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Der Israelit · 1887-11-03 · Heft 85 (3.11.1887) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 85 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxvm. Sahrgaa-. J\fc 86. KenLrat - Organ für das ortflodore ZudenLHum. HcreuSgegebcu von Dr. Lehma«» in Mainz. V Donnerstag, den 3. November 5347 (1887). Leitender Artikel. Die Hastfreundschaft.*) Der Mann, der als Erster den Einheitsglauben verkündete, erstrahlt auch in der erhabenen Tugend edler, hochherziger Gastfreundschaft. Vom Erzvater Abraham wird berichtet, daß er an der Thüre seines ZcltcS saß, drei fremde Männer erblickte, denen er sogleich entgegcnlief und sic dringend ersuchte, bei chm einkchren und ein Mahl cinnehmen zn wollen, (1. M. 18. 1—S.) — Und cS erscheint ganz natürlich, daß die Tugend der Gastfreundschaft eben von dem Manne in solch edler Weise geübt wurde, der von der Uebcrzeugung durchdrungen war, daß Ern Gott Himmel und Erde geschaffen, daß Ein Gott der Vater aller Menschen ist! Der Talmud enthält zahlreiche Aussprüche zur Einschärsung der Tugend der Gastfreundschaft. So heißt eS unter Anderm: Groß ist die Erfüllung des Gebotes der Gastfreundschaft; siegleicht dem Besuche desLehrhauses am frühen Morgen. (Sabbat 127.) — Ein anderer Lehrer bemerkt hiezu: nicht gleich, sondern größer ist die Gastfreundschaft als der Besuch des Lehrhauses. (Daselbst.) — Größer ist die Einführung der Gäste in sein Haus als der Empfang der Gottheit. (Daselbst.) — Wer in seinem Hause einen Gelehrten gastlich bewinhct, dem wird dies angerechnet, als hätte er die täglichen Opfer dargebracht. (Bcrachoth 10.) — Ter Gastgeber muß den Gästen da» Mahl mit freundlicher Miene - *) Nach Um foctot erschiene«» Buche .Ter Geist de« laltnub“ von Sä- Ehrrurheit in Budapest, KönigLcciit, 16. Selbstverlag der Benasinr. Prti» 3 Mark. — L?ir werde» f. G. w. da» Buch »ächürn» bespreche» und rühre» h kitte dem geehrte» Leser de» »achfolgeudea Aussatz al§ Probe vor. reichen. (Berachoth 44.) — Er selbst muß für die Bewirthung Sorge ttagea (Kidduschin 32.) Während jedoch die Tugend der Gastfreundschaft von den Weisen des Talmud eingeschärst wird, unterlassen sie es nicht, gegen den mögliche» Mißbrauch der Gastfreundschaft Anderer nachdrücklich st zu warnen, indem sie die Existenz eine- Menschen sur höchst prekär bezeichne», der auf eine- Fremden Tisch angewiesen ifU* lieber die Gastfreundschaft, die Abraham selbst, auch in diesem Punkte das erhabene Musterbild für .alle Welt, geübt hat, berichten die Talmud- Lehrer Folgendes: Wenn Wanderer, die Abraham gastlich bewirthete, vom Tische ausstanden und ihrem Wirthe danken wollten, sprach er: „Habet ihr denn vo» dem Mcinigcn gegessen? Ihr habt die Gabe» Gottes genossen; danket vielmehr dem, der die Welt in's Dasein rief, und dem AlleS gehört, waS wir haben!" (Sota 10.) Und der Synhedrial-Präsident R. Gamlkel befleißigte sich, die Tugend der Gastfreundschaft ebe»?ianz in dem erhabenen Sinne zu üben, wie dies eitenS Abrahams geschehen ist. So wird über diesen hervorragenden Talmud-Lehrer Folgendeberichtet r Rabbi Gamliel, Oberhaupt der Akademie, feierte die Hochzeit seines Sohnes und bediente bei dem Festmahle selbst die Gäste, unter welchen sich auch die 3 Rabbinen Elieser, Josua und Zadok befanden. Der Wirth schenkte einen Becher Weineein, dem er dem Rabbi Elieser reichte. Dieser nahm den Becher nicht an, well er sich von einem so Le» lehrten, hochgestellten Manne nicht bedienen laste» wollte. — Josua, dem nun der Becher gereicht wurde, nahm ihn ohne Bedenken an. — „Paßt eS wohl, Josua! bemerke der Andere, daß wir hier

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