Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 86 (7.11.1887)
- Date
- 1887-11-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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'mm XXViiL Jahrgaur- KeLlage zu Ur. 86 -es Israelit. Zeitnugsuachrichteu und Correspondcnzeu. Deutschland. Bromberg. Qm März 1885 wurden hier zwei Personen beim Betteln betroffen und arretirt. Nachdem dieselben wegen dieser Ueberttetung die übliche Haftstrafe erlitten, erfolgte ihre Freilassung nicht, weil sie als russische Ueberläufcr ausgeliescrr werden sollten. Letzteres konnte jedoch nur auf diplomatischem Wege geschehen. Bei dem einen waren die betreffenden Schritte nach Jahr und Tag so weit gediehen, daß feine Auslieferung an die russisch.polnische Grenzbchörde im Monat Juni 1886, also nach 15Monaten, erfolgen konnte, verändere, ein 25jähriger Bursche, Salomon Ezagalowirsch mit Namen, aber sitzt seit nunmehr 2 Jahren 6 Mo» natcn im hiesigen Polizeigefängniß, und es läßt sich noch nicht absehen, wann er in Freiheit gesetzt werden kann. Rumänien. Vr. 6. Bukarest, 30. Okt. Die „Oesterreichische Wochenschrift" in Wien enthielt in einer ihrer letzten Nummern eine Correspondenz aus Rumänien, die urir auf dem Umwege der Dukaresrer „Voacca Treptatzcr" bekannt geworden. Ich sehe mich genothigt gegen diese (Korrespondenz zu rcagiren und zu diesem Zweck muß ich da« Nachstehende vorausschicken. Ich habe schon vor längerer Zeit im hiesigen „Ncsboiul" eine Notiz gelesen, die den ganz sonderbaren Inhalt hatte: „Aus Veranlassung einiger geldgieriger Pattone l Handwerksmeister, Fabrikherreu) zwingt die Polizei der Hauptstadt die fremden (eine neuere Nummer der „Eloilc Romaine" sagt geradezu „die jüdischen") Schneider zu Schandpreisen ihre saure Arbeit zu leisten, unter der Drohung, daß sie sonst ausgewiesen werden würden." Diese Notiz war mir trotz einem Rumänen, der ich bin, ganz unverständlich und in Anbettacht ihr.s Inhaltes zu schrecklich, um sie ohne Abwarten weitrrzugcben. Ich bin es gewohnt alle Nachrichten. die ich in die weite Welt sende, vorher aus ihre Richtigkeit zu kontroliren und mit Hilfe meines bischen „gesunden Menschenverstandes" zu prüfen, ob sie auch glaublich sind. Ties schien mir nun hier nicht der Fall, w>.il ich es selbst für ZKunäuicn unmöglich fand. Jemanden zur Arbeit und zur Arbeit für nichts zu zwingen. Darum habe ich sie, wie manche andere Nachncht, etwas älter werden lassen, um adzuwarten, ob und wie sich bestätigt. Leider ist die Bestätigung noch erschreckender, als die wenige» Zcilcn des „Ncsboiul," die ich oben wiedergegebe». Nicht nur mehrere Zeitungen, wie „Epoca." „Lupta," „L'Eroile 3k." und andere berichten das Nämliche, sondern auch von den wenigen Patronen (also »och weniger Arbeitern) sind, wie verlautet, unterdeß über 500 israelitische Arbeiter (Schneider) nach den Polizeiarresten abgeführt und zum Theil zurück nach der Moldau» von wo sie nach Bukarest gekommen waren, zum Theil, wie die „Epoca" sagt, gänzlich aus Rumänien (!) ausgewiesen worden. Es versteht sich von selbst, daß ihnen nicht offen zugemuthct wlrd, zu Schandpreisen zu arbeiten, cs wird ihnen blos nahegelegt und wer nicht verstehen oder sich nicht unterwerfen will, ist im Handumdrehen ein „Vagabund" und wird unter dem lächerlichen Vorwand, der Eine wäre aus Bottuschan, der Lindere aus Jassy rc., die doch auch in Rumänien liegen, von der Wohnung oder der Werkstatt (das sollen Landstreicher fein!) aufgehoben, um dahin abgeschkckt zu werden, woher er gekommen. Dermuthlich handelt es sich bei diesen jüdischen Arbeitern um christliche Patrone, z. B. die Milirärkleiderfabrik von Mandrea; denn es ist mir auch ein Fall bekannt, wo der Patron sich bei der Polizei beschwerte, daß ihm mehrere seiner Arbeiter verhaftet wurden und der eine Garantie in Geld anbot, daß seine Arbeitsgescllcn keine „Landstreicher" seien. Dies wird ein jüdischer Meister gewesen sein und wie cs heißt, soll ihm der zufällig in der Polizei-Präfektur anwesend gewesene General-Sekretär im Ministerium des Innern auf seine Beschwerde erwiedert haben: „Warum cngagireu Sie nicht deutsche, italienische (?) rc. Arbeiter, wenn unsere Rumänen für solche Arbeit nicht geeignet sind? Wir brauchen keine jüdischen Handwerker." Welcher immer der wahre Grund dieser neuesten Auflage der „Dagabunden"- Hetze von 1887 sein mag — „Resdoiul" sagt in einem andern Anikel, daß „die auswärtigen Zeitungscorrespondcnten in Bukarest sie als eine Art PspularirärS-Reklame deS Herrn Brationu für die hcrrannahendcn Wahlen erklären, well fämmtlichc Handwerker, die davon bettoffen wurden.