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Der Israelit · 1887-10-31 · Heft 84 (31.10.1887) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 84 (31.10.1887)
Date
1887-10-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1506 Reise durch ebenes flache? Land ging und weit und breit weder ein Hügel noch ein Baum oder ein Felsen, und ebensowenig irgend welches lebende Wesen zu sehen war, so ließ sich dieselbe recht langweilig an und die Mitglieder der Karawane suchten daher sich auf verschiedene Weife die Zeit zu vertreiben. Man erzählte sich Verschiedenes, 'machte Witze, gab Schnurren zum Besten, und hie und da wurde sogar ein Liedchen getrillert. Auch der Sultan suchte nach einem Zeitvertreibe und benützte daher die Gegenwart der beiden Sheriffe, um mir ihnen einen religiösen Disput anzufangen, der sich recht lebhaft gestaltete. Unterdessen war man in dem Dorfe Schaba, dar hart an der Grenze liegt, angekommen, und da es unterdessen auch Abend geworden war, so machte die Karawane hier Halt und dachte auch sogleich daran, einen kleinen Imbiß zu sich zu nehmen. Der Sultan schlachtete nun eigenhändig einen der mitgenommenen zwei Hammel, indem er dabei zugleich den SegkuSipruch: Bismi Ellahi Errachmani Errachimi! (Im Namen Gotte?, deS Gütigen und Unbarmherzigen!) machte, worauf er das blutige Schlachtmesser in die Erde steckte. Er wollte mit dieser Cercmonie blos den Wunsch ausdrückcn, daß die Weiterreise ohne Blutvergießen vor sich gehen möge. Ter Hammel wurde dann schnell über einem Feuer gebraten, und mußte hernach jedes Mitglied der Karawane ein Stückchen von dem gebratenen Fleische kosten. Ta unsere beiden jüdischen Reisenden den Sultan, dessen Gebiet sie eben betreten hatten, nicht beleidigen wollten, so nahmen sie auch ein Stückchen von dem gebratenen Fleische, warfen es aber sogleich heimlich in's Feuer. Unterdessen harten sich vor dem Lager der Karawane zahlreiche Bewohner des Torfes cingefunden, um den Sultan und dcsien Reisegefährten zu begrüßen. Dieselben vertbcilten dann srischgedörrte Datteln, die sie in Säckchen, die um ihren Hals hingen, mitgebrocht hatten, an die Fremden, wofür diese ihnen wieder die Reste ihres Imbisses als Gegengeschenk überließen. Die .Karawane trat hierauf den Weitermarsch an und kam so gegen Mitternacht nach Ghar, der Residenz des Sultan?. Auf dessen Geheiß lagerte sie sich auf einer Wiese vor dem Palaste. Dieser war eigentlich ein ganzes Eonglomerat von Häuschen, Hütten und Zelten, die dem Sultan, seinen zahlreichen Frauen und auch seinen vielen Bediensteten als Wohnstätten dienten. Rings um den Palast lief eine hohe Dornenhecke, die eine Art Mauer bildete. Ter Sultan begab sich nun in seinen Palast. während die Karawane sich auf's Gras lagerte und schlief. Mit dem Anbruche der Morgendämmerung wurden die Reisenden von dm Dienern deS Sultans geweckt, die dann an die Mitglieder der Karawane Obst und Geflügel zur Zubereitung des Frühstücks vertheiltea. ES war dies ein Geschenk deS Sultan?, der so an seinen Reisegefährten von gestern Gastfreundschaft übte. Nach dem Frühstücke wurden die zwei jüdischen Reifenden in den Palast geführt wo man ihnen dann die Hütte zeigte, in der der schon erwähnte Jude aus dem Sultanate Horeimale, Jabul Zagri, krank oder eigentlich schon in den lctztm Züge« lag, da sich sein Zustand in den letzten Stunden ungemein verschlimmert hatte. Sie näherten sich ihm nun und raunten ibm daS Wort: „Iehudim* ins Lhr. Der Kranke öffnete hierauf halb die Augen und lispelte leise die zwei Worte: „Tacht El- Muhad (unter dem Kopfpolster)* worauf er in feine frühere Lethargie zurückfiel. Unsere zwei Reisenden konnten zwar den Sinn dieser beiden Worte nicht verstehen, sie wollten jedoch den Kranken durch keine Frage stören und ließen ihn nun ruhig weiter schlummern. Sie wichen jedoch nicht mehr von seiner Seite, da der arabische Hekim (Arzt.) der den Kranken pflegte, ihnen gesagt hatte» daß dessen Augenblicke gezählt seien. Zwei Stunden nachher hauchte der Kranke auch richtig mit den zwei Worten: Schemang Israel (brw* jsr), die er nur noch schwach hcrvorsticß, feinen Geist aus. Die zwei Israeliten drückten ihm dann die Augen zu und hoben ihn auch sogleich von seiner Lagerstätte empor, um ihn auf die nackte Erde zu legen. Dabei entdeckten sie nun unter dem Kopfpolsrer ein gefaltete? Papier, das von Junen beschrieben war. Auf demselben chatte der Kranke die Bitte an den Sultan gerichtet, für den Fall, daß er in Ghar sterben sollte, seiner Leiche ein separates Grab anweisen zu lassen, das feine Familie schon bezahlen werde. Wenige Minuten nachher erschien der Sultan in der Hütte und gab dann Befehl, daß der letzte Wille des Verstorbenen pünktlich vollzogen werde. Einer der beiden Israeliten hüllte mm die Leiche in seinen Talith, worauf Beide dieselbe ans ein Brett legten und zu einem nahen Felde hintrugen, wo man unterdessen schon ein Grab znbcrciret hatte. Hinter der Leiche schritt auch der Sultan mit einigen seiner Bediensteten, und war cs gewiß jetzt das erste Mal, daß ein Sultan an dem Begräbnisse eines simplen Juden theilgenom» men hatte. Selbstverständlich wurde an diesem Grabe kein Kadisch gesagt, dafür ließ der Sultan auf dasselbe einen mächtigen Stein wälzen, daunt kein Schakal die Leiche hier aufspüre und au-fcharre. iprr tvw«

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