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Der Israelit · 1887-10-31 · Heft 84 (31.10.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 84 (31.10.1887)
Date
1887-10-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV1IL Jahrgang. Kerlage zu Nr. 84 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. „VolkSthümliche Geschichte der Juden", in drei Bänden, von Dr. H. Grätz, Professor an der Universität Breslau. I.Hest. Leipzig, Oskar Leiner, 1888. AlL diese „volksthLmliche Geschichte der Juden" zuerst angekündigt wurde, hatten wir gehofft, daß mit der in Aussicht gestellten Weglassung „der kritischen Behandlung, der Quellen", auch diejenigen Hypothesen und Anschauungen deö Verfassers, welche der schriftlichen und mündlichen Lehre schnurstracks zuwiderlaufen, fortbleiben würden; allein das uns vorliegende erste Heft enthält schon rcYp’W genug. Der Verfasser folgert in den Eingangsworten die Bedeutung Israels auS der günstigen Lage des Landes und der geistigen Befähigung seiner Bewohner, und fügt hinzu: „Vor ihrer Ansiedelung Hanen sie bereits Erlebnisse zu verzeichnen, die in ihren Augen wunderbarer Art waren." In der That also, meint der Herr Professor, daß jene Erlebnisse beim Auszüge auS Aegypten und bei der Wanderung durch die Wüste nicht wunderbarer Art gewesen seien!! Von den unterworfenen Königen von Palästina sagt der Herr^Professor: „eS soll deren 31 gegeben haben", (S. 4) wodurch er die Worte der heiligen Schrift anzwcifelt. — ES ist sehr zu bedauern, daß der Verfasser in dieser Bearbeitung der Geschichte Israels wiederum feine gegen Gott und dessen heilige Lehre gerichteten Anschauungen zum Ausdrucke bringt. Das vorliegende Heft ist schön, ansprechend und volkSthümlich geschrieben, und wir bedauern außerordentlich, daß wir es unfern geehrten Lesern, und uamentlich der Jugend unseres Volkes, nicht empfehlen können. Die, wenn wir so sagen dürfen, philosophische Anschauung deS Herrn Dr. Grätz, spricht sich in den nachfolgenden Sätzen aus, die ebensosehr der Lehre unsre» Gottes widersprechen, als sie m sich voller Widersprüche find. Der Verfasser schreibt S. 14: ..Ter so spä: erkannte und doch für den Erdengang der Menschen so erhebende Gedanke, daß der allgevalrige und ordernde Geist, der in.der Natur walm, auch dir Geschichte leim. daß der Gott der starren Naturgesexe auch derselbe ist. » der sich in dem Lus- und Niedergang der Völker kundgibt» die- | fcr Gedanke ist «in Erzeugnis des VolkrstammeS, dessen Auge 1 durch seine Geschichte und seinen weiten Gesichtskreis einen geschärften Blick jür dai Außerordentliche und Wunderbar« n» langte.* Wir wollen zunächst die vielen Unwahrheiten hervorhebcn, die in diesen wenigen Sätzen ausgesprochen sind. Es ist nicht wahr, daß die Lehre vom einzigen Gott ein Erzeug«iß deS Volksstamme» f«; diese ewige Wahrheit ist unS durch die Offenbarung geworden, und selbst der einzige Abraham, der Gott aus sich erkannte, erhält die Bestätigung der von ihm erkannten Wahrheit nur durch die Lssenbarung. Es ist ferner nicht wahr, daß Gott nur der allgewaltige und ordnende Geist sei, der!» der Natur waltet; Gott ist nicht nur der Ordner, Lenker und Leiter, Er ist auch der Schöpfer des Weltalls. Es ist auch nicht wahr, daß die Naturgesetze, „starr" seien; Gott kann sie vielmehr nach Seinem weisen Ermessen bewegen oder ändern, und Gott hat das unsern Voreltern und uns durch zahlreiche und mächtige Wunder bewiese» und beweist es noch täglich. Aber auch in sich sind die Orakelsprüche de» Herrn Dr. Grätz widerspruchsvoll. Ist Gott allgewaltig, so können die Namrgesetze nicht „st a r r" sein, sondern sind der Bewegung oder Aenderung, dem göttlichen Willen gemäß, unterworfen; leitet Gott die Geschichte, gibt Er sich in dem Auf- und Niedergange der Völker kund, so ist Gott mehr als der Geist, der in der Natur waltet, mehr als ein Ausdruck der Naturnothwendigkeit. — Er ist ein Gott der Freiheit, der auch Sein Volk über die Gesetze der Natur-Nothwendigkeit erhebt. Diese Inkonsequenz des Herrn Dr. G. zeigt deutlich, daß ohne die Anerkennung der Wunder eine der Wahrheit entsprechende jüdische Geschichte zu schreiben unmöglich ist. Wenn wir all die den Grundsätzen unserer heiligen Religion widersprechenden Darlegungen deS Verfassers hier wiedergcben wollten, so müßten vir fast das ganze Heft zum Abdrucke bringen. So wird Seite 31 dargcstellt, daß die Staatsklugheit Samuels die Wahl Sauls zum Könige veranlaßt habe. ^Wcht aus dem hochmütigen Stamme Ephraim erkor ihn Samuel, sondern auS dem geringsten der Stämme, auS Benjamin." Wie wenn Samuel nach eigener Wahl deu erste» König ausgesucht habe! Was außerdem dem Buche ft$£ schadet, das sind die Hypothesen des Verfasser-,

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