Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 85 (3.11.1887)
- Date
- 1887-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV11L Jahrgang. SeUage zu Nr. 85 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Gunzenhause«, (Bayern). 30. Oktober. Am 24. Oktober d. I. wurde dem hiesigen israel. Eultusvorstand Anzeige erstattet, daß am genannten Tage Morgens der Krämer Lei bei Fragner aus Krakau (Oesterreich) 76 Zahre alt, wie aus dessen Reisepaß ersichtlich, beim Kaffcetrinken vom schlage getroffen, verschieden sei. Cs reisten sofort einige Mitglieder der hief. israelitischen Gemeinde nach Dittenheim, wo der Genannte verschieden ist und wo keine Israeliten wohnen; man versäumte nicht, alle Anordnungen zur Bestattung dcS Tobten am hiesigen israelitischen Friedhöfe anzuordnen; es wurde auch ein israel. Wächter von hier requirirt. ] Am folgenden Tage wurde hier die Leiche der Erde übergeben, woran sich zahlreiche Glanbensgenoffen auch vom benachbarten Orte Berolzbeim betheiligten. ' Ta der Verlebte außer seinem Rcisepaffe irgend einen Brief oder sonstige Belege nicht hatte, so wäre es möglich, daß durch diese Zeilen dessen Verwandten Auskunft crthcilt werden könnte. $ Dinslaken, 28. Lctobcr. Das Israelitische Waisenhaus zu Dinslaken versendet soeben seinen zweiten Rechenschaftsbericht. Während des Jahres 1886/87 haben dreizehn Waisen Erziehung und Pflege in der Anstalt erhalten. Gewiß eine oncrkenncnswerthe Leistung in Anbetracht dessen, daß der Fond der Anstalt erst 15000 M. beträgt, dem 9000 M. auf dem Anftalrsgebäude lastenden Hyvorhckenschuld gcgenübcmchenlES war dies überhaupt auch nur dadurch möglich, daß sich die Iah» rcScinnahmcn ziemlich befriedigend gestaltet haben. Zur vergangenen Jahre haben im Ganzen fünfzehn Wohtthäter von der Einrichtung cr;p Stiftungen für sich oder ihre Angehörigen zu errichten, Gebrauch gemacht. Für die Verstorbenen wird regelmäßig das cn? Gebet verrichtet, sowohl während des Trauerjahres wie an den wicdcrkchrendcn Jahrzenstagcn. Heber dem **rn -u wird für jede Jahrzcir extra ein Licht gebrannt. Ter Dorbericht wendet sich an weitere Kreise mit der Bitte um Zuwendung solcher Srisiungen durch eine einmalige »tepitalspmde von 300 M. Es gibt gewiß kein schöneres Denkmal, das ein Jeder sich selbst oder seinen in Gott ruhenden lieben Angehörigen errichten kann. Die Gedenktafel in der Anstaltfynagoge weist schon eine stattkiche Reihe solcher Wohlthäter auf. Die Ansprüche, die während dcS abgelaufeneu Jahres an die Anstalt herangetreten sind, waren sehr große. Leider konnte die Anzahl der Pfleglinge nicht vermehrt werden, weil die Einnahmen des Instituts es nicht gestattet haben. Der Bericht wendet sich dcßhalb an wohlthätige Männer und Frauen in Israel um weitere Zuwendungen, damit das Waisenhaus in die glückliche Lage komme, mehr als bisher die Ausnahmegcsuche armer Waisen berücksichtigen zu können. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 31. October. Die kn der jüngsten Nummer des „Israelit" veröffentlichte Eorrespouden: aus London, in der gemeldet wird, daß mau sich dort mit der Absicht trage, die daselbst bestehenden kleinen Synagogenvrrcine, namentlich die. polnischen Ehebroth, in der Weise zu vereinigen, daß ein gemeinsames oder General-Comitä aus den Vorständen der betreffenden Gemeinden gebildet werde, um so für alle diese Gotteshäuser eine einheitliche Leitung zu ermöglichen, wurde auch hier mit Aufmerksamkeit gelesen und gab sie so Anlaß zu lebhaften Discussionen über die Stellung und Verwaltung unserer Gotteshäuser. Wien kränkelt nämlich wie London an dem Nebel, daß wir des Guten gar zu viel haben, d. h. zu viele kleine Belhäuser besitzen, so daß man vor lauter Bäumen den Wald d. h. die Hauptsynagogen gar nicht sicht. Und in der That ist cS in dieser Hinsicht sehr traurig hier bestellt. Denn während die Neologcn drei herrliche Gotteshäuser oder Tempel nnd zwar einen in der Innern Stadt, einen in der Lcopoldstadt und einen in Mariahilf, besitzen, haben die Orthodoxen hier kein Mutter- oder Ccntral-Gotteshaus, höchstens, wenn mau die Synagoge in der Schiffgasse, in der der Schwiegersohn des "£io ern, der allgemein hochgeehrte Rabbi Salomon Spitzer "2, als Rabbiner und jem (Prediger) fungirt, ein solches nennen will. Dagegen findet sich hier eine beträchtliche Menge von kleinen Synagogen und Lethänsern und fast ln einem jeden unserer zehn Stadtbezirke befinden sich wenigstens zwei Synagogen, oft aber noch bedeutend mehr. So besitzt die innere Stadt den Tempel in der SerlenjtcUcngasse, in dem bekannttich Dr. Jeüinek