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Der Israelit · 1887-11-07 · Heft 86 (7.11.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 86 (7.11.1887)
Date
1887-11-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1538 Vereinigten Staaten erscheinendes. AnS Deutschland hingegen oder au? Lcsterrerch.Ungarn gelangt säst nie eine jüdische Zeitung in unsere Hände und so erfahren wir auch nur äußerst selten etwas über das jüdische Leben in den genannten zwei großen abendländischen Reichen. Und doch würde cs uns freuen, wenn wir dann und wann irgend eine inrercssantc jüdische Neuigkeit aus dem deutschen Reiche oder aus der habsburgischcn Monarchie erführen. Leben ja doch hier auch einige Israeliten aus Norddeutschland und die berühmteFe;s?.brik der Gebrüder Fünh zu Schüttcnhofen im südlichen Böhmen hat hier einen Agenten jüdischer Abstammung, der die zum Rothfärben des Fez so nöthige bhochcmlle-Tinktur ankauft und sie dann über Hamburg an seine Kommittenten sendet. Indes trifft ein großer Theil der Schuld, daß wir gar so abgcschuitlen sind vom jüdischen Leben und nur äußerst selten Nachrichten über die Lage und Stellung der Juden in Mitteleurova erhallen, die bicügen Israeliten selbst; da dieselbe säst ausschlictzlich dem Handel und dem Verdienste leben und nur äußerst selten das Verlangen nach einer jüdisch-geistigen Lectüre oder Achnlichem fühlen. Zwar werden die hohen Feiertage, so das Ncujahresfcst und der Versöhnungstag, hier noch strenge gehalten und am Sabbat sicht man sogar auch mehrere Geschäftslä'ven geschloffen; aber im Allgemeinen fehlt das religiöse Leben hier und kann man die Familien an den Fingern abzählcn, welche noch die jüdischen Spcisegesetzc befolgen und ihren Kindern auch hebräisches Wissen beibringen lassen. Andererseits muß man wieder bedenken, daß unsere Gemeinde fast die einzige Mittelamerikas ist und. daß auch in den uns benachbarten südamerikanischen Staaten: bolnmbien, Venezuela. Ecuador re. auch nicht ein einziger Jude angetroffen wird. Die zwei uns zunächst liegenden jüdischen Gemeinden sind: San Francisco in Kalifornien und Kingston auf der Insel Jamaico; aber um nach einer derselben zu gelangen, müssen wir uns schon auf eine mehrtägige Seereise einlasscn, was wieder nicht Jedermanns Sache ist. Dazu kommt noch, daß Panama quass in einer entlegenen Buch! des Stillen Lceans liegt, und ist daher unser Handel mehr rin transitorischer als ein lokaler. Dies wird jedoch bald anders werden. Nur noch zwei Jahre nämlich oder höchstens drei und der Panamakanal, den jetzt eine internarionale Eapiralnrengruppe, an deren Spitze Graf Ferdinand LeffcpS, der bekannte Schöpfer des Suczkauals siebt, hier graben läßt, um so den Golf von Äerico oder vielmehr den atlantischen l?cean mir dem Stillen Weltmeere zu verbinden, wird dann vollendet sein und der ganze Seeverkehr zwischen Europa und den östlichen Gestaden Nordamerikas einerseits und den Küsten des westlichen Amerikas und deS östlichen Asiens andererseits wird dann seinen Weg über unsere Stavt nehmen. Dieser banal wird sich von Aspinswall, das jenseits, bis hierher nach Panama, das dieneits der Landenge von Darren liegt, erstrecken. Die vom atlantischen Ocea» kommenden Schiffe werden dann nicht mehr, wie bisher, um in den Stillen Scean zu gelangen, um die ganze südamerikanische Halbinsel herumfahren müssen» sondern in den Golf von Mexiko und von demselben dann in den neuen Kanal einlauscn, um bei unserer Stadt das letztgenannte Meer zu erreichen. Panama, das übrigens schon heute eine bedeutende Handelsstadlist, wird dann eine Wclthandelsstadt sein und in unserem Hasen werden sich die Schiffe der alten und neuen Welt ein Stelldichein gebe». Und mit dein Aufblühen unserer Stadt und unseres Handels werden dann hoffentlich auch unsere Gemeinde und unser religiöses Leben aufblühen. Die hcraunahenden jüdischen Feiertage werden auch Heuer, wie inr vergangenen Jahre, ernst- und weihevoll begangen werden und trifft unsere Ge» nieiudc auch schon die nöthigcn Vorbereitungen dazu. Ter Tempel wird zwar nur ein gemkethetes Zimmer sein und als Vorbcter werden wahrscheinlich einige Mitglieder der hiesigen Gemeinde sungirea; aber nichtsdestoweniger werden auch wir einen schönen Gottesdienst haben und wieder drei Tage hindurch vereint sein und uns als Kinder e in es Stammes betrachten.' Sind dann diese drei heiligen Tage vorüber,. dann geht ein Jeder wieder feines Weges, nur seinen Erwerb zu suchen. Selbstverständlich machen die wenigen religiösen Juden hier davon eine lobcnswerrhe Ausnahme, denn sie kommen auch am Sukkorhscste zusammen und tauschen dann gegenseitig ihre Erinnerungen an diese einst in ihrer Hcimath und in ihrem Familienkreise so fröhlich verlebten Tage aus. MB Freitag» 11. Rov.. 24. Samstag» 12. No».. 25. Ctt?*»an n 22 rrc *TJ Montag. 14. No».. 27. <ftti4K>an '*r* rr:*r* Tornrerftag, 17. No»., l. Äis:«a> sttti cjt» Saddar-LuSgang 5 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr).

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