschlüssig war, welchem der beiden Kandidaten er seine Stinrme gebe» solle, erhielt am Tage der Wahl aus Tarmstadt ein Telegramm, inhaltlich dessen er um I Uhr hierher« kommen sollte. Taffelbe war mit „Marx", dem Namen des Rabbiners Tr. Marx unterzeichnet und Fleischmann glaubte nicht anders, als daß er zur Prüfung im Schächten bestellt sei. Hier angckommen, erfuhr er, daß er getäuscht und dass das Telegramm anfgegedcn worden war, um ihn Iden Fl.) von der Ausübung feines Wahlrechts ab« zuhalten. Der Aufgeber hatte sich nun dieser Tage vor der hiesigen Strafkammer unter der Anklage zu verantworten, daß er in rechtswidriger Absicht und um einem Anderen Schaden zuzufügen, eine inländische zum Leweise von Rechten und Rcchtsvcrüälttnnen erhebliche Privaturkunde (nämlich das schon cnvähnle Telegramm auf den Namen des Nabbincrs Tr. Mai'x in Tarmftadrr fälschlich angeserrigt »nd von derselben zum Zwecke einer Täuschung Gebrauch gemacht habe. Tie Staatsauwallschaft Halle auf Grund der Beweisaufnahme alle geschlichen Boraussetzangcu des Lcrdrechenö der Urkundeusälschung für gegeben erachtet und gegen den Angellagteu eine istägigc Grfängnißstrasc in Antrag gebracht, . der Gerichts« Hof dagegen schloß sich den Aussührmigcn des Bertheidigers, welcher die Handlungsweise des Angeklagten für nicht straffällig hielt, an und sprach ihn frei. WormS. Am Ssnurage,?mv,5 *r, wurde ein Mann zu Grabe getragen, der cs durch ein langes, thaten- und segensreiches Leben verdient, daß feinem Namen auch in Ihrem geschätzten Plaue ein Nachruf gewidmet, seine Tugend und Gottesfurcht in den weitesten Kreisen des jüdischen Lebens als würdige- Vorbild bekannt werden. Herr Zacharias Liusheimer bs“i, in Bürstadt bei Worms, unter dem Name» Sscher SinSheimer oder Socher Bürstadt in vielen Kreisen bekannt — ist nach.zurückgelegtem 80. Lebensjahre am Toniierstag 'i gestorben. Ter Verstorbene zählte zu denjenigen wackere» und braven Männern, deren Leben auf den 3 Säulen ihres Glaubens c-cn rrfroz, moj?, rmn begründet ist. Tie 3 erhabenen Worte waren ihm die Richtschnur seines Wirkens. Die rnrn, welche er von Kindheit an eifrig gelench in welcher er sich einen hohen Grad von Wissen erworben, so daß er allgemein als mb anerkannt wurde, war das Feld, in welchem sein reger und forschender Geist Befriedigung suchte und fand. Aber nicht das Lernen war ihm .Hauptsache, sondern die That, mcy, die Anwendung des Erlernten in der würdigsten Weise und sie leitete ihn auch bei Ausübung von cnon mrc: das zu bcihärigcn er keine Gelegenheit versäumte. Dies Alles wurde in tiqgefühlten warmen Worten bei seiner am Sonntag unterJchr zahlreicher Bethciligung siattgehabtcn Beerdigung von den verschiedenen Rednern zum Ausdruck gebracht. Es waren dies Herr Rabbiner Dr. Sreka. Worms, die Neffen des Lerstorbcueu, die Herren Joseph Jeidel, Pfungstadt, Salomo» Bodcnheimcr H., Biblis und .Herr Lehrer Iaffe, LonÄ. welche der großen Trauer um de» Bettust des Lerrwigteu würdigen Ausdruck verliehen. Ansügen will ich, daß der Dahingkschiedeue auch in hiesiger Stadt, während der kurzen Zeit seines Wohnsitzes dahier mit ehrendem Bettraue» in die Bctthcklilngs - EommWon gewählt wurde nnd auch in dieser Eigenschaft mit Hellem Blick und liebevollem .Herzrn in Gemeinschaft mit seinen (5olle» gen segensreich zu wittc» verstanden hat. n3*5an X. Köln. Die jüngst in Köln verstorbene Freifrau von Oppenheim baue sich bekanntlich durch ihr wohlthätiges Walten, ihre sttte Hilfsbereitschaft, die sie an jedem sich ihr naheadcu Bedürftigen, ohne Unterschied der Religion übte, nicht allein die höchste Antttennnng, sondern auch Tausende dankbarer. .Herzen erworben, die ihr dis übers Grab hinaus ein liebendes Andenken bewahrt haben. Weniger bekannt aber ist die Art und Weise, in welcher Frau von Oppenheim ihre Wohkrhaten zu gewähren.